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Wie kriegt man die Kinder ins Theater?

Mit guten Geschichten, Charme und zur Not mit Schokolade: So buhlen Berner Bühnen im lukrativen Weihnachtsgeschäft um die Gunst der Kinder. Ein Besuch im Theater am Käfigturm in Bern.

Die Talmans: Märchenzauberer mit Hang zur Nascherei.
Die Talmans: Märchenzauberer mit Hang zur Nascherei.
zvg

Minute 28: Der Theaterreporter wird mit Schokolade beworfen. Nachdem die Schauspieler ihre Schokotaler schon in alle Ecken des Theaters verteilt haben, wirft die Königinnentochter den ganzen Rest aus der Königinnenschatulle in die eine Richtung. Aua!

Es ist bereits der zweite Süssigkeiteneinsatz in «Der Fischer und seine Frau», der Grimm-Produktion des Talman-Ensembles, das traditionellerweise fürs Weihnachtsmärchen im Theater am Käfigturm zuständig ist. Als der nicht gerade erfolgsverwöhnte Fischer seine Angel zum ersten Mal auswirft, zieht er einen Schuh an Land – gefüllt mit Schleckereien in Fischform fürs junge Publikum.

Harte Konkurrenz

Der nächste Fang ist viel weniger süss. Ein alter Fisch, in dem ein verwunschener Prinz steckt. Wie es so ist bei Prinzen in Fischform: Der Fisch spricht und bittet den Fischer, ihn am Leben zu lassen. Der Mann mit Herz kommt – nach gutem Zureden seiner Töchter – dem Wunsch nach und zieht von dannen.

Zu Hause ist des Fischers Frau Ilsebill erstaunt, dass er sich nichts gewünscht hat. Sie wünscht sich ein grösseres Haus und schickt ihren Mann zurück ans Meer. Widerwillig ruft er den Lockspruch aufs Wasser: «Manntje, Manntje, Timpe Te/Buttje, Buttje in der See/meine Frau die Ilsebill/will nicht so, wie ich es will!» Der Prinzenfisch erscheint; er erfüllt den Wunsch der Fischersfrau.

Gerade in der Stadt Bern ist die Konkurrenz vor Weihnachten hart.

Das Theater am Käfigturm bleibt bei der Premiere halb leer. Gerade in der Stadt Bern ist die Konkurrenz vor Weihnachten hart (siehe hier). Platzhirsch ist Konzert Theater Bern, das im Stadttheater jeweils mit der grossen Kelle anrichtet.

Auch wenn die Ticketpreise fürs Kindertheater tiefer liegen als bei sonstigen Produktionen: Das Weihnachtsmärchen ist ein wichtiger Posten für das Vierspartenhaus. «Krabat» von Ottfried Preussler ist 21-mal angesetzt, so oft wie keine andere Produktion in dieser Spielzeit.

Kein Wunder: Das Stadttheatermärchen ist seit Jahrzehnten eine Institution in der Hauptstadt. Ganze Generationen von Theaterfans wurden im Advent vom Virus infiziert. Auch Schauspieler Jonathan Loosli, der nun erstmals das Märli inszeniert.

Gute Geschichten helfen

Was kann da ein kleines Theater in die Waagschale werfen, angesichts der Konkurrenz, die mit ihren Werkstätten den ganz grossen Zauber veranstalten kann? Eine gute Geschichte. Bei der Premiere im Theater am Käfigturm zeigt sich, dass die moraltriefenden Grimm-Stoffe ihre Wirkung nach wie vor nicht verfehlen: Die Fischersfrau kriegt den Hals nicht voll und will mehr.

Das Talman-Ensemble setzt auf gemalte Bilder, die als Dias auf die Bühne projiziert werden.

Nach dem neuen Haus will sie ein Schloss, dann Königin sein, dann Kaiserin und schliesslich Gott. Sie kriegt ihre gerechte Strafe und verliert alles wieder – um dann einzusehen, dass das einfache Leben mit Leere im Portemonnaie, aber vollem Herzen doch das beste ist. Das Schoggi kauende Publikum ist erleichtert.

Die Talmans machen das durchaus gut: Niklaus Talman spielt den Fischer, seine Töchter Sofia und Laila spielen dessen Töchter. Katharina Bohny spielt die raffgierige Frau – und schafft das Kunststück, dass man die Figur am Schluss trotzdem irgendwie mag. Zwischen den Szenen wird gar getanzt: Kleine und grössere Mädchen der Tanzgruppe Appassionata spielen das Meer und lassen den Prinzen (Luc Spori) effektvoll zwischen Wellentüchern auftauchen.

Verbockt

Bühnenbildnerisch bäckt eine solche Produktion kleine Brötchen, Krümel im Vergleich zum Stadttheater. Das Talman-Ensemble setzt auf gemalte Bilder, die als Dias auf die Bühne projiziert werden: vom Häuschen, von dem Schloss, dem Palast und vom Meer, das immer rauer wird.

Weil es aber der Techniker mehrmals nicht schafft, die Bilder in der richtigen Reihenfolge zu bringen, wirkt das Ganze bald dilettantisch. Schade: So kommt man nicht einmal mit Charme gegen die mächtige Konkurrenz an.

«Der Fischer und seine Frau»:ab 5 Jahren. Bis 28. Januar. Theater am Käfigturm, Bern.

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