Salzburger Stier für Renato Kaiser

Der St. Galler Satiriker erhält den begehrten deutschsprachigen Kabarettpreis für das Jahr 2020.

«Präzises, eigenwilliges Denken, Charme und mitreissendes Temperament»: Das Urteil der Jury über Renato Kaiser. (Bild: Patric Spahni)

«Präzises, eigenwilliges Denken, Charme und mitreissendes Temperament»: Das Urteil der Jury über Renato Kaiser. (Bild: Patric Spahni)

Der St. Galler Satiriker Renato Kaiser ist der Schweizer Preisträger des Salzburger Stiers 2020. Für Österreich wurde der Wiener Autor, Kabarettist und Schauspieler Florian Scheuba ausgezeichnet, für Deutschland die Bühnenliteratin Sarah Bosetti.

Der mit je 6000 Euro dotierte und bereits zum 39. Mal verliehene Radiopreis für deutschsprachiges Kabarett wird am 16. Mai 2020 in Köln überreicht. Kaiser, 1985 in Goldau am Bodensee geboren, überzeuge «durch sein präzises, eigenwilliges Denken, seinen Charme und sein mitreissendes Temperament», hiess es im Urteil der Jury. Er sei nicht nur Slam-Poet, «sondern verfügt über das aussergewöhnliche Talent, sein satirisches Können in mannigfache Richtungen zu entfalten» – als humoristischer Schriftsteller, Kabarettist, Gastgeber der Satireshow «Kaiser-Schmarren», Produzent der Videokolumne «Kaiserschnitt» sowie des zweiwöchigen «Kaiservideos» in den sozialen Medien.

Im Radio ist er mit pointierten Wochenkommentaren in der «Zytlupe» auf SRF 1 präsent, im Schweizer Fernsehen hat er im Sommer 2019 die erste Staffel seiner eigenen Doku-Comedy-Reihe «Tabu» gezeigt.

Minutiöser Rechercheur Scheuba

«Die schnelle Pointe, die dazu verleitet, den naheliegenden Witz über den Inhalt zu stellen», sei nicht die Sache von Florian Scheuba, heisst es in der Begründung zum österreichischen Preisträger. Dieser bewege sich lieber ausserhalb der Wohlfühlzone – dort, wo die Pointe sitze, treffe und trotzdem von hohem Unterhaltungswert sei. Das habe damit zu tun, dass Scheuba penibel recherchiere und die Satire mit der Ernsthaftigkeit eines Aufdeckers betreibe, heisst es weiter. Scheuba war Mitbegründer der Kabarettgruppe Die Hektiker und wesentlicher Protagonist der ORF-Fernsehsatiren «Die 4 da» und «Wir Staatskünstler».

2015 stand Florian Scheuba erstmals solo auf der Bühne und wurde für sein Programm «Bilanz mit Frisur» mit dem Österreichischen Kabarettpreis prämiert. Es folgte «Folgen sie mir auffällig». Mit Thomas Maurer und Robert Palfrader ist er derzeit im Programm «Jetzt erst recht!» wieder als «Staatskünstler» unterwegs.

In verschiedenen Formaten zu Hause

Die deutsche Gewinnerin Sarah Bosetti wurde 1984 in Aachen geboren, studierte in Brüssel Filmregie und lebt heute in Berlin. Sie startete im Poetry-Slam, gründete die Berliner Lesebühne «Couchpoetos» und wurde 2013 erstmals deutschsprachige Vizemeisterin im Poetry-Slam.

Seitdem überschreite Sarah Bosetti mühelos jegliche Genregrenzen und bringe Formen des Slams, der Lesung, des Stand-ups und des politischen Kabaretts in ihrem ganz eigenen Stilmix auf die Bühnen. Sie schreibt Bücher, verfasst wöchentliche Radiokolumnen für öffentlich-rechtliche Sender und ist in allen relevanten Satire- und Fernsehsendungen vertreten.

Vor allem aber gelinge Bosetti die Verbindung zwischen analogen und digitalen Ausspielwegen. Mit ihren viel geklickten Videos und ihren fast täglichen Beiträgen auf allen relevanten Plattformen der sozialen Medien, trage sie zu einem regen, gesellschaftspolitischen Diskurs bei, heisst es in einer Mitteilung. Ihr neues Programm trägt den Titel «Ich hab nichts gegen Frauen, du Schlampe».

Der Salzburger Stier wird seit 1982 jedes Jahr an Kabarettistinnen und Kabarettisten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz verliehen. Er ist auch die grösste Radio-Koproduktion im Bereich Unterhaltung, bei der zehn Radiostationen zusammenarbeiten: ORF, Schweizer Radio und Fernsehen, sieben ARD-Sender sowie die RAI Südtirol.

fal/sda

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