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Moskau, Zürich – und jetzt im Kongo

Der Schweizer Regisseur Milo Rau setzt sich zum Ziel, dunkle Flecken der jüngeren Weltgeschichte auszuleuchten. Mit einer offenen Debatte, ohne Schauspieler und Drehbuch.

Umtriebiger Theatermacher: Milo Rau.
Umtriebiger Theatermacher: Milo Rau.
Keystone

«Wer ein bisschen moralischen Restanstand hat, muss aktiv werden», sagte Milo Rau vor kurzem in einem Gespräch mit der Deutschen Welle. Eine globalisierte Welt verlange nach global agierender Kunst. Seit 2007 leitet er deshalb das International Institute of Political Murder (IIPM) und organisierte im Frühjahr 2013 zwei erste Justizspektakel: «Die Moskauer Prozesse» und «Die Zürcher Prozesse». Für seine Arbeiten erhielt Rau 2014 den Schweizer Theaterpreis.

In diesen Tagen ist er in Ostkongo unterwegs. Sein neuestes Theater- und Filmprojekt heisst «Das Kongo Tribunal» und ist erneut eine im Gerichtsformat vorgeführte Liveperformance.

Opferreichster Konflikt

Der Regisseur legt den Fokus auf die rohstoffreiche Kongoregion in Zentralafrika, genauer: auf den Kongokrieg, «den seit dem Zweiten Weltkrieg opferreichsten Konflikt überhaupt», wie es in den Medienunterlagen heisst. In zwei dreitägigen Hearings in Bukavu im Ostkongo und in Berlin soll geklärt werden, wer die Verantwortung trägt für diesen Konflikt, wer davon profitiert.

Milo Rau hat insgesamt neun Jurymitglieder berufen, darunter auch den Soziologen Jean Ziegler, Vizepräsident des beratenden Ausschusses des UNO-Menschenrechtsrats. Wegen dieser Funktion und auch als Autor des Buches «Ändere die Welt!» sei er von Rau in die Jury des Tribunals berufen worden, sagte Ziegler der Nachrichtenagentur SDA. Im Ostkongo würden seit Jahren «fürchterliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit» geschehen, betonte Ziegler. «Zwangsarbeit, Kinderarbeit in den ausgebeuteten Gebieten, Plünderungen der Bodenschätze ohne jegliche Abgabe an den Staat.»

«Von höchster Wichtigkeit und Aktualität»

Das Tribunal sei deshalb «von höchster Wichtigkeit und Aktualität». Ziegler hofft, dass es in der westlichen Öffentlichkeit ein Bewusstsein schafft, «damit den vielen Tausend gepeinigten Opfern der internationalen Minenkonzerne endlich geholfen wird».

Vor der einberufenen internationalen Jury kommen die unterschiedlichsten Personen und Interessenvertreter zu Wort: kongolesische Regierungs- und Oppositionspolitiker, Militärs und Rebellen, UNO- und Weltbankfunktionäre, Minenbaufirmen, Rohstoffhändler, kongolesische Bürger, Menschenrechtsaktivisten, Philosophen, Ökonomen und Juristen.

Renommierter Strafrechtler als Vorsitzender

Vorsitzender des Tribunals ist der Belgier Jean-Louis Gilissen, Experte für internationales Strafrecht und Anwalt beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Als Untersuchungsleiter des Tribunals fungiert der Kongolese Sylvestre Bisimwa, auch er arbeitet regelmässig als Anwalt in Den Haag.

Im Anschluss an die Anhörungen gibt die Jury an Medienkonferenzen ihre Befunde bekannt: am 1. Juni in Bukavu, am 29. Juni in Berlin. Das Ergebnis lässt Milo Rau offen. «Ich weiss nicht, wie das Ganze ausgeht», sagte er der Deutschen Welle.

SDA/ama

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