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Der Neid der Dicken

Frankreich will zu dünne Models verbieten. Die angedrohten Strafen für die Agenturen sind drastisch. Das Ganze ist lächerlich.

Die Südafrikanerin wurde mit 15 auf einem Flohmarkt entdeckt. Inzwischen 24, ist sie als Dessous-Model bei Victoria's Secret besonders beliebt, tritt aber auch für praktische alle bekannten Designer auf.
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Mario Anzuoni, Reuters
Smalls ist neu in die Top Ten vorgedrungen. Die Purto Ricanerin war die erste Latina, die als «Botschafterin» für Estee Lauder tätig war.
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Benoit Tessier, Reuters
Ihr Einkommen bewegt sich in ganz anderen Sphären als das ihrer Konkurrentinnen – was vor allem belegt, dass die Brasilianerin eine gute Geschäftsfrau ist. Mit ihren Ipanema-Fliplops etwa verdient sie Millionen. Und die 33-jährige zweifache Mutter ist auch zuhause die Spitzenreiterin – knapp. Ihr Mann, Football-Quarterback Tom Brady verdient etwa 38 Mio. Dollar.
Ihr Einkommen bewegt sich in ganz anderen Sphären als das ihrer Konkurrentinnen – was vor allem belegt, dass die Brasilianerin eine gute Geschäftsfrau ist. Mit ihren Ipanema-Fliplops etwa verdient sie Millionen. Und die 33-jährige zweifache Mutter ist auch zuhause die Spitzenreiterin – knapp. Ihr Mann, Football-Quarterback Tom Brady verdient etwa 38 Mio. Dollar.
Sergio Moraes, Reuters
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In Frankreich sollen Magermodels verboten werden. Ausgerechnet in Frankreich, im Land der Mode. Aber das französische Unterhaus meint es ernst und hat vor einer Woche einem neuen Gesetz zugestimmt, das happige Bussen vorsieht für Agenturen, die untergewichtige Models beschäftigen. Es drohen Strafen bis zu 75'000 Euro sowie Gefängnis bis zu einem halben Jahr. Als untergewichtig gilt ein Body Mass Index (BMI) unter 18,5; ein durchschnitliches Modell misst gemäss «Guardian» 1,75 m und wiegt 50 Kilo, was einem BMI von 16 entspricht.

Das Vorhaben ist absurd. Aus drei Gründen.

  • Und während eine Basketballmannschaft niemals in eine kleine, wenn auch noch so begabte Spielerin investieren wird, wird eine Modelagentur niemals in eine junge Frau investieren, die nicht von Natur aus schmalhüftig und feingliedrig ist. Es geht um zu viel Geld, als dass sich ein dauernder Kampf ums Abnehmen lohnen würde.
  • Zweitens wird der Fehler begangen, Dünnsein mit Magersucht zu verwechseln. Models sind nicht nur wegen der fehlenden Falten vor allem im Teenager-Alter begehrt, sondern weil sie dann über diesen schlaksigen, beinahe androgynen Körper verfügen, den die Mode über alles liebt. Wer über die typische Modelphysis verfügt, ist daher in der Regel einfach: dünn. Oder, wenn bereits ein bisschen älter: ungemein diszipliniert. Aber eben nicht: magersüchtig. Magersucht ist vielmehr eine psychische Erkrankung, die sich im Verweigern von Essen manifestiert.
  • Drittens wird ein Problem aufgebauscht, das letztlich keines ist. Weltweit werden die Menschen immer dicker, es herrscht eine recht eigentliche Dicken-Epidemie, die daraus entstehenden Kosten sind enorm, die WHO schlägt seit Jahren Alarm, erfolglos. In der Schweiz gilt ein Drittel der Bevölkerung als übergewichtig, das sind 2,5 Millionen. Zum Vergleich: In Frankreich mit seinen 64 Millionen Einwohnern sind schätzungsweise 40'000 Frauen untergewichtig. So gross kann der Einfluss von Models nicht sein, wenn die Menschheit trotz flächendeckender Werbung mit angeblich zu dünnen jungen Frauen kollektiv verfettet.

Weshalb also dieses Gesetz? Weil man sich damit Applaus holt. Models vereinen und verkörpern all das, was als begehrenswert gilt. Sie sind schön, sie sind jung, sie sind dünn. Unsere Gesellschaft hat sich darauf geeinigt, dass Schlanksein als attraktiv gilt. Deshalb wollen alle dünn sein – wenn Magazine, selbst seriöse wie der «Stern» oder «Focus», wieder einmal Auflage machen wollen, bringen sie eine Diät als Titelgeschichte – und das Blatt fliegt nur so aus den Regalen.

Models haben das, was alle wollen: einen schlanken Körper. Deshalb mag man sie nicht, man nimmt ihnen ihre Perfektion übel. Deshalb darf man sie ungestraft beschimpfen, auf Instagram etwa sind die Kommentare mitunter schockierend hasserfüllt.

Und deshalb darf man sie offenbar sogar offiziell per Gesetz diskriminieren – die immer wieder, wenn auch vergeblich, als neue Stars der Laufstege bemühten Plus-Size-Models jedenfalls dürfen weiterhin beschäftigt werden. Die taugen zwar nicht als Vorbilder, weil ja eben zu viele Menschen zu dick sind. Aber deren Figur ruft keinen Neid hervor.

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