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Bistum Chur sucht einen neuen Exorzisten

Noch heute werden hierzulande Exorzismen durchgeführt. Nun ist der bekannteste Teufelsaustreiber der Schweiz gestorben. Was läuft bei den Kirchen?

Andreas Tobler
Er war der bekannteste Exorzist der Schweiz: Christoph Casetti.
Er war der bekannteste Exorzist der Schweiz: Christoph Casetti.
Screenshot/SRF

Die Schweiz verlor vergangenes Wochenende ihren bekanntesten Exorzisten: Seit 2014 war Bischofsvikar Christoph Casetti Teufelsaustreiber für das Bistum Chur. Casetti selbst formulierte seine Aufgabe im Schweizer Fernsehen etwas anders: Er sei im «Heilungs- und Befreiungsdienst» tätig; wenn der Bischof die Erlaubnis gebe, könne er den «grossen Exorzismus» beten. Nun ist der Exorzist im Alter von 76 Jahren gestorben.

Teufelsaustreibungen in der Schweiz: Für viele klingt das nach einem Rückfall ins Mittelalter – und nicht nach dem 21. Jahrhundert. Aber tatsächlich hat die Schweiz in den letzten fünf Jahren einen starken Anstieg bei den Anfragen nach Exorzismen erlebt: «Über 400» seien es, die bei der Katholischen Kirche jährlich eingingen, hiess es 2017 in einem Beitrag von SRF; fast 1000 weitere Anfragen habe die Heilsarmee erhalten. Tendenz steigend. Allein im Bistum Lugano gebe es «jeden Tag» Anfragen zum Thema Teufelsaustreibungen, konnte man im vergangenen Jahr im «Blick» lesen.

«Leider» – nicht alle sind vom Exorzismus überzeugt

Bis zum heutigen Tag werden in der Schweiz also noch Teufelsaustreibungen durchgeführt. «Leider», heisst es, als man sich beim Katholischen Medienzentrum nach den jüngsten Zahlen erkundigt. Wie viele Exorzismen in der Schweiz jährlich durchgeführt werden, weiss man nicht. Auch die Zahl der Seelsorger, die für eine solche Teufelsaustreibung infrage kämen, ist schwer zu ermitteln. Gemäss Schätzungen sind in der Schweiz insgesamt ein halbes Dutzend Exorzisten aktiv.

Nach dem Tod von Christoph Casetti sei die Exorzistenstelle bei ihnen «momentan vakant», schreibt Giuseppe Gracia, Medienbeauftragter des Bistums Chur, zu dem auch Zürich gehört. Bis zur Beerdigung von Casetti sei man mit anderen Dingen beschäftigt und habe keine Einsicht in die Exorzismus-Zahlen. Teufelsaustreiber gebe es auch andernorts, etwa im Bistum Lausanne-Genf-Freiburg oder in Basel.

Oftmals fühlten sich Menschen von «unsichtbaren Mächten» bedroht und wollten sich von diesen befreien, schreibt Hansruedi Huber, Pressesprecher des Bistums Basel. «Sie verlangen dann manchmal einen Exorzismus, ohne aber genau zu wissen, was das ist.» Seelsorger würden die Hilfesuchenden beraten, dabei auch auf psychologische oder psychiatrische Ursachen hinweisen und Betreuung vermitteln. «In den meisten Fällen», so Huber, helfe den Betroffenen bereits «ein gemeinsames Gebet».

Nicht wie im Horrorschocker

Kommt es tatsächlich zu einem Exorzismus, verlaufe dieser «nach einem alten Ritual» und umfasse Gebete und Segnungen, schreibt der Pressesprecher des Bistums Basel weiter. Der Exorzismus dürfe nur von dafür ausgebildeten Priestern und «mit ausdrücklicher Erlaubnis des Bischofs durchgeführt werden». In den letzten fünf Jahren habe das Bistum Basel keinen Exorzismus durchgeführt. So wie im Horrorschocker «Der Exorzist» dürfe man sich eine Teufelsaustreibung aber nicht vorstellen, meint am Telefon die Mitarbeiterin eines anderen Bistums.

So darf man sich einen Exorzismus nicht vorstellen: Szene aus William Friedkins «The Exorcist» von 1973
So darf man sich einen Exorzismus nicht vorstellen: Szene aus William Friedkins «The Exorcist» von 1973

Der Ablauf des Exorzismus-Rituals ist in einem Dokument festgelegt – in einem in Latein verfassten Handbuch. Doch dieses Handbuch sei «nur für den Exorzisten bestimmt», schreibt das Bistum Basel. Konkreter wurde Christoph Casetti damals im Fernsehen: «Was ich gerne verwende, ist ein Kruzifix», erklärte er gegenüber SRF. «Man lädt die Bedrängten ein, auf das Kreuz zu schauen», denn Christus habe am Kreuz das Böse besiegt – er kann also als Vorbild bei der Überwindung der dämonischen Kräfte angesehen werden. In erster Linie werde das Kreuz aber den Dämonen selbst gezeigt, von denen die «Bedrängten» besessen seien. Mit der Formel «Seht das Kreuz des Herren, fliehet ihr feindlichen Mächte» würden die Dämonen ausgetrieben.

Unbedingt dazu gehöre das Weihwasser, das vom Exorzisten auf die Hilfesuchenden gesprengt werde. Casetti selbst verwendete dafür ein kleines Fläschchen, das sei praktisch, weil man «dosiert spritzen» könne. Die Reaktion auf die Weihwasser-Spritzer seien «oft sehr heftig». «Hör auf, das brennt, das brennt!», würden die «Patienten beziehungsweise Dämonen» rufen.

«Hör auf, das brennt, das brennt!» Exorzist Christoph Casetti beschreibt die Wirkung von Weihwasser.

Ein bis zwei Exorzismen führte Casetti nach eigenen Angaben jährlich durch. Er habe schon erlebt, dass er über Skype mit jemandem sprach und dabei aus dem Nichts hebräische Schriftzeichen auftauchten, erklärte Casetti gegenüber dem «Blick». «Oder jemand, der keine grosse Bildung besitzt, verstand plötzlich Latein. Das sind klare Zeichen, die auf eine Besessenheit hindeuten.»

Gegen die Kritik, beim Exorzismus handle es sich um Hokuspokus und er sei letztlich nichts anderes als eine gefährliche Spielerei, bei der die Exorzierten Traumata erleiden könnten, hatte Casetti seine Einwände: «Das Leid dieser Menschen ist ungeheuer gross», sagte er dem «Blick», deshalb müsse man ihnen helfen. Bei einem grossen Exorzismus würde man aber einen Arzt beiziehen. Und manchmal müsse man – so Casetti – «jahrelang beten».

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