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«Quotenangst»

Hans-Jörg Frey und Laura de Weck lesen die Kolumne.

Sie

Er

Er: In Deutschland ist die Frauenquote für Verwaltungsräte eingeführt worden.Sie: Und in der Schweiz kommt das Ansinnen jetzt vors Parlament.Er: Und viele schimpfen wieder.Sie: Es gehe ja nicht darum, ob jemand Frau oder Mann sei, sagen sie, sondern darum, ob jemand für den Job gut oder schlecht sei.Er: Und überhaupt wolle man sich nichts aufzwingen lassen.Sie: Man tue ja schon sehr viel für die Frauen.Er: Man habe verstanden, dass Verwaltungsräte mit Frauen bessere Entscheide treffen.Sie: Das sei wissenschaftlich bewiesen.Er:Die Vorurteile gegen Frauen seien längst begraben. Sie: Aber man wolle Frau und Mann nicht gleichschalten. Er:Sondern gleichberechtigen. Sie: Und das seien sie ja schon.Er:Frauen dürfen heute auch wählen und abstimmen, eine Ausbildung machen und leben, wie sie wollen.Sie: Es nehme alles den richtigen Lauf.Er:Wir seien auf dem besten Weg.Sie: Es werde alles gut kommen.Er: Es werde alles gut.Sie: Warum also dieser Zwang?Er: Weil der Konsens von Mann und Frau heute eben immer noch wie folgt aussieht: Frauen, die in Sitzungen schweigen, gelten als inkompetent, aber Männer als nachdenklich.Sie: Frauen, die sich nur um Haushalt und Kinder kümmern, gelten als konservativ. . . Er: . . . aber Männer als fortschrittlich oder verweichlicht.Sie: Frauen, die sich keine Kinder wünschen, gelten als seltsam . . . Er:. . . aber bei einem Mann ist das verständlich.Sie: Frauen, die den Namen des Partners annehmen, gelten als normal . . . Er:. . . aber Männer als mutig oder peinlich.Sie: Frauen, die sich über die Ungerechtigkeit der Welt ärgern, gelten als naiv . . . Er: . . . aber Männer als idealistisch.Sie: Frauen, die Kinder betreuen, fallen nicht weiter auf . . . Er:. . . aber Männer gelten als verdächtig.Sie: Frauen, die unbedingt an die Macht wollen, gelten als eiskalt . . . Er:. . . aber Männer als karrieristisch. Sie: Frauen, die untreu sind, gelten als verrucht . . . Er: . . . aber bei Männern ist das biologisch.Sie: Frauen, die sich über Frauen beschweren, gelten als Zicken . . . Er: . . . aber Männer, die sich über Männer beschweren, als kritisch. Sie: Umgekehrt gelten Frauen, die sich über Männer beschweren, als kritisch . . . Er: . . . aber Männer, die sich über Frauen beschweren, als frauenfeindlich. Und Männer, die sich immer beschweren, gelten als hitzig . . . Sie:. . . aber eine solche Frau nennt man hysterisch.Er: Männer, die ihr Kind mit zum Apéro nehmen, gelten als super Daddys . . . Sie: . . . aber bei Frauen heisst es: Warum nimmt sie ihren Balg denn mit?Er: Männer, die sich für ihre Rechte einsetzen, gelten als politisch engagiert . . . Sie: . . . aber Frauen als feministisch. Er: Männer, die guten Sex haben, gelten als geile Stecher . . .Sie: . . . aber Frauen als durchgefickt.Er: Für Frauen gelten Krippen als grosse Entlastung.Sie: Sind sie für Männer nicht ebenso wichtig?Er: Ja, ja.Sie: Auch wir wollen Frau und Mann nicht gleichschalten, aber wenigstens gleich walten lassen. Er: Die Angst vor Quoten ist wirklich unberechtigt. Unser ganzes Politsystem ist mit dem Proporz auf Quoten ausgerichtet. Die SVP würde nie auf die Idee kommen, auf ihre quotenmässige Vertretung im Bundesrat zu verzichten.Sie: Obwohl sie grosse Mühe hat, einen geeigneten Kandidaten zu finden. Er: Und so lange das alles noch so ist, dass Frau und Mann zwar die gleichen Rechte haben, aber nicht gleich behandelt werden. . . Sie: . . . ist für mich . . . Er: . . . und für mich . . . Sie: . . . die Frauenquote total wichtig.

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