«Mich fasziniert, wie jeder immer wieder sein Bestes gibt»

Am Donnerstag stellte Stadtpräsident Alec von Graffenried die neue Stiftungsratspräsidentin Konzert Theater Bern vor: Nadine Borter (42), Chefin der Berner Werbeagentur Contexta.

«Es ist eine faszinierende Welt der Unmittelbarkeit»: Nadine Borter hat nicht lange gezögert, das Amt der Stiftungsratspräsidentin von Konzert Theater Bern zu übernehmen.

Nadine Borter, wir gratulieren. Für viele in der Kulturszene ist es eine überraschende Wahl – auch für Sie?Nadine Borter:Ja, ich war überrascht, als ich angefragt wurde, aber fühlte mich auch geehrt. Ich war schnell Feuer und Flamme für das Amt.

Sie brauchten also keine Bedenkzeit.Ich habe mir das überlegt und Gespräche geführt. Mir war bald klar, dass ich eine Wahl annehmen würde.

Hat Stadtpräsident Alec von Graffenried selbst bei Ihnen angefragt?Der erste Kontakt lief über Stiftungsrat Marcel Brülhart, wir hatten beruflich bereits miteinander zu tun. Dann fand ein Gespräch mit Herrn von Graffenried statt.

Wie lange liefen die Gespräche schon?Ich stand bereits vor zwei Jahren einmal auf einer Liste, die Gespräche liefen aber in den letzten Wochen.

Weshalb haben Sie zugesagt?Bern. Die Stadt hat mir in den letzten Jahren sehr viel gegeben. Konzert Theater Bern ist für mich eine faszinierende Welt. Als Konsumentin begeistert mich die Unmittelbarkeit von Konzert und Theater, die ist ganz anders als in meinem Beruf. Ich freue mich darauf, die Welten zusammenzubringen.

Welche der vier Sparten gefällt Ihnen am besten?Es gibt keine Präferenz. In allen Sparten weiss ich als Zuschauerin, dass jede Vorstellung anders ist. Mich fasziniert, wie jeder, der auf der Bühne steht, immer wieder aufs Neue sein Bestes gibt.

In der Werbung bringt man eine Message in wenigen Sekunden rüber, in der Oper kann das mehrere Stunden dauern. Macht Sie das als Werberin nicht nervös?Nein. Überall werden Geschichten erzählt, halt unterschiedlich, daher ist es eine spannende Verbindung zu meiner Arbeit.

Wie gut verkauft sich Konzert Theater Bern?Ich bin seit gestern im Amt, es ist jetzt zu früh zu sagen, wie sich das Theater in Zukunft verkauft. Ich glaube, es ist erst mal wichtig, dass ich Zeit habe, Fragen zu stellen, zuzuhören und die Kolleginnen und Kollegen im Stiftungsrat kennen zu lernen.

Was bringen Sie Konzert Theater Bern?Einerseits komme ich aus einer kommerziellen Welt, in der aber das Kreative sehr wichtig ist. Kultur ist wertstiftend und wertschaffend – da kann ich viel beitragen. Andererseits bringe ich Führungserfahrung mit sowie Erfahrung in Kommunikation und der digitalen Welt.

«Wir suchten nicht jemanden direkt aus dem Kulturkuchen»: Der Berner Stadtpräsident Alec von Graffenried erklärt im Interview, warum Nadine Borter die richtige Wahl für das Stiftungspräsidium sei. Video: Florine Schönmann

Stiftungsrats-Vize Marcel Brülhart wird das Gremium bis Ende Jahr leiten. War das Ihre Bedingung oder die Idee der Stadt?Das war ein Miteinander. Die Idee war schnell auf dem Tisch und stimmte für alle, weil sie die Kontinuität der Arbeit gewährleistet.

Sie sind Besitzerin und Leiterin einer der grössten Werbeagenturen des Landes. Woher nehmen Sie die Zeit für das Amt?Die Agentur besteht ja nicht nur aus mir, da sind viele Mitarbeiter, und ich kann mir die Zeit nehmen, die das Stiftungspräsidium erfordert. Ich habe Ja gesagt, also mache ich es auch.

Mit wie viel Aufwand rechnen Sie?Das lässt sich nicht in Prozenten ausdrücken. Es ist ja kein operatives Amt, sondern ein Stiftungsratsmandat. Der Arbeitsaufwand wird sehr schwankend sein. Mal braucht es mehr Präsenz, mal weniger.

Der Stiftungsrat von KTB hatte in den letzten Jahren keine einfache Aufgabe, insbesondere beim Rauswurf von Theaterchefin Stephanie Gräve nicht. Wie beurteilen Sie den Stiftungsrat der vergangenen ­Jahre?Er hat das sehr gut gemacht und kann viele Erfolge ausweisen. Ich kann die bisherige Arbeit des Stiftungsrats nur als Aussenstehende beurteilen und finde positiv, was er geleistet hat.

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