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TV-Kritik: «Üse Zoo» macht Menschen froh

Sensibel gemacht, rührend und unterhaltsam in der Wirkung: Nach dem Sommerhit «Üsi Badi» zeigt SRF jetzt sechs Behinderte bei ihrem Einsatz im Zoo.

Gruppenbild der SRF-Sommerhelden im Frauenfelder Plättlizoo: v.l. Yvonne, Niklaus, Manuel, Remo, Isabella und Dominique.
Gruppenbild der SRF-Sommerhelden im Frauenfelder Plättlizoo: v.l. Yvonne, Niklaus, Manuel, Remo, Isabella und Dominique.
SRF/ Tina Steinauer
Der Einsichtige: Remo wollte Löwen füttern, aber eine Schildkröte ist ihm momentan doch lieber.
Der Einsichtige: Remo wollte Löwen füttern, aber eine Schildkröte ist ihm momentan doch lieber.
SRF/Daniel Ammann
Die Begabte: Die immer etwas vornehme Dominique bewies am meisten Geschick mit den Geissen.
Die Begabte: Die immer etwas vornehme Dominique bewies am meisten Geschick mit den Geissen.
SRF/Daniel Ammann
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Das mongolische Rundzelt namens Jurte ist ja momentan der letzte Schrei in der Tourismusbranche, man trifft es zu Tal und auf der Alp und neuerdings auch im Zoo. Ich habs gesehen, und Sie vielleicht auch, am Freitagabend im Plättlizoo von Frauenfeld. SRF1 hat da ja eine besonders liebe Dokusoap von mir wieder aufgenommen, sie hiess einst «Üsi Badi» und heisst jetzt «Üse Zoo».

In den Jurten im Zoo wohnen jetzt also Yvonne, Isabella und Dominique (im einen Zelt) und Niklaus, Remo und Manuel (im andern), und der Manuel sagte gleich beim Einzug, er lege sehr viel Wert auf «Hygiene und so» und «Gesichtspflege und so» und habe deshalb gleich zwei Parfums eingepackt. Auch Niklaus sagte, jaja, Körperpflege sei wichtig, aber noch viel wichtiger ist es ihm, die Zootiere zu malen, und das sei schon enorm schwierig, besonders die Vögel.

«Wie in Afrika bei einer Safari»

In einer Rückblende zeigte das Fernsehen, wie Niklaus in einer Chagall-Ausstellung sass und versuchte einen Chagall-Esel abzuzeichnen, doch am Ende sahs dann leider aus wie etwas von Picasso. Niklaus sagte, er suche «schon lang, lang, lang eine Freundin, schon mehrere Jahre», es klang zum Weinen verzweifelt, und Manuel sagte, eigentlich wäre er gerne Journalist oder TV-Reporter geworden, denn «man darf ja auch mal träumen im Leben, aber manchmal kommt man dann halt nicht so weit».

Es waren wehmütige Weisheiten, die sich da durch alle sechs Leben zogen, besonders bei Yvonne, der die Jurte am besten gefiel, weil sie sei «wie in Afrika bei einer Safari». Yvonne, die so gerne Coiffeuse wäre und jetzt ihren Alltag damit verbringt, Jutetaschen zu bedrucken, erzählte, wie sie ihre Mutter gefragt hatte: «Wieso sind bei mir Hirnzellen abgestorben?» Und die Mutter habe gesagt: «Die Krankenschwester hatte bei der Geburt zu wenig Zeit für dich, deshalb hast du zu wenig Sauerstoff bekommen.» Arme Yvonne, arme Mutter, arme Krankenschwester.

Sechs ausgebuffte TV-Talente

Und jetzt sind die sechs geistig Behinderten, von denen alle ausser Manuel und Yvonne schon in «Üsi Badi» waren, also im Zoo, und natürlich will das fantastische Grossmaul Remo die Löwen füttern und natürlich hat er schon vor den Geissen Schiss und findet am ersten Abend, Löwen seien doch am Ende nichts anders als «Menschenfresser» und lieber wolle er jetzt misten und putzen. Was der zarte Niklaus wiederum furchtbar findet, denn Tiermist rieche genauso grusig «wie Katzenfutter».

Es soll mir jetzt niemand damit kommen, dass man das nicht machen darf, Behinderte vor der Kamera zu zeigen, und dass die Kombination von Behinderten mit Tieren ja nur eine Steigerung des Jöh-Effekts bedeute und so. Als Angehörige eines geistig Behindeten kann ich nur sagen: Bullshit! Erstens macht das Schweizer Fernsehen das irrsinnig sensibel, zweitens sind die Sechs unglaublich ausgebuffte TV-Talente, die wissen genau, wann eine Träne sitzt und wann ein Witz. Im TV sind sie Chefs und Helden, und das ist richtig so. Und fast ist es, als sei das Fernsehen, diese kleine Traumerfüllungsanstalt für Millionen, exklusiv für die Sechs erfunden worden.

Ach ja, falls das Schweizer Fernsehen noch nach Talenten sucht: Ich kenne eines, das könnte tagelang vor der Kamera die schönsten Baustellen der Schweiz erklären. Er wäre dann von allem der Chef und der Bauführer und der Architekt, und bei jeder Grünfläche würde er sagen: «Betonieren!» Und wenn es jemand bei ihm mit Kritik versuchen würde, er hätte keine Chance, eine Ritze in der Fantasie zu finden, in die sie passen täte. Denn in sich ist seine Welt vollkommen, so, wie die von Remo, und mindestens so rund wie eine Jurte.

«Üse Zoo»: freitags, SRF1, 20 Uhr.

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