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«Das Bizarr-Angebot wird am meisten von CEOs genutzt»

Auch in der Schweiz florieren offenbar Edel-Escort-Services für mächtige Männer. Ein Insider spricht über die Schweizer Szene und erklärt, welche Events besonders gut fürs Geschäft sind.

Seraphine, 22: Die Schweizerin arbeitet seit diesem Monat beim Zürcher Escort-Service Swiss Darlings, macht auch «bizarr» – aber nur mit Einschränkung.
Seraphine, 22: Die Schweizerin arbeitet seit diesem Monat beim Zürcher Escort-Service Swiss Darlings, macht auch «bizarr» – aber nur mit Einschränkung.

Angeblich soll Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn in New York des Öfteren beim Edel-Escort-Service «Manhattan Madam» Callgirls zum Preis von 600 Dollar pro Stunde bestellt haben. Auch in der Schweiz sind mächtige Männer bereit, für Edel-Prostituierte tief ins Portemonnaie zu greifen. Redaktion Tamedia sprach mit Stefano C., einem Geschäftspartner von «Swiss Darlings», einem Edel-Escort-Service, über Callgirls, CEOs und bizarre Sex-Vorlieben.

In den letzten Monaten sind mehrere mächtige Männer und ihre sexuellen Eskapaden aufgeflogen. Einige davon haben mit ihrer Karriere bezahlt. Haben sich diese Schlagzeilen negativ auf Ihr Geschäft ausgewirkt? Nein, unsere Kunden haben sich dadurch nicht einschüchtern lassen. Sie wissen aber auch, dass bei uns Diskretion an erster Stelle steht und wir oder ein Callgirl nie mit irgendwelchen Namen an die Öffentlichkeit gehen würden. Das würde das Aus für unser Geschäft bedeuten. Trotzdem haben einige Kunden angerufen, weil sie wissen wollten, was mit ihren Daten passiert.

Und, was passiert damit? Sie werden umgehend gelöscht. Wir nehmen die Daten nur zur Buchung und für die Sicherheit unserer Girls auf. Denn Diskretion für die Kunden ist das eine, Sicherheit für die Girls das andere.

Wie schützen Sie denn Ihre Angestellten? Zunächst mal laufen alle Buchungen über uns, über die Zentrale. In einem Gespräch werden bestimmte Vorstellungen des Kunden, Ort, Datum und Zeit abgemacht. Bucht man das Girl für zwei Stunden, will dann aber doch mehr Zeit mit ihm verbringen, so geht das nur nach Absprache mit der Zentrale. Das heisst, wir wissen immer, wo und wie lange ein Girl sich an besagtem Ort aufhält. Nach «getaner Arbeit» meldet sich ein Girl unverzüglich per SMS bei mir. Ausserdem wird es immer von einem Escort-Fahrer an den vereinbarten Ort hingefahren und wieder abgeholt. Und meistens wartet er in der Nähe und wäre somit zur Stelle, wenn es unangenehm werden würde.

Kommt es denn zu solchen Situationen? Im Fall Strauss-Kahn haben sich Escort-Ladys anscheinend über seine Brutalität beschwert. Wir mussten zum Glück noch nie «einrücken». Aber auch wir führen eine sogenannte Schwarze Liste und haben einige Namen vermerkt, die bei uns nicht mehr zum Zug kommen. Allerdings waren das Fälle von verbaler und nicht körperlicher Gewalt. Aber üble Beschimpfungen und Demütigungen müssen sich unsere «Darlings» nicht gefallen lassen. Sie bieten eine Dienstleistung an und verdienen es, mit Respekt behandelt zu werden – auch von den Kunden.

Wer sind denn Ihre Kunden? Unsere Preise liegen im höheren Segment, es kann sich nicht jeder 400 Franken (in Zürich) oder 500 Franken (ausserhalb der Stadt) pro Stunde leisten. Von dem her sind unsere Kunden fast ausschliesslich gut situierte Geschäftsmänner aus dem In- und Ausland. Vorwiegend aus der Schweiz.

Auch solche, die man aus der Öffentlichkeit kennt? Machtmänner? Ja, auch solche. Allerdings kann und will ich Ihnen dazu nicht mehr sagen.

Auf Ihrer Homepage bieten sie nebst «hetero», «gay» und «lesbian» auch die Sparte «bizarr» an. Darin ist neben Fesselspielen, Latex, Dressur auch Seltsames wie «lebender Aschenbecher» beschrieben. Wie gross ist die Nachfrage nach diesem Segment? Die Nachfrage ist rasant am Steigen. Am meisten wird das Bizarr-Angebot von Männern aus dem oberen Kader-Bereich genutzt, CEOs...

Je mächtiger, desto ausgefallener die sexuelle Vorliebe? Ich weiss nicht, ob man das so sagen kann. Aber es fällt auf, dass Männer in wichtigen geschäftlichen Positionen, also solche, die viel Verantwortung tragen, öfter aus ihrem Alltag flüchten und in andere Rollen schlüpfen möchten. Sie wollen für einmal dominiert werden oder ja, auch gedemütigt werden. Die Palette an «bizarren» Wünschen ist sehr gross. Man kann nicht sagen, dass mächtige Männer am liebsten gezüchtigt werden, manche wollen wie ein Baby behandelt und gewickelt werden. Wie gesagt, das Spektrum ist sehr weit gespannt.

Italiens Premierminister Silvio Berlusconi hat in letzter Zeit vor allem mit seinen «Bunga-Bunga-Partys» von sich reden gemacht. Gibt es in der Schweiz Ähnliches? Solche Partys finden gelegentlich statt und werden an speziellen und geheimen Orten organisiert – also nicht, wie im Fall von Berlusconi, bei sich zu Hause. Und für solche Anlässe werden immer mehrere Girls gebucht. Es kommt aber auch vor, dass für Firmenanlässe Girls nur zum Strippen gebucht werden.

Für Firmenanlässe? Und wer meldet sich da, die Sekretärin? In den meisten Fällen ist es tatsächlich die Sekretärin. Kontaktaufnahmen durch Firmen, die Escort-Girls für ihre Kunden buchen, kommen regelmässig vor. Früher war es gang und gäbe, gewisse Dienste über die Geschäftskreditkarte abzubuchen, heutzutage ist man strenger geworden.

Wann haben Sie die meisten Anfragen. Gibt es eine Hochsaison im Escort-Bereich? Wir arbeiten sehr gut, wenn Anlässe wie das WEF in Davos stattfinden. Oder gerade kürzlich, als wegen der Fifa viele wichtige Geschäftsmänner in Zürich waren. Über die Feiertage, also Weihnachten und Silvester, arbeiten wir auch sehr gut, überhaupt im Winter – da sehnt man sich wohl nach Wärme. Am wenigsten Anfragen haben wir während der Sommerferien.

Escort-Service wird immer als Begleit-Service verkauft. Da ist die Rede von einer netten, attraktiven Begleitung, mit der man einen schönen Abend verbringen kann. Aber schlussendlich geht es doch um Sex? Das ist unterschiedlich, wobei es grundsätzlich schon um Sex geht. Also ich würde mal von 70 – 80 Prozent der Anfragen ausgehen, die ausschliesslich Sex als Ziel haben. Allerdings gibt es auch solche, die zwischenmenschliche Nähe, Wärme und Geborgenheit suchen. Die meisten gehen auch tatsächlich zuerst mit einem Girl essen, lernen es kennen, bevor es dann zur Sache geht.

Wenn nun aber der Kunde dem Escort-Girl nicht gefällt. Kann es nach dem Essen aufstehen und gehen? Nein, das kann sie nicht. Im Vorfeld führen wir ja ein Gespräch mit dem Kunden, das ziemlich ins Detail geht. Er definiert ganz klar seine Absichten und auch seine Vorlieben. Diese werden dem Escort-Girl beschrieben, und sie kann dann selber entscheiden, ob das für sie infrage kommt oder nicht. Aber wenn sie sich entscheidet, muss sie da auch durch. Es gab allerdings auch nie einen Rückzugsfall, das liegt wohl auch daran, dass unsere Kunden sehr kultiviert sind und sich auch zu benehmen wissen.

Wo rekrutieren Sie die Frauen für Ihren Escort-Service? Wir haben in dem Sinn keinen Escort-Scout, der Frauen anspricht und ihnen ein Job-Angebot macht. Manchmal, selten, schalten wir Inserate, doch meistens melden sich die Frauen direkt bei uns über die Homepage. Wir sind ständig auf der Suche nach «neuen Talenten».

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