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Ausbildungsplätze für Gesundheitsberufe sind rar

Eine Studie schlägt Alarm: Weil der Bedarf bis 2025 stetig steigen wird, zeichnet sich ein kritischer Engpass ab – ohne ausländische Arbeitskräfte ist die Gesundheitsversorgung gefährdet.

Künftig gefragter denn je: Eine schwangere Frau wird von einer Hebamme untersucht. (20. Januar 2012)
Künftig gefragter denn je: Eine schwangere Frau wird von einer Hebamme untersucht. (20. Januar 2012)
Keystone

Bewegungs- und Physiotherapeuten sowie Hebammen werden künftig gefragter sein denn je, prognostizieren die Forscher der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Doch mangelt es für diese Berufe an Ausbildungsplätzen. «Im Grunde genügen die Ausbildungskapazitäten schon heute nicht mehr», lässt sich Gesundheitsdirektor Peter C. Meyer in einem Communiqué zitieren.

Damit die Gesundheitsversorgung in den nächsten Jahrzehnten gewährleistet bleibe, benötige man mehr Studienplätze. Die Gesundheitsberufe müssten attraktiv bleiben. Wenn ausländische Fachleute ausblieben, werde es schmerzhaft.

Laut Meyer stammt rund jede dritte Gesundheitsfachperson aus dem Ausland und hat dort auch ihr Diplom erworben. «In Zukunft müsste die Schweiz noch viel mehr ausländisches Personal rekrutieren», sagt Meyer. Dies sei aus politischen, wirtschaftlichen und ethischen Gründen aber nicht möglich. Im Gegenteil: Ihr Anteil dürfte sich infolge der im Februar vom Stimmvolk angenommenen Zuwanderungsinitiative künftig verringern.

40 Prozent mehr Hebammen benötigt

Heute arbeiten landesweit knapp 11'000 Personen in der Physiotherapie (8000 Vollzeitstellen), knapp 3500 Leute sind als Hebammen beschäftigt (2200 Vollzeitstellen), zudem gibt es beinahe 2500 Bewegungstherapeuten (1600 Vollzeitstellen). Diese Fachkräfte reichten künftig aber nicht mehr aus, um den Bedarf zu decken, kommt die Untersuchung zum Schluss.

Nebst dem Bevölkerungswachstum seien die Zunahme von chronischen Erkrankungen und die demografische Alterung die Hauptgründe für den benötigten Mehrbedarf. Vor allem bei den Hebammen ist die Prognose alarmierend: Hier brauche es 40 Prozent mehr Personal, schreiben die Forscher. In der Bewegungstherapie werde es 36 Prozent und in der Physiotherapie 23 Prozent mehr Berufsleute brauchen.

In den vergangenen Jahren wanderten etwa gleich viele ausländische Fachkräfte aus allen drei Berufsgruppen in die Schweiz ein, wie hier pro Jahr ausgebildet werden. Reduziert sich der Anteil ausländischer Gesundheitsfachkräfte in den kommenden Jahren substanziell, zeichnen sich gemäss der Studie ab 2020 für alle drei Berufe wachsende Versorgungslücken ab.

Bachelor- und Masterabschlüsse fördern

Um einem drohenden Fachpersonenmangel entgegenzuwirken, gilt es gemäss ZHAW-Studie zudem, die Berufsverweildauer zu steigern. Hierzu müssten berufsbefähigende Bachelorabschlüsse und weiterführende Masterstudiengänge von den Praxisinstitutionen vermehrt empfohlen werden.

Verschiedene Studien des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums (Obsan) hatten in den vergangenen Jahren bereits einen Mangel an Ärzten und Pflegefachpersonen vorausgesagt. Die Schweizer Politik baute in der Folge die ärztliche und pflegerische Ausbildung mit Hilfe zahlreicher Massnahmen aus.

Die ZHAW und das Berner Büro für arbeits- und sozialpolitische Studien (Bass) nahmen mit der Studie «Prognose Gesundheitsberufe 2025» nun erstmals den Bedarf bei den übrigen Gesundheitsberufen unter die Lupe. Diese Untersuchung stützt sich auf Statistiken des Schweizer Gesundheitswesens und auf Expertenwissen.

SDA/ajk

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