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Ziemlich leere Beziehungskiste

Daniel Mezgers «Nachruf» kommt im Berner Matte-Theater hübsch eingerichtet vors Publikum. Bloss: Was will uns der Autor eigentlich sagen?

Grabschmuck. Nina Bühlmann (links), Corinne Thalmann.
Grabschmuck. Nina Bühlmann (links), Corinne Thalmann.
H. Zaugg-Graf/zvg

Ach, wie wunderbar sich die beiden Zickenkriegerinnen das Leben schwermachen. Aber ach, wie schade, dass der Autor Daniel Mezger nicht viel mehr als eine hochgetunte, aber recht leere Beziehungskiste geschrieben hat.

Das Matte-Theater Bern zeigt sein 2014 uraufgeführtes Stück «Nachruf oder früh sterben hat mich auch nicht besser gemacht». Das ist ein lustiger Titel. Lustig ist das Mundartwerk zwischendurch tatsächlich. Aber über weite Teile halt auch belanglos.

Miras Freund Mark ist gestorben. Am Grab taucht Ann auf. Nun haben wir die klassische Dreiecksgeschichte, ein Mann, zwei Frauen, mit der ebenso klassischen Verbalprügelei der beiden.

Mark ist auch wieder da. Oder ist es ein Doppelgänger? Oder ein Namensvetter? Wir wissen es nicht. Wir wissen auch nicht, ob Mira trauert oder ob sie sich, Eigenaussage, nur langweilt. Unklar bleibt, ob Anns Tränen echt sind oder ob sie bloss ein hübsches Bild darstellen will.

Do-it-yourself-Sinnsuche

Alles ist austauschbar: die Namen, die Gefühle. Alles ist zufällig, und für alles sind allein wir zuständig. Dem könnte man Postexistenzialismus sagen, damit ­gescheit tönen und dem Stück ein Etikettchen verpassen.

Verständlicher wird das Beliebigkeitsgewusel dadurch nicht. Das alleingelassene Publikum muss sich im Do-it-yourself-Modus selbst einen Sinn basteln.

Bravouröse Schauspielerinnen

Dass sich ein Besuch im emotionalen Labyrinth dennoch lohnt, ist das Verdienst von Regisseurin Marion Rothhaar. Sie liefert eine solide Inszenierung in einem ebenso kargen wie zweckmässigen Bühnenbild von Fredi Stettler.

Noch mehr aber wird die Produktion zum Ereignis, weil die beiden Protagonistinnen in jeder Hinsicht Bravouröses liefern. Corinne Thalmann, die neue Theaterleiterin, steht als Mira auf der Bühne. Man kommt ins Schwärmen, wie zielsicher sie ihrer Gegnerin Steine nachschmeisst.

Ann ist das, gespielt von Nina Bühlmann. Sie zeichnet ihren Part weicher, unscharfer, überzeugt aber gleichwohl. Remo La Marra darf den dauernd wohlmeinenden Mark geben. Er kriegt das domestizierte Männchen gut hin – man leidet mit ihm. Weiter ist eine Figur dabei, die sich als Autor versteht.

Richard Henschel kommentiert in dieser Rolle das Geschehen, leider nur als Tonkonserve.

«Nachruf»: bis 12. März, Theater Matte, Bern. www.theatermatte.ch.

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