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Cooler Stoff für heisse Tage

Whisky im Sommer? Wir haben erfrischende Geniessertipps von Profis und verraten, was die Branche umtreibt.

Im Sommer empfiehlt es sich, zum vorab gekühlten Glas zu greifen. Foto: Richard Taylor (4Corners, Schapowalow)
Im Sommer empfiehlt es sich, zum vorab gekühlten Glas zu greifen. Foto: Richard Taylor (4Corners, Schapowalow)

Ein Single Malt im warmen Glas erscheint ja dieser Tage etwa so sonderbar wie eine Grillwurst aus der Dose. Auf alle Fälle ­lassen einen die schweisstreibenden Temperaturen eher in den Kühlschrank greifen als ins Spirituosenregal, und man möchte meinen, dass die Spezialitätenhändler sich gerade an fernen Stränden aufhalten, wo sie sich einen möglichst kühlen Herbst herbeisehnen. Aber nein: Fehlanzeige.

Anruf bei Martin Monnier, Spezialist für Edelspirituosen in Studen bei Biel. Der Händler gibt zu, dass das Whiskygeschäft im Sommer schwieriger sei. Als eines der führenden Schweizer Fachgeschäfte mit über 4000 verschiedenen Whiskys verfügt er jedoch über Alternativen, um den rückläufigen Konsum im Juli und August auszugleichen. Monnier bietet seine Raritäten auch online an. «Da bekomme ich im Sommer genügend Anfragen, vor allem aus jenen Gebieten Asiens, wo es weniger sommerlich ist.»

Aber wie stehts bezüglich Kundschaft, die in den Getränkemarkt kommt? Manche würden im Sommer eher nach Rum, Gin oder Grappa verlangen, sagt der Händler. Und wenns ein Whisky sein soll? «Dann empfehle ich einen süffigen Malt mit erfrischenden Zitrusnoten. Es ist ja wie beim Essen: Im Winter darfs gerne etwas Deftiges sein, im Sommer mag mans leichter.»

Das Glas muss ins Eisfach

Genuss wird auch bei Acla da Fans in Samnaun grossgeschrieben. Anruf bei Stefan Wolters. «Einen Single Malt bei über 25 Grad pur zu geniessen, macht wenig Spass», sagt der Whiskyexperte. Er rät, was schon der italienische Grandseigneur Edoardo Giaccone in seiner legendären Whiskyteca am Gardasee der Kundschaft empfahl: Man kühle zuerst das Whiskyglas im Eisfach und befülle es anschliessend mit Single Malt. «Der Whisky schmeckt dann angenehm erfrischend und ist mit getautem Reif leicht verdünnt.»

Wers mag, kann auch zu einem Cocktail auf Single-Malt-Grundlage greifen. Der Rezepte gibt es viele. Wolters, der früher auch als Barkeeper tätig war, empfiehlt klassische Glenmorangie-Cocktails, die man ohne ­allzu grossen Aufwand selber zubereiten kann.

Raritäten ziehen immer

Was das Whisky-Direktgeschäft betrifft: Auch Wolters sagt, dass im Sommer weniger Umsatz ­gemacht werde. Allerdings ist Acla da Fans im Zollfreigebiet ­Samnaun ein Spezialfall: «Wenn die Anfahrt ohne Schnee und Eis möglich ist, haben wir Hochsaison.» Online erreicht man die eingefleischten Fans allerdings zu jeder Jahreszeit. «Als wir letzthin eine Single-Malt-Rarität für etwa 500 Franken anboten, hatten wir in kürzester Zeit 40 Interessenten», sagt Wolters. Vorrätig hatte man aber nur 12 Flaschen. Entscheiden musste das Los.

Ferien? Für Whiskyhändler liegt das im Moment nicht drin. Im Gegenteil: Es gilt für den Herbst und Winter vorzuspuren und lohnende Tropfen zu ergattern. Auch Wolters war dieser Tage nicht etwa am Strand, sondern in Schottland, um frische Kontakte zu knüpfen und neue Abfüllungen zu degustieren. Da muss man mitunter etwas Extrazeit einberechnen, insbesondere dann, wenn man auf der Whiskyinsel Islay unterwegs ist, wo die Uhren gemäss Wolters ganz anders ticken. «Wer hier im ­falschen Moment drängelt, wartet grad nochmal so lange, und wer das nicht akzeptiert, bekommt überhaupt nichts.» Das gilt es natürlich zu vermeiden, denn Mitte September gehts bereits los mit dem ersten Schweizer Grossanlass. Die Berner Whiskymesse gilt als Startschuss für die neue Saison.

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