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Mein Problem mit dem falschen Poulet

Warum unsere Autorin, eine Vegetarierin, ihre liebe Mühe hat mit Planted, dem Zürcher Pseudo-Güggeli aus Erbsenprotein.

Schweizer Erfindung: Der Fleischersatz der Marke Planted erlebt einen Hype. Foto: PD
Schweizer Erfindung: Der Fleischersatz der Marke Planted erlebt einen Hype. Foto: PD

Sorry, aber ich finde es furchtbar. Das falsche Poulet, meine ich, das zurzeit sehr erfolgreich durch die Schweiz flattert.

Als Coop den Fleischersatz der Marke Planted kürzlich einführte, war er sofort ausverkauft. Angeblich sogar in hipsterfreien Zonen auf dem Land. Es sollen Zustände geherrscht haben wie bei Erstverkaufstagen eines neuen iPhones. Bei Poulet aus Erbsen! Coop hat mittlerweile reagiert, die Kühl­truhen sind allenthalben wieder aufgefüllt. Der Grossverteiler versuche, «die Nachfrage so gut wie möglich zu decken», ist auf Anfrage zu erfahren.

Und ich als langjährige Vegetarierin staune. Produkte mit dem Supplement «wie Fleisch» befremden mich ja schon lange: Ich suche doch Essen, das mich nicht an tote Tiere erinnert, was Sojawürste beispielsweise tun – und pflanzliche Brocken, die aussehen wie Pouletfleisch, sowieso. Hingegen: Natürlich kann ich nachvollziehen, dass ein Fleischesser etwas vermisst, wenn er damit aufhört und Ersatzprodukte sucht. Ich habe mal geraucht.

Planted er­innert mich zu sehr an Fleisch.

Der im Januar ausge­brochene Mini-Hype um die Pouletfleischalternative hat – wie alles dieser Tage, möchte man meinen – mit dem neuen Klimabewusstsein zu tun. Egal, ob sie aus dem Labor stammen, wie jene von Planted, oder nicht, Fleischersatzprodukte sind gefragt wie nie. Doch haben sie mich bisher nicht wirklich überzeugt. Nein, auch der Beyond-Burger aus Kalifornien nicht.

Dass nun das Fake-Poulet von Planted Erfolge feiert, hat drei Gründe.

  • Erstens: Es ist «Poulet». Hierzulande die einzige Fleischsorte, deren Beliebtheit noch im Vergleich zu anderen Tieren wenig Schaden erlitten hat.
  • Zweitens: Das falsche Poulet wird in der Schweiz, an der ETH, hergestellt; erfunden haben es unter anderen zwei Lebensmittelingenieure. Das Unternehmen arbeitet an weiteren Produkten und will in Zukunft Sonnen­blumen, Kürbisse, Hanf und Linsen einsetzen. Die Erbsen für das Poulet stammen zwar aus Westeuropa, doch das soll sich ändern, die Zutaten sind Erbsenprotein, Erbsenfasern, Rapsöl und Schweizer Wasser.
  • Drittens: Die Konsistenz von Planted kommt dem richtigen Poulet unglaublich nah und kommt mir als Gastgeberin, die kein Fleisch kochen will, entgegen: Provozierte der Sojahack, den ich letzthin zu den Hörnli gereicht hatte, Kommentare wie «Das esse ich nicht» (ernsthaft!), erntete das Poulet schon fast Applaus. Ich hatte Zürigschnätzlets gemacht, das erste meines Lebens, und ich hatte nur einen Gast. Sie ist kulinarisch anspruchsvoll. Ich auch, und ich schmeckte zuerst nur die Erbsen heraus, dann die Sauce, die zu dick geraten war. Das «Poulet» konnte ich kaum schlucken. Mein Gegenüber meinte aber: «Das ist grossartig. Ich liebe es!»

Okay. Ich hasse es. Mich er­innert es zu sehr an Fleisch.

Planted gibt es etwa bei Coop und in ausgewählten Restaurants.

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