Wenn Jugendliche für Kinder spielen

«Rotchäppli» als erstes Theatererlebnis: Die Vermittlung von Konzert Theater Bern leistet ganze Arbeit.

Rotkäppchen ohne Wolf: Corina Pandolfi und Patricia Müller. Foto: np

Rotkäppchen ohne Wolf: Corina Pandolfi und Patricia Müller. Foto: np

Marina Bolzli@Zimlisberg

Rotkäppchen trägt kein rotes Käppli, und die Grossmutter sollte zwar ihre Medikamente nehmen, ist aber ansonsten noch ganz lebenslustig und mit einer Krücke gut unterwegs. Nein, die Fassung von «Rotchäppli», die seit Mittwoch in der Mansarde des Stadttheaters gespielt wird, ist ganz und gar nicht altbacken. Eher jung, frech, unkonventionell.

Dafür gibt es mehrere Gründe, der wichtigste aber ist: Mit Anja Christina Loosli wird der Bereich Vermittlung von Konzert Theater Bern seit längerer Zeit erfolgreich geleitet. So hat sie vor einem Jahr zum ersten Mal den Jugendclub von Konzert Theater Bern eingespannt, um ein Kinderstück einzuüben. Man zeigte «Die Bremer Stadtmusikanten», und weil die Produktion immer ausverkauft war, nahm KTB das Stück im letzten Septemberwieder auf.

Jetzt geben die zwei Jugendclub-Mitglieder Patricia Müller und Corina Pandolfi Rotkäppchen und die Grossmutter. Sie haben für die von Anja Christina Loosli geschriebene Fassung viel geübt, auch gelernt, wie sie damit umgehen, wenn das junge Publikum während des Stücks mit Fragen reinplatzt – oder unruhig wird.

Lehrer alsTheaterbotschafter

«Jugendliche sind das Bindeglied zwischen Erwachsenen und Kindern, deshalb passt es gut, dass gerade sie für Kinder spielen», sagt Loosli. Sie unterstützt damit das Bedürfnis, vermehrt auch Vermittlung in den Theateralltag einzubinden. Die 35-jährige Lehrerin und Sängerin hat auch die Beziehung zu den Theaterbotschaftern in den letzten Jahren intensiviert.

Theaterbotschafter sind Lehrerinnen und Lehrer aus dem ganzen Kanton, zu denen KTB eine enge Beziehung pflegt, so werden sie beispielsweise auch immer wieder an Sichtungen eingeladen. «Dieses Netzwerk von Lehrern, vor allem auf dem Land, ist sehr wichtig», sagt sie, «so können wir Kinder abholen, die noch nie vorher im Theater waren.»

Zimmerwald undZollikofen

Bei den nun anstehenden Schulvorstellungen von «Rotchäppli» in der Mansarde des Stadttheaters haben sich beispielsweise auch Klassen und Kindergärten von Zimmerwald und Zollikofen angemeldet. Bei den herkömmlichen, an den Wochenenden laufenden Vorstellungen hingegen kommen eher Kinder, deren Eltern oder Grosseltern auch schon theateraffin sind. «Wenn ich frage, wer schon mal im Theater war, werden jeweils viele Hände in die Höhe gestreckt», sagt Loosli.

Und, wie geht das Ensemble damit um, wenn die Kinder doch mal unruhig werden? «Sie müssen nicht still sein», wiederholt Loosli noch einmal. «Und wir haben extra viel Musik eingebaut, damit sie dann auch ein bisschen plappern können.» 35 Minuten dauert das Stück, «damit niemand aufs WC rennen muss», vorher gibt es eine Einführung.

Denn Rotchäppli ist in dieser Fassung ein vorwitziges Mädchen, das von seiner Grossmutter das Märchen erzählt bekommt. Der Wolf kommt nicht auf die Bühne. «Das erste Theatererlebnis soll angstfrei sein», sagt Loosli. Und lustig – denn Rotchäppli legt sich mit einem Wolf-Pyjama schlafen.

«Rotchäppli» (ab 4 Jahren), läuft bis 13.1. in der Mansarde des Stadttheaters. Die Vorstellungen sind ausverkauft.

Berner Zeitung

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