Scientology-Gründer «war der König der Hochstapler»

Ein Urenkel des Sektengründers kritisiert Scientology scharf. Angeblich hat sogar Tom Cruise seine Zweifel.

Slampoet und Scientology-Kritiker, und zwar nicht irgendeiner: Jamie DeWolf ist der Urenkel von L. Ron Hubbard.

Slampoet und Scientology-Kritiker, und zwar nicht irgendeiner: Jamie DeWolf ist der Urenkel von L. Ron Hubbard.

Hugo Stamm@HugoStamm

Scientology kommt nicht aus dem Formtief heraus. Nach dem Absprung hochrangiger Führungskräfte und der Flucht von Katie Holmes, Ex-Frau von Vorzeige-Scientologe Tom Cruise, hält Jamie DeWolf der Sekte öffentlich den Spiegel vor. DeWolf ist nicht irgendein Kritiker, sondern der Urenkel von Scientology-Gründer L. Ron Hubbard. Was er sagt, ist Dynamit für die Sekte, weil er zur Familie gehört.

DeWolf spricht Klartext: «Mein Urgrossvater war der König der Hochstapler, ein Betrüger, der ein gigantisches Schneeballsystem geschaffen hat.» Die Aussage machte er gegenüber der britischen Zeitung «The Sun». Seiner Ansicht nach hatte sein Urgrossvater besondere Talente, um seinen Machtanspruch umzusetzen: «Er war hochintelligent, ein begnadeter Redner und hatte zudem das Charisma, das alles auszunutzen. Im Grunde war er ein Gauner, der einen massiven Betrug entwickelt hat.»

Das Monster Scientology

Scientology ist heute für DeWolf ein Monster. Ein Monster, das noch grösser gewesen sei als er selbst. «Ich hätte lieber eine andere Art von Verbrecher als Urgrossvater, aber man kann sich seine Familie nun mal nicht aussuchen», sagte DeWolf im Interview. Aus Angst vor der Scientology werde in der Familie nicht über die Sekte gesprochen.

Seine Mutter ist die Tochter von Hubbards Sohn. Dieser änderte den Namen, als er die Sekte verliess. Er wollte nicht mit der Hypothek leben, mit Scientology in Verbindung gebracht zu werden. Jamie ist seinem Grossvater dankbar dafür.

Trotzdem lässt ihm die Familiengeschichte keine Ruhe. So führte der vielseitige 36-jährige Künstler und Slampoet eine Performance über Hubbard auf. Dieser habe nur deshalb eine Kirche gegründet, weil er stinkreich werden wollte. Was ihm schliesslich geglückt sei.

Katie Holmes verlässt die Sekte

Noch weiter aus dem Fenster lehnte sich DeWolf, als er kürzlich dem amerikanischen Fernsehsender CBS ein Interview gab und ebenfalls Klartext über seinen Urgrossvater sprach.

Solche Informationen über Scientology verbreitet normalerweise niemand ungestraft. DeWolf hat denn auch nach dem TV-Auftritt unruhige Zeiten erlebt, wurde verbal angegriffen und stand unter ständiger Beobachtung. Eine Klage muss er allerdings kaum fürchten. Ein Prozess gegen ein Familienmitglied der Hubbards würde weltweit Aufsehen erregen. Scientology verkündet aber, alle Vorwürfe von DeWolf seien schlicht erfunden.

Ein gröberes Imageproblem bescherte der Sekte kürzlich auch Katie Holmes. Die Ex-Frau des Schauspielers Tom Cruise flüchtete heimlich aus der Ehe und dem Scientology-Nest.

Zweifel an der Sekte?

Sie war nach Nicole Kidman bereits die zweite Ehefrau, welche die Sektenatmosphäre und die Sektenhörigkeit ihres Mannes nicht mehr ertrug. Dabei rühmt sich Scientology, für jedes Beziehungsproblem potente Lösungen zu haben.

Und schon lauert weiteres Ungemach: Aus dem Umfeld von Cruise ist zu hören, dass der Schauspieler allmählich am System Scientology zweifle. Eine Flucht von Cruise wäre für die Sekte ein Desaster. Ob er den Absprung schafft, muss bezweifelt werden.

Öl ins Feuer schüttet die Zeitschrift «Vanity Fair». In der neusten Ausgabe schreibt sie, Scientology habe Cruise in der Hand. Alle Gespräche und Therapiesitzungen mit ihm seien mit versteckten Kameras aufgenommen worden, die Sekte kenne den Schauspieler bis in die intimen Einzelheiten. Ein Pfand, mit dem Scientology die Karriere von Cruise zerstören könnte.

Brautschau für Cruise?

Die Zeitschrift veröffentlichte weiter brisante Details über ein 2005 von Scientologen organisiertes Casting, bei dem eine hübsche Brunette gesucht wurde. Es ging nicht um eine Kandidatin für einen Film, wie vorgegeben wurde, die Sekte suchte vielmehr eine Partnerin für Tom Cruise. Scientology erklärte, der Artikel entbehre jeder sachlichen Grundlage und strotze vor Fehlern.

Tages-Anzeiger

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