Zum Hauptinhalt springen

Und was würden Sie ändern?

Kann man seine Biografie ändern? Um diese Frage geht es in Max Frischs «Biografie: Ein Spiel». Das Theater an der ­Effingerstrasse inszeniert das Stück schlicht und unterhaltsam.

Zweite Chance: Das Paar lernt sich nochmals neu kennen.
Zweite Chance: Das Paar lernt sich nochmals neu kennen.
Severin Nowacki (PD)

Was würden Sie im Leben anders machen, wenn Sie vorne beginnen könnten? Professor Hannes Kürmann weiss es genau: Er möchte seine zweite Ehefrau Antoinette Stein nie näher kennen gelernt haben.

Und nun bekommt er, todkrank und am Ende seines Lebens, tatsächlich die Chance, sie aus seinem Leben zu streichen: Ein Spielleiter geht mit ihm noch einmal die wegweisenden Szenen seines Lebens durch.

«Biografie: Ein Spiel» von Max Frisch spielt mit der Möglichkeit oder viel eher Unmöglichkeit, seine Biografie zu ändern. Nun bringt das Theater an der Effingerstrasse eine schlichte und unterhaltsame Inszenierung von Markus Keller auf die Bühne.

Bockleiter und Kleiderstange

Schlicht ist schon nur das Bühnenbild, für das ebenfalls Keller verantwortlich zeichnet: Zwei Stühle, ein gut bestückter Kleiderständer und drei unterschiedlich hohe Bockleitern. Ganz im Hintergrund steht auch noch ein unaufgeräumter Esstisch, doch den hätte es gar nicht gebraucht.

Die Bockleitern strukturieren das Spiel: Sie erlauben dem Spielleiter, als Regisseur Anweisungen von oben zu geben, sie funktionieren als Raumunterteiler und gar – sehr witzig – als Bauchröntgengerät. Auch die Kleider am Ständer erfüllen ihren Zweck, sie sind viel gefragt.

Denn Keller setzt auch bei den Schauspielern auf Reduktion. Stellte Frisch in seiner überarbeiteten Fassung von 1984 dem Spielleiter zwei Assistenten zur Seite, die alle Nebenrollen spielten, übernehmen diese Rollen nun allesamt der schlagfertige Spielleiter (Peter Schorn) und die ungeliebte zweite Ehefrau Antoinette (Karo Guthke).

Sie sind mal rotzender Schulkamerad, mal schnoddrige Haushälterin, mal amerikanische Geliebte. Und sie machen das ausgezeichnet, ab und zu ein Mü zu überdreht, aber auch humorvoll. Sie spielen die Menschen, die früher oder später Hannes Kürmanns Weg kreuzen.

Dieser Kürmann (Florian Eisner) ist nun aber ein egoistischer Waschlappen, schuld daran, dass ein Schulkamerad sein linkes Auge verlor, schuld daran, dass seine erste Ehefrau sich umbrachte. Er nimmt das hin. Man hätte ihn auch anders spielen können, selbstbewusster, arroganter. Doch dieser Kürmann ist nachgiebig, schicksalsergeben.

Chance vertan

Was er will? Zurückspulen zu jenem Abend, als er mit Freunden seine Professur feierte, und seine spätere Ehefrau Antoinette am Schluss einfach sitzen geblieben ist. Wieder und wieder versucht er sie loszuwerden, unterbricht das Spiel – was mit Lichtwechseln sehr schön angegeben wird –, fordert eine neue Chance. Und als sie dann endlich gegangen ist, als alles so ist, wie er es sich gewünscht hat, merkt er: «Ich habe sie unterschätzt.» Und fordert eine neue Chance.

So weit Frischs Spiel mit den Möglichkeiten. Das Stück lässt eigentlich nur einen Schluss zu: Ja, das Leben könnte in verschiedenen Varianten erfolgen. Aber eigentlich liegt es nicht an einer Entscheidung, welchen Weg man geht, sondern am eigenen Charakter. Und darum bringen zweite Chancen herzlich wenig.

«Biografie: Ein Spiel»: Theater an der Effingerstrasse. Bis 16. 3.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch