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Auf Raupen rauf, auf Kufen runter

Als Langlaufrevier ist das Goms weitherum bekannt. Noch ein Geheimtipp ist es fürs Schlitteln. Dabei gibts hier einige der längsten Schlittelpisten. Dazu kommt die längste Pistenbullystrecke und das abgelegenste Winterhotel der Schweiz.

Wer sucht, der findet immer noch Alternativen zum Rummel in den angesagten Winterdestinationen. Das Gebirgshotel Grimselblick etwa hat jede Menge Schnee und authentisches Abenteuer zu bieten. Eben gerade wurde auf dem Grimselpass die elfte Wintersaison eröffnet. Hotelier Stefan Gemmet spricht mit markigen Worten von «russischem Roulette», wenn er auf den richtigen Eröffnungszeitpunkt zu reden kommt. Gar so «gäch» ist das nicht gemeint; er will einfach das Risiko verdeutlichen, von der Umwelt ein, zwei, drei Wochen abgeschnitten werden zu können, kaum habe er die Zugangspiste frei gemacht. Wenn es hier oben nämlich so richtig «gugsut» – wie es im Gommer Dialekt heisst –, dass man nicht von einem Markierungspfahl zum nächsten sehen kann, dann könne er auch mit dem Pistenbully niemanden abholen. Abgesehen von der kleinen «Chance», eingeschneit zu werden, drohe den Gästen aber keine Gefahr: Der Grimsel sei einer der wenigen lawinenfreien Pässe, und auch sein Winterzugang über den Oberwalder Grimsel sei ziemlich lawinensicher. Sollte es nach massiven Schneefällen mal nötig sein, so weiss Gemmet als routinierter Pistenpatrouilleur auch mal eine gezielte Sprengladung zu setzen.Zu Fuss oder mit dem BullyWer den Grimselblick aufsucht, ist ohnehin wetterfest: Traditionellerweise sind das Tourenskifahrer, schliesslich liegt das Berghotel an der zentralalpinen Haute-Route. Mehr und mehr sind es auch Schneeschuhläufer, für die gerade bei Wind und Wetter der dreieinhalbstündige Aufstieg ab Oberwald zu einem besonderen Erlebnis wird; auf diesem lässt man sich aber besser von einem Bergführer begleiten. In jüngster Zeit haben auch vermehrt Snowkiter und Schlittler den Grimsel entdeckt, welche auch am ehesten das Shuttleangebot mit dem Pistenbully in Anspruch nehmen. Wie man mit dem Grimsle-Schnaagger eine geschlagene Stunde lang den abschüssigen Trail hochschnaubt – das gehört zu den letzten Abenteuern im Schweizer Winter. Schon der Start in Oberwald zur ersten Fahretappe im Schlittenanhänger, der an einen Schneetöff angehängt ist, erfordert im dichten Schneetreiben Wetterfestigkeit. Neuerdings werden auch gedeckte Raupenquads eingesetzt, die bereits im Lokalkolorit getauft sind: «Hugibei». Beim Hotel Rhonequelle ist Umsteigebahnhof; hier übernimmt der Chef persönlich mit dem Kabinen-Schnaagger. Dazu besitzt er eine Carlizenz und sogar eine Kursfahrbewilligung – er fährt quasi einen Reisecar auf Raupen. Wie ein richtiger Buschauffeur liefert er über einen scheppernden Lautsprecher fleissig Erklärungen, wobei man sich angesichts des zunehmenden Neigewinkels gar nicht sicher ist, ob er da schon die berüchtigten Bozengeschichten einflicht (Geistergeschichten). Zum Höhe- und Kulminationspunkt macht Gemmet auf Bond: «Könnt ihr schwimmen – wisst ihr noch, wie James Bond aus dem Wasser schoss?» Sagts, und schon kippt der Bully vornüber und rumpelt und «ritschget» über den – nomen est omen – Totensee. Nicht Bond, eher «Shining» lässt grüssen! Nur gut, ist die Eisdecke über jeden Verdacht erhabenAls dann aus dem nächtlichen White-Out doch unvermittelt das Hotel auftaucht, glaubt man eher, bei einer Polarstation angekommen zu sein. Doch der knisternde Kachel- und der duftende Racletteofen machen einem sogleich die heimischen Gefilde gewahr. Am Kaminfeuer ist dann Zeit für Bozengeschichten. Auf dass die Träume in den wahren Himmelbetten – wer hätte das hier erwartet? – umso nahrhafter seienLanges SchlittelvergnügenNicht weniger abenteuerlich als die Auffahrt ist die Schlittenabfahrt. Je nach Schneeverhältnissen empfiehlt sich eher ein Kunststoffbob oder ein Holzrodel. Die ersten anderthalb ansteigenden Kilometer dürfen wir nochmals mit dem gastfreundlichen Bondpiloten absolvieren. Dann aber beginnt just auf der Höhenquote 2200 der Schlittelspass von rund 11 Kilometer Länge und der respektablen Höhendifferenz von 840 Metern. Damit gehört die Grimselabfahrt zu der Handvoll längsten Schlittelstrecken der Schweiz – gerade doppelt so lange wie die berühmte Preda-Bergün-Bahn. Dank unsern lenkbaren Gefährten meistern wir mit Eleganz, aber auch Ehrfurcht die Angst einflössenden Spitzkehren vom Vorabend. Im Hotel Rhonequelle wärmen wir uns mit einer Suppe auf. Das Finale bis Oberwald ist geradezu harmlos, bietet aber das besondere Vergnügen, auf der unbefahrenen Furkapassstrasse dahingleiten zu können. Wahrlich, die Schlittelpartie an der Grimsel ist eine exquisite Winteralternative – selbst zu angesagtesten Kurorten.

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