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Mit dem Ex im Möbelhaus

Das Stück «Irina & Frank» spielt im Möbel Pfister in Bern. Zwischen Tischen, ­Sofas und Sideboards verhandelt ein einstiges Paar die gemeinsame Vergangenheit.

Treffen im Geschäft: Irina (Sonja Riesen) trifft ihren Ex Frank (Dominik Gysin).
Treffen im Geschäft: Irina (Sonja Riesen) trifft ihren Ex Frank (Dominik Gysin).
Dennis Finke (PD)

Das Publikum sitzt auf Designerstühlen mitten im Möbelhaus Pfister. Hier spielt das Stück «Irina & Frank» der Compagnie Majacc. Plötzlich ist sie da, das nette Mädchen von nebenan, das sich im Möbelhaus umschaut. Es ist die Schauspielerin Sonja Riesen, bekannt aus dem Film «Der Goalie bin ig», wo sie die Serviertochter Regi spielte. Nun gibt sie die hochschwangere Irina, die nach einem Bett sucht.

Rein zufällig trifft sie auf Frank (Dominik Gysin), ihren Ex-Freund, der angeblich eine Lampe sucht. Floskeln fallen, beide sind verlegen. «Ich habe mich schon lange melden wollen», sagt Irina. «Ich freue mich für dich», sagt Frank, der sichtlich überrascht über Irinas Schwangerschaft ist.

In Form eines analytischen Dramas erzählt Regisseur und Autor Roger Binggeli Bernard, was die beiden einst durchgemacht haben. Sie wollte un­bedingt ein Kind. Die künstliche Befruchtung misslang, er hat sie betrogen, sie hat ihn verlassen. Dass die jeweiligen Erinnerungen höchst subjektiv sind, versteht sich von selbst. Die Ressentiments sind gross auf beiden ­Seiten. Das natürliche Spiel von Sonja Riesen und Dominik Gysin ebenso, wie die glaubwürdigen Dialoge faszinieren. Man fühlt sich wie die berühmte Mücke im Zimmer, die hört, was eigentlich privat bleiben sollte.

Wer ist schuld?

Irinas Neuer, offensichtlich ein Amerikaner, ruft ab und zu an, tritt aber nicht auf. Zusätzlich gestört werden die beiden von einem leicht unbeholfenen Möbel-Pfister-Mitarbeiter (charmant: Luc Bamert), der mit Preislisten, Mustern oder einem Kaffee um die Gunst seiner Kunden buhlt.

Irina und Frank tauchen immer tiefer in die Vergangenheit ab, versuchen bis zum überraschenden Ende herauszufinden, wer damals schuld an der Trennung gewesen ist. Das ist ebenso lustig wie beklemmend. «Ich will einen Teil meiner Vergangenheit nicht in meiner Gegenwart haben», rechtfertigt sich Irina, die ihrem Neuen am Telefon verschweigt, wen sie gerade getroffen hat. Ist sie tatsächlich so glücklich, wie sie tut? Und was versteckt sich hinter Franks Zynismus?

«Erzählenswertes erzählen wir und lassen nicht kalt», ist das Motto der Compagnie Majacc, die 2017 im Berner Atelierhaus Progr mit «Dementia», einem Stück über Alzheimer, auf grosses Publikumsinteresse stiess. «Wir gehen dort hin, wo es wehtut, sei es, weil es so schön ist oder so hässlich», lautet ein weiteres Credo der Truppe. Ein Möbelhaus als Ort der Sehnsucht: Singles wie Paare suchen hier oft nach einer neuen Einrichtung und hoffen dabei auf einen gelungenen Neuanfang.

Vorstellungen: Mi, 21.3. , Fr, 23.3., Mo, 26.3., Di, 27.3., Mi, 28.3, und Sa, 31.3. Türöffnung: 19.30 Uhr, Beginn: 20 Uhr, Möbel Pfister, Schauplatzgasse 33, Bern.

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