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Rekord-Architektur im GolfstaatKuwait baut einen kolossalen Justizpalast

Das Land möchte sich mit einem neuen Gebäude zu Gerechtigkeit bekennen, allerdings werden Dissidenten und Minderheiten dort weiterhin verfolgt.

Das Design soll die Waage der Justitia symbolisieren: Der neue Justizpalast in Kuwait in einer Visualisierung.
Das Design soll die Waage der Justitia symbolisieren: Der neue Justizpalast in Kuwait in einer Visualisierung.
Foto: Pace
Im Vergleich zu den anderen Gebäuden wird die Grösse des neuen Justizpalastes sichtbar.
Im Vergleich zu den anderen Gebäuden wird die Grösse des neuen Justizpalastes sichtbar.
Bild: Pace
Viele Fenster sollen viel Licht für die Angestellten hereinlassen, eine kupferne Konstruktion rundet die Fassade ab.
Viele Fenster sollen viel Licht für die Angestellten hereinlassen, eine kupferne Konstruktion rundet die Fassade ab.
Bild: Pace
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Kuwait baut einen neuen Justizpalast, den «New Palace of Justice». Wenn er steht, wird er das höchste und grösste Justizgebäude der Welt sein, schreibt ein Teil der Medien. Die anderen sagen, es werde das grösste im Mittleren Osten.

Wie dem auch sei, die Visualisierungen des Baus sind eindrücklich. Vierspurige Strassen und stattliche Moscheen in der Umgebung wirken winzig klein neben dem Glasgiganten. Sogar vor der Skyline am Meer wirkt er wuchtig. Über 120 Gerichtssäle sollen darin Platz finden, über 25 Stockwerke verteilt. Über 100’000 Quadratmeter Bürofläche. Das Parkhaus soll dem Justizpalast einen weiteren Rekord einbringen: grösste automatische Parkanlage. Mehr als 2500 Autos können dort abgestellt werden.

Der neue Justizpalast soll ein Ort für Richter, Beamte, Bürgerinnen und Bürger gleichermassen sein.
Der neue Justizpalast soll ein Ort für Richter, Beamte, Bürgerinnen und Bürger gleichermassen sein.
Foto: Pace

Der Königspalast des Emirs von Dubai hat sich das Unternehmen Pace ausgesucht, um das Projekt auszuführen. Der alte Justizpalast wird dabei im Verlauf der Bauarbeiten abgerissen. Pace schreibt zum Projekt, dass bereits der alte Justizpalast für Jahrzehnte ein Symbol der Fairness und Integrität gewesen sei. Mit dem neuen möchte man die Dynamiken der Justiz in Kuwait verändern.

«Wir suchten nach einem Design, das Kuwaits anhaltendes Bekenntnis zur Justiz spiegelt und Solidarität transportieren würde», sagte ein Ingenieur des Emirs den Medien. Die zwei freistehenden Türme mit der soliden Plaza in der Mitte würden dabei die Waage der Justitia symbolisieren.

In den letzten Jahren hat Kuwait Justizreformen durchgeführt. Doch noch sind nicht alle Bürgerinnen und Bürger gleich vor dem Gesetz.
In den letzten Jahren hat Kuwait Justizreformen durchgeführt. Doch noch sind nicht alle Bürgerinnen und Bürger gleich vor dem Gesetz.
Foto: Pace

Das ist insofern erstaunlich, da Kuwait diverse fundamentale Menschenrechte nicht respektiert. Die Meinungsfreiheit ist stark eingeschränkt. Wer Kritik an der Regierung, dem Königshaus oder auch der Religion äussert, wird verfolgt, schreiben Amnesty International und Human Rights Watch. Proteste für demokratische Reformen werden gewaltsam niedergeschlagen.

Besonders diskriminiert werden die Angehörigen der staatenlosen Bidun-Minderheit. Ihnen wird unter anderem der geregelte Zugang zum Arbeitsmarkt oder zu öffentlichen Dienstleistungen verwehrt. Nach Kuwait migrierte Arbeitskräfte zwei Drittel der Bevölkerung sind nur unzureichend geschützt. Oft werden sie ausgebeutet und misshandelt.

Nicht alle werden ihr teures Auto im Justizpalast parkieren können. Migrierte Arbeitskräfte leben und arbeiten in Kuwait oft unter prekären Umständen.
Nicht alle werden ihr teures Auto im Justizpalast parkieren können. Migrierte Arbeitskräfte leben und arbeiten in Kuwait oft unter prekären Umständen.
Foto: Pace

Frauen werden gesetzlich benachteiligt, etwa wenn sie sich scheiden lassen oder das Sorgerecht für ihr Kind beantragen wollen. Wer der LGBTI-Gemeinschaft angehört, muss damit rechnen, wegen «unmoralische Handeln bestraft zu werden und dafür im Gefängnis zu landen. Kuwait hält gesetzlich weiter an der Todesstrafe fest.

Im Januar 2020 analysierte der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen im Rahmen des Universal Periodic Review (UPR) Kuwait. Über 300 Empfehlungen gingen ein an den Golfstaat. Das nächste Menschenrechts-Review soll 2025 stattfinden. Bis dann wolle Kuwait die Empfehlungen der anderen UNO-Mitgliedsstaaten umgesetzt haben, schreibt die NGO Mena. Vielleicht ist bis dahin auch der neue Justizpalast fertig. Rund ein Drittel sei schon gebaut. Die Bauarbeiten laufen natürlich in Rekordgeschwindigkeit.

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