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Die Bahn in der Schlucht

Wanderung zu einer Jubilarin: Die Linie durch die Rheinschlucht ist vor 100 Jahren eröffnet worden.

Blick von der Aussichtsplattform in Conn bei Flims (GR) auf die Rheinschlucht.
Blick von der Aussichtsplattform in Conn bei Flims (GR) auf die Rheinschlucht.
Keystone

Zum Glück gibt es die Rhätische Bahn. Sonst wäre die Schlucht des Vorderrheins kaum so zu besichtigen, wie sie es heute ist. Nicht einmal zu Fuss lässt sich die Strecke von Reichenau bis Ilanz in ihrer vollen Länge entdecken. Ein durchgehender Weg fehlt, strenge Naturschutzvorschriften verbieten hier und dort gar das Betreten.

Seit 100 Jahren bietet die Rhätische Bahn Einblicke in dieses so schwer zugängliche Gebiet. Dieses Jubiläum hat sie im Juni gefeiert, nun war der Jahrestag: Am 1.August 1912 wurde die durchgehende Linie von Chur bis Disentis eröffnet. Der erste Teil durch die Rheinschlucht bis Ilanz war allerdings zu der Zeit bereits ein paar Jahre in Betrieb.

Blicke in die Tiefe

Wer die Rheinschlucht wirklich erleben will, wird es kaum bei einer Zugfahrt bewenden lassen. Zu schnell ziehen all die Schönheiten am Fenster vorbei. Und davon, wie sich die Bahn in die Natur einfügt, ist vom Sitz aus erst recht nichts zu sehen. Die Linie hat die Schlucht ohnehin nachhaltig verändert. Dort, wo Kunstbauten die weitere Erosion verhinderten, entstanden neue Lebensräume für Pflanzen.

Die wohl besten Einblicke in die Schlucht bietet eine dreistündige Wanderung ab Trin Mulin, das ab Chur – Ironie des Schicksals – mit dem Postauto erreichbar ist. Der Weiler liegt 200 Meter über dem Vorderrhein. Das hat den Vorteil, dass schon nach einer halben Stunde Weg erste Blicke in die Tiefe möglich sind. Hellgrau schimmern die Wände und dunkelgrün die Wälder.

Im Talgrund trifft der Weg auf eine Fachwerkbrücke und überquert gemeinsam mit der Bahn den noch jungen Rhein. Ab jetzt folgt die Wanderung dem Trassee, auf dem auch der legendäre Glacier-Express auftaucht. Er hat der Linie erst Schub gegeben. Als 1926 von Disentis aus das Gleis weiter über den Oberalppass verlegt und 1930 der Expresszug von St.Moritz nach Zermatt geschaffen wurde, nahmen die Passagierzahlen markant zu.

Nach der Station Versam-Safien verläuft der Weg auf einem Damm, der die Bahn vor Hangrutschen schützt, wie es beim lockeren Material in den Wänden nur allzu gerne vorkommt. Andernorts erfüllt eine Galerie diese Aufgabe, derweil an einer dritten Stelle das Trassee angehoben worden ist. So ist es bei Hochwasser besser geschützt. Immer wieder haben in der Vergangenheit Unwetter den Betrieb stillgelegt. Die Kräfte der Natur sind hier gewaltig. Das wird mit einem Blick hinauf zur Abbruchkante klar, wo sich Arven mit Kraft im offenen Waldboden festkrallen.

Bahn baute Strassenbrücke

Station Valendas-Sagogn, das Ziel ist erreicht. Wer Lust hat, kann hier zwar noch weiterwandern und erleben, wie sich die Schlucht aufweitet und bei Ilanz schliesslich in einen breiten Talboden mündet. Ebenso reizvoll ist es aber, hier in den Zug nach Chur zu steigen und die Schlucht nochmals aus der anderen Perspektive zu erleben.

Zuvor lohnt sich noch ein Blick auf die Strassenbrücke, die ins Dorf Sagogn führt. Auch sie ist ein Werk der Bahn. Diese wurde nämlich verpflichtet, von den direkt am Fluss liegenden Stationen Strassen in die Dörfer zu bauen.

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