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Zum ersten Mal im Theater

Früh übt sich – das gilt nun offenbar auch für den Theaterbesuch. Die Zielgruppen werden immer jünger. Doch funktioniert der Zauber auch bei den Kleinsten? Ein Augenschein im Berner Schlachthaus-Theater.

Lauschend: Andrea Kilian und Rahel Wohlgensinger. Foto: PD / Ilia Mess
Lauschend: Andrea Kilian und Rahel Wohlgensinger. Foto: PD / Ilia Mess

Etwas Neues ist etwas Grosses, und heute steht der erste Theaterbesuch auf dem Programm. Die Dreijährige war schon dreimal erfolglos auf dem Klo, will unbedingt ganz «chic» aus dem Haus und besteht darauf, den Pamir mitzunehmen. Den Gehörschutz? Genau. Jede Beschwichtigung, im Kindertheater werde es doch ganz sicher nicht laut, hilft nichts.

Im Schlachthaus ist das Gedränge gross. Eine Reihe Kinderwagen steht im Foyer parkiert, einige Bébés begleiten ihre älteren Geschwister im Tragetuch der Mütter. Die Männer unter den Begleitpersonen sind in der krassen Unterzahl. Es sind zwei.

Nach viel Handschuhe-Kappen-Schal-Logistik öffnen sich endlich die Türen in den Theatersaal. Vier Bankreihen stehen bereit. Wir setzen uns. «Ist das da vorn die Bühne?», fragt die Tochter. Genau: Dort warten zwei Frauen der Theatergruppe Klank und allerlei Gerätschaften, Holzstämme, Steine und andere Fundsachen.

Das Stück «Vom Lauschen und Horchen» ist Teil des «Prima-Festivals», das derzeit in sieben Theatern in der Schweiz und in Liechtenstein stattfindet. Das Ziel des Vereins Prima ist es, «den Kleinsten in der Gesellschaft die Teilhabe an der Theaterkunst zu ermöglichen», wie es auf der Website heisst. Teilhabe ist der Begriff der Stunde in der Kulturveranstalterszene: Niemand soll vom Angebot ausgeschlossen sein – oder andersrum: Neue Kundengruppen sollen erschlossen werden. Und die Fachwelt ist sich einig: Je früher man die Sinne der Kinder mit wertvollen Reizen füttert, desto besser.

Her mit dem Pamir!

Die Zielgruppe U-4 kriegt an diesem Morgen von Klank nicht etwa eine Geschichte erzählt, sondern taucht ein in eine Klangwelt. All die Naturgegenstände auf der Bühne sind mit Mikrofonen verkabelt, und schon plätschert, raschelt und schnalzt es laut aus den Boxen. Rahel Wohlgensinger und Andrea Kilian, die zwei Schauspielerinnen, reihen einzelne Szenen mit Geräuschen aneinander.

Wohlgensinger entlockt einem Stein eine verblüffende Vielzahl von Klängen, den sensiblen Mikrofonen sei Dank. Sie watet scheinbar im Wasser, die Geräusche dazu erzeugt Andrea Kilian. Die schönste Szene kommt ohne Technik aus. Wohlgensinger lässt Weidenruten durch die Luft sausen, sowohl ein klangliches wie auch ein optisches Highlight.

Die alte Theaterweisheit scheint sich zu bewahrheiten: Je jünger das Publikum, desto anspruchsvoller.

Nicht alles zieht die Kinder gleichermassen in den Bann, zwischendurch wirds in den Reihen unruhig. Die alte Theaterweisheit scheint sich zu bewahrheiten: Je jünger das Publikum, desto anspruchsvoller. Später verdichten sich die Naturklänge zum Rhythmus und zu Musik, es wird lauter. Vor uns hält sich ein Knirps die Ohren zu. Die Tochter sagt nun: «Mir ist das zu laut!» Und, wer hätte es gedacht, beim Kindertheater ab zwei Jahren kommt der Pamir zum Einsatz.

Das Stück macht aus dem Neuen, dem Theater, keine vertraute Welt. Und doch, sagt die Tochter, gefallen habe es ihr.

«Vom Lauschen und Horchen»: bis 19.1., weitere Stücke bis 2.2., Schlachthaus-Theater, Bern.

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