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Raubkunst im Gurlitt-ErbeKunstmuseum gibt ein weiteres Bild zurück

Die Zeichnung «Das Klavierspiel» von Carl Spitzweg ist das 14. Raubkunstwerk aus dem Gurlitt-Vermächtnis, das an die rechtmässigen Erben geht. Ist es das letzte?

Eine 16,4 x 13 cm grosse Zeichnung geht ihren Weg: Die 14. Restitution aus dem Gurlitt-Erbe ist die kleinste – und vielleicht die letzte.
Eine 16,4 x 13 cm grosse Zeichnung geht ihren Weg: Die 14. Restitution aus dem Gurlitt-Erbe ist die kleinste – und vielleicht die letzte.
Foto: pd/Kunstmuseum Bern

«Das Klavierspiel» von Carl Spitzweg: ein glasklarer Fall. Die Zeichnung des Münchner Künstlers (1808–1885) befand sich im Besitz des jüdischen Musikverlegers Dr. Heni Hinrichsen. 1939 beschlagnahmte das NS-Regime das Werk. 1942 wurde Hinrichsen in Auschwitz ermordet. Der Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, der seine guten Kontakte in die Nazi-Machtzentrale für seine Geschäfte nutzte, erwarb 1940 das Werk.

2012 tauchte die Gurlitt-Sammlung in München auf, wo Gurlitts Sohn Cornelius sie in seinen Wohnungen aufbewahrte. Genauso spektakulär wie der Fund war die Nachricht zwei Jahre später, nach dem Tod von Cornelius Gurlitt: Das Kunstmuseum Bern würde das gesamte Erbe erhalten. So stand es im Testament. Dass der – letztlich relativ kleine – Raubkunstanteil der Sammlung restituiert werden soll, dazu verpflichtete sich das Museum.

Wer soll das Bild erhalten?

Unter den Verdächtigen war der Spitzweg mitnichten das grösste Rätsel, das die Raubkunstforschenden zu lösen hatten. Und doch wird er erst als 14. Bild an die rechtmässigen Erben zurückgehen. Laut den Angaben des Kunstmuseums sei die «komplexe Erbfolge» in der weitverzweigten Spitzweg-Familie der Grund für die lange Dauer. Das zeigt, wie aufwendig die Restitution von Raubkunst aus der Nazi-Zeit sein kann: Nicht nur die Überprüfung, ob es sich bei einem Werk tatsächlich um Raubkunst handelt, kann Jahre in Anspruch nehmen. Man muss auch sichergehen, dass die Kunst in die richtigen Hände fällt.

Nun wird «Der Klavierspieler» im Auktionshaus Christie’s eingeliefert. Wann die Zeichnung versteigert wird, ist ungewiss. Was den Wert der Zeichnung angeht, konnte das Kunstmuseum Bern am Mittwoch nicht sagen. Im Gegensatz zu früheren Restitutionen dürfte sich der Spitzweg aber in einem eher bescheidenen Rahmen bewegen. «Der höchste je für eine Bleistiftzeichnung von Spitzweg bezahlte Preis bis jetzt lag bei 37’000 Euro», sagt Bernhard Bischoff vom Berner Auktionshaus Kornfeld. Der Wert habe aber weit über den üblichen Erlösen für ähnliche Werke gelegen. Für den «Klavierspieler» erwartet er ein Ergebnis «irgendwo zwischen 6000 und 10’000 Franken».

«Forschung nicht ganz abgeschlossen»

Noch sei die Rückgabeforschung «nicht ganz abgeschlossen», heisst es beim Kunstmuseum. Die eindeutigen Fälle seien aber geklärt. Sollten nicht überraschenderweise neue Forderungen mit neuen Beweisen für einen weiteren Raubkunstfall auftauchen – und das kann nicht ganz ausgeschlossen werden –, könnte das 14. Werk das letzte des Gurlitt-Erbes sein, das das Konvolut verlässt.