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Wunderschön und rätselhaft

Schlagzeuger Fritz Hauser und Regisseur Joachim Schlömer kreierten mit «Königinnen» ein Schau-, Sing- und Tanzspiel für das Theater Basel. Es geht um Abgründe und Unterbewusstes.

Selbstfindung und Selbstbestimmung, Abgründe und Unterbewusstes: «Königinnen» am Theater Basel.
Selbstfindung und Selbstbestimmung, Abgründe und Unterbewusstes: «Königinnen» am Theater Basel.
Theater Basel

Ein wunderschönes Theatererlebnis vermittelt das Schau/Sing/Tanz-Spiel «Königinnen», das Joachim Schloemer und Fritz Hauser für das Theater Basel kreiert haben. Nur der Sinn erschliesst sich einem nicht so leicht. Das Publikum war am Samstag dennoch begeistert.

Sieben erwachsene und sieben kleine «Königinnen» - alle in Schwarz-, Grau- und Blautönen gekleidet - bevölkern die Bühne. Mütter und Töchter oder Frauen und ihr Kindheits-Ich? Wohl beides. Denn in den extra für Basel geschriebenen Texten von Alissa Walser ist eine Königin - obwohl der Begriff gar nicht vorkommt - eine Frau, die ihr Leben beherrscht und gleichzeitig ein Vorbild ist.

Es geht wohl um Selbstfindung und Selbstbestimmung, Abgründe und Unterbewusstes. Die Bühne - eine wunderschöne Rauminstallation aus Lichtbalken, einer aufgehängten Scheibe, auf die Videos projiziert werden und einem Loch, das geheimnisvoll von unten beleuchtet ist - liegt meist im Halbdunkel.

Die Königinnen sind Königinnen der Nacht. Das evoziert auch wieder das Mütter-Töchter-Verhältnis: «Der Hölle Rache kocht...» die ersten Worten aus der Rachearie aus der «Zauberflöte», wird einmal mit Lippenstift ans Klavier geschrieben, und in der Arie droht die Königin ja bekanntlich der Tochter, sie zu verstossen.

In Walsers Texten ist das Machtverhältnis oft umgekehrt, da beklagt die Tochter die Machtlosigkeit der Mutter: «Das Problem ist, dass die Leerstelle, die meine Mutter darstellt, eigentlich von einer Herrscherin besetzt sein müsste.»

Die Schwäche der Mutter hat sich auf die Tochter übertragen: «Ich will eine goldene Krone kaufen und kaufe eine handgestrickte Mütze. (...) Ich mache mit, damit mich unter meiner Bimmel-Bommel-Mütze die eine grosse Liebe findet, die nach einer Gekrönten sucht.»

Vexierspiel

«Königinnen» eröffnet Assoziationsräume, und da das Schwergewicht der Aufführung auf der Choreografie liegt, sind diese Räume oft besonders weit.

Manches ist relativ eindeutig: Wenn die sieben Königinnen beispielsweise gemessen und in aufreizender Langsamkeit synchron über die Bühne schreiten, wird man an die Würde erinnert, mit der Maria Stuart aufs Schafott zuging.

Und wenn in einer wiederkehrenden Geste aus den beiden Händen vor dem Kopf eine Art Raubtiergebiss gebildet wird, könnte das auf das Bestialische deuten, das auch im sogenannt schwachen Geschlecht schlummert.

Anderes erschliesst sich aus dem Text, etwa «wir haben verlernt, wie die Kraniche miteinander zu fliegen», das choreografisch umgesetzt wird, indem Darstellerinnen einander Bewegungen abschauen.

Anregende Leerstellen

Das Königinnen-Septett besteht aus zwei Sängerinnen, zwei Schauspielerinnen, einer Tänzerin und zwei Pianistinnen, aber fast alle machen fast alles.

Schlagzeuger und Ko-Kreateur Fritz Hauser hat einen Soundtrack mit Musik vom Mittelalter bis in die Gegenwart zusammengestellt und bearbeitet. Die Musik gestaltet Stimmungen zwischen Schmerz, Andacht, Liebe aber auch Panik, Angst und Wut.

Doch selbst mit der klanglich-atmosphärischen Unterstützung bleibt vieles rätselhaft, und das ist gut so: Vermutlich sieht jeder Zuschauer, jede Zuschauerin ein anderes Stück.

(SDA)

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