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Sie gab ihr Bestes dem Theater

Die Schweizer Schauspielerin Annemarie Düringer ist gestorben. Im Film «Die Herbstzeitlosen» leuchtete sie ein letztes Mal auf, gestrahlt hat sie aber vor allem auf der Theaterbühne.

Vielleicht darf man anlässlich des Todes der grossen Schweizer Schauspielerin Annemarie Düringer einmal persönlich werden aus lauter melancholischer Gerührtheit: Sie hat mir nämlich zu meinem immerwährenden Stolz letztes Jahr noch ausrichten lassen, sie würde mich glatt heiraten.

Das war, weil sie entzückt war über das Lob ihrer Louise, dieses Rääfs von gebrechlicher Bosheit, das sie spielte in Bettina Oberlis Komödie «Lovely Louise» (2013). Ein fragiles altes Ekel war sie da, eins, das immer piekfein gekleidet zum Sprüngli ging und an seinem inneren Pfui zugrund gegangen wäre, wär nicht dieses äussere Hui gewesen. Sie schien das zu ahnen, und Annemarie Düringer – die Doyenne des Burgtheaters mit dem wohlerworbenen Titel der «Kammerschauspielerin», die man in Wien seit Jahrzehnten schon «die Düringer» nannte mit höchstem künstlerischen Respekt –, sie konnte das spielen: diese Ahnung. Immer erschien sie einem ein wenig traurig in ihrer Ekelhaftigkeit und gab der Egozentrik ihrer Figur eine hilflose Verzweiflung und eine tragikomische Tiefe.

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