Tristan sitzt im Treibhaus

Das Stück «Das Treibhaus» der Theaterautorin Meret Hasler ist eine subtile Tragikomödie mit vielversprechenden jungen Talenten.

Zoff in der Gärtnerei Rosenberg.

Zoff in der Gärtnerei Rosenberg.

(Bild: pd/Severin Nowacki)

Helen Lagger@FuxHelen

Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen, lehrt uns ein Sprichwort. Tristan (Philipp Auer), ein junger Mann mit Aggressionproblemen, sitzt im Treibhaus. In der Gärtnerei Rosenberg absolviert er eine teilgeschützte Lehre. Mit seiner Kollegin Linda (Tilla Rath) und seiner Chefin Frau Rosenberg (Maria Spanring) kommt er klar. Doch als Beat (Simon Wenigerkind) als neuer Mitarbeiter dazustösst, kommt der junge Wüterich zunehmend in Bedrängnis. Wer hat die Scheibe des Treibhauses eingeschlagen? Warum fehlt plötzlich Geld in der Kasse?

Das Stück «Treibhaus» stammt aus der Feder der 27-jährigen Meret Hasler. Die studierte Psychologin ist die Gewinnerin des Nachwuchswettbewerbs «Schreibstoff», den das Theater an der Effingerstrasse durchgeführt hat. Hasler ist eine subtile Tragikomödie mit ebenso glaubwürdigen wie liebenswürdigen Charakteren gelungen. Das Theaterkollektiv sa bande inszeniert die Uraufführung unter Regie von Petra Schönwald. Die Bühne (Peter Aeschbacher) besteht aus verstellbaren Regalen, in denen allerlei Grünzeug wächst. Mit «Guten Morgen» und «Streckt euch» werden die Pflanzen morgens einzeln begrüsst.

Treibhaus wird zum bedrohten Paradies

Was haben Menschen und Pflanzen gemeinsam? Die im Programmheft zum Stück gestellte Frage beantworten die Mitglieder des Kollektivs wie folgt: «Probleme» (Tilla Rath), «Läuse» (Philipp Auer), «Jede(r) ist anders» (Maria Spanring), «Sie filtern einiges» (Petra Schönwald) und «Gehen ein ohne Liebe» (Simon Wenigerkind). Fast ist es, als hätten die Darsteller in ihren jeweiligen Rollen geantwortet. Frau Rosenberg ist bemüht, ihren Schützlingen – den Pflanzen wie den Menschen – gerecht zu werden. Tristan ist voller Wut und Zynismus, beweist aber auch Humor und Empathie.

Das Treibhaus wird im Laufe des Stücks zum bedrohten Paradies. Es soll in der teuren Innenstadt durch Neubauten verdrängt werden. Der böse Ex-Mann von Frau Rosenberg steckt dahinter. Eine etwas klischeehaft konstruierte Idee. Witzig sind aber die Rettungsversuche der Jugendlichen, die unter anderem einen kitschigen Werbespot drehen. Ein Sinnbild ist auch die in der Gärtnerei kultivierte Pflanze Eternal rose, die angeblich «die immerwährende Frucht der Liebe» trägt. Die Pflanze ist so schwer zu züchten, weil sie viel Aufmerksamkeit braucht.

Musik, in der alles drinsteckt

Die Jugendlichen sind in eine Ménage-à-trois mit entsprechenden Eifersüchteleien verstrickt. In der minutenlangen wortlosen Anfangsszene wird Händels «Sarabande» von 1733 eingespielt, die auch schon Stanley Kubrick in seinem Film «Barry Lyndon» einsetzte. Intrigen, Tod und Wiederauferstehung – in dieser Musik steckt alles drin.

«Treibhaus» wechselt gekonnt zwischen urkomischen Momenten und emotionalen Tauchgängen. Hasler hat ihre Figuren mit psychologischem Gespür gezeichnet. Die darstellerischen Leistungen überzeugen. Insbesondere Philipp Auer, der als ebenso aggressiver wie verletzlicher James Dean der Jetztzeit fungiert, ist ein Ereignis.

Berner Zeitung

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