Chef darf Weiterbildung verlangen

Kann ich den Arbeitsvertrag teilweise künden? Habe ich Anspruch auf Urlaub? Darf der Chef mir Weiterbildung verordnen? Diese und weitere Fragen wurden an der letzten Hotline zum Arbeitsrecht beantwortet.

Statt Freizeit am PC am Samstag büffeln auf Geheiss des Arbeitgebers? Weiterbildung darf verlangt werden, aber nur während der Arbeitszeit.

Statt Freizeit am PC am Samstag büffeln auf Geheiss des Arbeitgebers? Weiterbildung darf verlangt werden, aber nur während der Arbeitszeit.

(Bild: Fotolia)

1. Ich bin beim Rasen erwischt worden. Nun verliere ich meinen Fahrausweis für 2 Jahre. Als Aussendienstmitarbeiter bin ich auf mein Auto angewiesen. Der Chef hat mir jetzt fristlos gekündigt. Geht das? Für eine fristlose Entlassung braucht es einen wichtigen Grund. Der liegt vor, wenn es dem Arbeitgeber nicht mehr zumutbar ist, das Arbeitsverhältnis bis zum Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist weiterzuführen. Als wichtiger Grund genügt, dass der Arbeitnehmer durch eigenes Verschulden nicht mehr arbeiten kann. Sie haben den Ausweisentzug selbst verschuldet und können die vertraglich vereinbarte Tätigkeit nicht mehr ausüben. Eine ordentliche Kündigung ändert daran nichts. Da Sie während der Kündigungsfrist selbst verschuldet nicht arbeitsfähig wären, hätten Sie auch keinen Lohnanspruch.

2. Ich bin Mutter geworden. Darum möchte ich mein Arbeitspensum reduzieren. Mein Chef ist dagegen. Kann ich den Arbeitsvertrag nur teilweise kündigen? Das ist leider nicht möglich. Sie können den Vertrag nur ganz oder gar nicht kündigen. Sie können allerdings die Kündigung mit einer Bedingung verknüpfen. Ein Beispiel: «Falls mein Pensum nicht auf den 1.Dezember 2013 auf 60 Prozent reduziert wird, kündige ich den Arbeitsvertrag auf diesen Termin.»

3. Mein Mitarbeiter besucht in der Nacht regelmässig Lokale und betrinkt sich. Er kommt oft zu spät. Er ist übermüdet und arbeitet fehlerhaft. Ich habe ihm mehrmals schriftlich und mündlich angedroht, dass ich ihm fristlos kündige, wenn er wieder übernächtigt zur Arbeit kommt. Nun kam er erneut betrunken, und ich habe ihm fristlos gekündigt. Er weigert sich, die Kündigung zu akzeptieren. War mein Vorgehen zulässig? Der Arbeitgeber darf beim Vorliegen von wichtigen Gründen fristlos kündigen. Wichtige Gründe liegen vor, wenn es dem Arbeitgeber nicht mehr zumutbar ist, bis zum Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist mit der anderen Vertragspartei zusammenzuarbeiten. Sie haben den Arbeitnehmer mehrmals aufgefordert, seine nächtliche Tätigkeit zu stoppen. Durch das unsorgfältige Arbeiten des Angestellten verletzt er seine Sorgfalts- und Treuepflicht. Die fristlose Kündigung ist rechtens.

4. Unsere Tochter arbeitet zu 60 Prozent in einem Modehaus. Nun möchte sie zusätzlich in einer Papeterie eine 40-Prozent-Stelle annehmen. Muss sie ihren 60-Prozent-Arbeitgeber um Erlaubnis fragen? Nein, das muss sie nicht. Solange die zweite Erwerbstätigkeit die erste nicht tangiert, gibt es keinen Anlass dazu. Die Tochter ist nur zu 60 Prozent beim bisherigen Arbeitgeber angestellt. Für die restlichen 40 Prozent ist sie ja nicht bezahlt und kann daher über diese Zeit verfügen.

5. Mein Arbeitsort ist laut Arbeitsvertrag Zollikofen. Nun hat mir aber mein Arbeitgeber mitgeteilt, dass er den Betrieb umstrukturiert. Ich muss deshalb künftig in Zürich arbeiten. Muss ich das akzeptieren? Eine dauerhafte Änderung des Arbeitsortes setzt eine neue vertragliche Absprache voraus. Können sich die Parteien nicht einigen, hat der Arbeitgeber die Möglichkeit, das Arbeitsverhältnis unter Einhaltung der ordentlichen Kündigungsfrist zu kündigen.

6. Ich, Fabrikarbeiter, erhalte für meine Nachtschichtarbeit keine Zuschläge. Diese sind aber laut GAV vorgesehen. Wie kann ich mich wehren, ohne den Job zu verlieren? Machen Sie den Arbeitgeber auf die ausstehenden Zuschläge schriftlich aufmerksam, am besten mit einem eingeschriebenen Brief. Die Zuschläge sind Ihr Recht. Sollte man Ihnen wegen Ihrer Forderung kündigen, wäre dies missbräuchlich.

7. Ich arbeite seit sieben Jahren als Kinderbetreuerin in einer Krippe. Anfang Juli hatte ich eine Rückenoperation und wurde von meinem Arzt bis Ende Jahr krankgeschrieben. Nun aber hat mir der Arbeitgeber auf Ende November die Stelle gekündigt. Was kann ich tun? Laut Obligationenrecht haben Arbeitnehmer nach Ablauf der Probezeit bei Krankheit einen Kündigungsschutz, eine sogenannte Sperrfrist. Die Dauer dieser Sperrfrist ist abhängig von der Anstellungsdauer. Im ersten Dienstjahr beträgt die Frist 30 Tage, ab zweitem bis und mit fünftem Dienstjahr 90 Tage und ab sechstem Dienstjahr 180 Tage. In Ihrem Fall ist also die Kündigung nichtig. Sie stehen nach wie vor in ungekündigter Stellung. Der Arbeitgeber darf Ihnen erst nach Ablauf der 180-tägigen Frist kündigen.

8. Mein Chef verlangt, dass ich am Samstag eine Weiterbildung mache. Kann er mich zur Weiterbildung verpflichten? Ja, allerdings nur im Rahmen der Arbeitszeit. Während dieser Weiterbildungszeit haben Sie Anspruch auf Lohn. Die mit der Weiterbildung verbundenen Auslagen wie Schulungs-, Übernachtungs- und Fahrtkosten hat der Arbeitgeber zu zahlen.

9. Ich musste mich operieren lassen und falle nun mehrere Wochen aus. Stimmt es, dass mein Chef mir deswegen meinen Ferienanspruch kürzen kann? Die Regel lautet: Für den ersten Monat, den ein Arbeitnehmer nicht arbeiten kann, darf keine Ferienkürzung erfolgen. Ab dem zweiten Monat darf für jeden vollen Monat der Arbeitsunfähigkeit ein Zwölftel des Ferienanspruchs gestrichen werden.

10. Meine Tochter macht seit sieben Jahren Überstunden. Sie hat dafür noch nie etwas bekommen. Mehrmals hat sie mit dem Chef darüber gesprochen. Er vertröstet sie immer, reagiert aber nicht auf ihre Forderung. Was kann sie tun? Mittlerweile sind die ersten zwei Jahre bereits verjährt. Da kann Ihre Tochter keine Ansprüche mehr geltend machen. Sie hätte die Abgeltung der Überstunden unbedingt frühzeitig vom Arbeitgeber einfordern sollen, und zwar schriftlich, beziehungsweise sie hätte mindestens die Verjährung durch Klage oder eine Betreibung unterbrechen müssen. Die Überstunden müssen entschädigt werden: Laut Gesetz müssen Überstunden mit einem Zuschlag von 25 Prozent ausbezahlt werden. Wenn beide Parteien damit einverstanden sind, können Überstunden auch mit Freizeit von mindestens gleicher Dauer kompensiert werden.

11. Ich möchte gerne eine sechsmonatige Weltreise unternehmen. Muss mir der Arbeitgeber unbezahlten Urlaub gewähren? Nein. Das Gesetz enthält keinen Anspruch auf unbezahlten Urlaub. Wollen Sie einen solchen beziehen, brauchen Sie die ausdrückliche Zustimmung des Arbeitgebers.

12. Ich bin allein erziehender Vater und arbeite immer von Mittwoch bis Freitag. Nun sagt mein Chef, ich sei verpflichtet, für das anstehende Inventar Überstunden zu leisten. Kann mich der Chef zwei Wochen lang zwingen, auch Montag und Samstag zu arbeiten? Nein. Nur in Ausnahmesituationen sind Angestellte verpflichtet, Überstunden zu leisten. Eine solche liegt zum Beispiel vor, wenn gleichzeitig viele Angestellte krank sind. Doch selbst dann müssen Überstunden nur geleistet werden, sofern dies für die Mitarbeiter zumutbar ist. Bei einem allein erziehenden Vater kann das schwierig sein. In Ihrem Fall herrscht keine Ausnahmesituation. Ihr Chef weiss ja, dass er periodisch ein Inventar aufnimmt. Er hat das Inventar so zu organisieren, dass Mitarbeiter nicht an freien Tagen unfreiwillig Überstunden machen müssen.

13. In unserer Stadt findet ein Grossanlass statt. Diverse Wohngebiete werden abgesperrt. Deswegen kann ich mein Geschäft nicht öffnen, und mir entsteht ein Schaden: Meine Angestellten können nicht arbeiten, und ich muss ihnen Lohn bezahlen. Kann ich diese Kosten beim Veranstalter zurückholen? Der Arbeitnehmer trägt kein Verschulden daran, dass Sie Ihr Geschäft nicht öffnen können und er nicht arbeiten kann. Laut Gesetz müssen Sie in diesem Fall Ihrem Arbeitnehmer den Lohn auch weiterhin bezahlen. Sie können allerdings beim Veranstalter vorstellig werden und nebst den normalen Kosten wie Lohnkosten oder Miete auch einen möglichen Umsatzverlust geltend machen.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...