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Der schmutzigste Job der Welt

Julio César Cu macht die vermutlich dreckigste Arbeit in Mexiko-Stadt. Ratten und Fäkalien umgeben seinen Arbeitsplatz tief unter den Strassen der Megastadt.

Vorbereitung: Der mexikanische Kanaltaucher Julio César Cu macht sich fertig für einen Tauchgang. (21. August 2013)
Vorbereitung: Der mexikanische Kanaltaucher Julio César Cu macht sich fertig für einen Tauchgang. (21. August 2013)
Ronaldo Schemidt, AFP
Eingepackt: Ein roter Neoprenanzug und ein gelber Tauchhelm schützen ihn vor der dreckigen Brühe in Mexiko-Stadts Abwasserkanälen.
Eingepackt: Ein roter Neoprenanzug und ein gelber Tauchhelm schützen ihn vor der dreckigen Brühe in Mexiko-Stadts Abwasserkanälen.
Edgard Garrido, Reuters
Handarbeit: Ein Helfer reinigt Julio Cesar Cu das Gesicht.
Handarbeit: Ein Helfer reinigt Julio Cesar Cu das Gesicht.
Ronaldo Schemidt, AFP
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Tag für Tag taucht der 53-Jährige durch die stockdunklen Abwasserkanäle, um sie von Unrat zu befreien. Ohne den Taucher würden die Kanäle verstopfen, überlaufen und das ganze System zusammenbrechen lassen. «Wir finden hier alles, was man sich nur vorstellen kann – von der Plastiktüte bis zu Autoteilen», sagt der stämmige Mexikaner. «Manchmal kommt sogar eine Leiche angeschwommen.» Seit 1980 gibt es den Job des Kanaltauchers in Mexiko-Stadt, doch keiner hat ihn so lange ausgehalten wie Cu: 30 Jahre. «Einer muss diese Arbeit ja machen», sagt er. Schliesslich produzieren die 20 Millionen Einwohner der Hauptstadt täglich 12'700 Tonnen Müll. Und vieles davon landet in den Abwasserkanälen, weil viele Menschen ihre Abfälle einfach in Flüsse oder auf die Strasse werfen, von wo aus sie dann in die Kanalisation geschwemmt werden.

Cu macht sich fertig für den ersten Tauchgang des Tages. Er schlüpft in einen roten Neoprenanzug und setzt einen gelben Taucherhelm auf, um sich vor der dreckigen Brühe zu schützen. «Ein Tropfen Wasser auf der Haut bedeutet eine sichere Infektion», sagt Cu. In der Tiefe warten noch weitere Gefahren und Unannehmlichkeiten. Glasscherben, Nägel und Spritzen gehören dazu. «Der Geruch ist unangenehm, aber man gewöhnt sich an alles», sagt der Taucher. Seine Arbeit erledigt Cu vor allem tastend. «Schon zehn Zentimeter unter der Wasseroberfläche ist die Sicht gleich null», erklärt er.

Ein dünner Schlauch versorgt Cu unter Wasser von draussen mit Sauerstoff – Sauerstoffflaschen auf dem Rücken würden ihn bei der Arbeit behindern. Ausserdem ist er per Funk mit seinen Gehilfen ausserhalb des Kanals verbunden, die ihm notfalls zu Hilfe kommen können. Bislang hat Cu alle Tauchgänge heil überstanden, doch der Tod eines Kollegen vor 15 Jahren, der bei der Arbeit weggespült wurde, ist ihm noch schmerzlich in Erinnerung.

Gerade einmal 6000 Peso (rund 340 Euro) verdient Cu pro Monat mit seinem schweren und riskanten Job. Warum also schlüpft er täglich aufs Neue in den Taucheranzug? «Meine Arbeit gefällt mir einfach, sie ist meine Leidenschaft. Es reizt mich, nie zu wissen, was mich da unten erwartet.»

Die letzten beiden Taucherkollegen kündigten vor fünf Jahren, sie hatten genug von Gestank und Gefahr. Seit eineinhalb Jahren hat Cu zumindest wieder zwei Lehrlinge, die irgendwann seine Arbeit übernehmen wollen. Theoretisch könnten auch Maschinen die Kanalisation freiräumen, doch das würde viel länger dauern.

«Die Arbeit des Tauchers wird noch eine ganze Weile gebraucht werden», sagt der Geologe Sergio Palacios Mayorga von der Nationalen autonomen Universität in Mexiko. «Erst wenn die Leute lernen, ihren Müll zu entsorgen und nicht auf die Strasse zu werfen, wird der Job nach und nach überflüssig werden.»

AFP

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