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«Auch in der schlimmsten Krise wird geheiratet»

Der 12.12.2012 ist für lange Zeit die letzte Schnapszahl und trotz Finanzkrise und Winter ungemein beliebt. Wedding-Planerin Eva Hauser erklärt, warum das magische Datum für die Liebe auch seine Tücken hat.

«Der Genuss wird in finanziell schwierigen Zeiten noch grösser geschrieben»: Eva Hauser, führt seit acht Jahren die Agentur Wedding & Events.
«Der Genuss wird in finanziell schwierigen Zeiten noch grösser geschrieben»: Eva Hauser, führt seit acht Jahren die Agentur Wedding & Events.
Andrea Kühnis
Wenn die Braut nicht aufs Geld schaut: «Für die Frau ist alles sehr emotional, die Augen wollen mehr, als im Portemonnaie drin ist.»
Wenn die Braut nicht aufs Geld schaut: «Für die Frau ist alles sehr emotional, die Augen wollen mehr, als im Portemonnaie drin ist.»
Zalan Schuster
Heiraten im Ausland: Italien oder die griechische Insel Santorini sind bei Schweizer Hochzeitspaaren sehr beliebt.
Heiraten im Ausland: Italien oder die griechische Insel Santorini sind bei Schweizer Hochzeitspaaren sehr beliebt.
Andrea Kühnis
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Eva Hauser, wie gross ist der Ansturm von Brautpaaren am 12. Dezember?

Es ist fast so wie in der Hochsaison im Sommer, wo wir an einem Tag mehrere Hochzeiten gleichzeitig betreuen, das Standesamt in Zürich ist jedenfalls restlos ausgebucht. Weil es ein Mittwoch ist, halten viele Paare die zivile Trauung ab. Wäre der 12. Dezember an einem Wochenende wäre der Rummel noch viel grösser.

Aber auch so ist es stressig genug.

Als Stress empfinde ich es nicht, aber auf jeden Fall gibt es mehr zu tun. Die Hochzeitspaare werden auf dem Standesamt im Viertelstundentakt abgefertigt. Unsere Agentur begleitet vier Hochzeiten an diesem Tag.

Ist es nicht so, dass der Dezember wegen der Kälte fürs Heiraten eher unbeliebt ist?

Klar, im Sommer werden die meisten Hochzeiten gefeiert. Aber auch der Winter kann sehr romantisch sein, und er wird auch immer beliebter. Es muss ja heutzutage sehr individuell geheiratet werden, das Spezielle und Extravagante zählt. Im Januar organisiere ich ein Fest in St. Moritz, die Braut wird in einem weissen Pelz zum Trauungspavillon unter freiem Himmel am See schreiten.

Mit kalten Füssen.

Ja, da muss sie durch. Moonboots oder warme Winterstiefel kriegt an so einem eleganten und einzigartigen Tag sicher keine von mir. Die Liebe muss sie warm halten. Und der Hochzeitsschlitten mit den dicken Felldecken wird sicher auch ganz kuschelig.

Warum ist dieses Datum für die Leute so wichtig?

Schnapszahlen haben sich im Wedding-Bereich in den letzten Jahren echt zu einem Trend entwickelt. Der 12. Dezember ist ganz einfach die letzte Möglichkeit, sich an einem magischen Datum zu vermählen. Gut, es gibt nächstes Jahr noch den 13.3.2013, aber das ist dann schon nicht mehr das Gleiche.

Erhoffen sich die Paare, dass sich das magische Datum auch auf die Beziehung magisch auswirkt?

Kann sein, obwohl es für die Ehe und auch die Hochzeit besser wäre, an einem ganz gewöhnlichen Tag zu heiraten. Erstens sind die beliebten Lokalitäten dann nicht alle ausgebucht. Zweitens stehen einem dann auch die besten Fotografen, DJs und andere Dienstleister zur Verfügung. Ausserdem trennen sich Paare schneller, die an einem Schnapszahldatum geheiratet haben. Das sagt zumindest die Statistik in der Schweiz und den umliegenden Ländern.

Wo sehen Sie den Grund dafür?

Eine Erklärung könnte sein, dass sich die Paare zu sehr auf ein Datum fixieren und sich zu wenig Gedanken machen, ob ihre Beziehung auch reif für eine Ehe ist. Das magische Datum sollte nicht alleine der Heiratsgrund sein.

Der göttliche Segen könnte helfen. Ist die kirchliche Trauung noch angesagt?

Ja, absolut. Der Trend geht allerdings in Richtung Trauung unter freiem Himmel. Viele Kirchen unterstützen das nicht, sie bevorzugen das Jawort in einem Gotteshaus. Daher sind sogenannte freie Trauungen sehr beliebt.

Wie viele Paare flüchten eigentlich ins Ausland?

Genau kann ich das nicht sagen, aber Italien oder die vielen Inseln im Mittelmeer wie Santorini sind sehr beliebt. Ich stelle aber auch fest, dass viele Touristen in die Schweiz kommen. Vor allem für die asiatischen und amerikanischen Paare ist unser Land sehr gefragt. Pilatus und Matterhorn, das Schweizer Klischee halt.

Sie sind seit Jahren im Geschäft, wie stark hat die Krise der Hochzeitsindustrie zugesetzt?

Überhaupt nicht. Geheiratet wird immer, auch in der schlimmsten Krise. Ich glaube auch, dass der Genuss in finanziell schwierigen Zeiten noch grösser geschrieben wird.

Wer ist geiziger, wenn es ums Heiraten geht, Mann oder Frau?

Ohne zu generalisieren, definitiv der Mann. (lacht) Für die Frau ist alles sehr emotional, die Augen wollen mehr, als im Portemonnaie drin ist. Der Mann sieht das Ganze eher rational, oft muss er auch das Geld verdienen. Er interessiert sich in erster Linie für das Essen und den Wein. Die Braut ist fürs Träumen zuständig.

(Interview: Sebastian Rieder)

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