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Das Lifestyle-Labor

Gwyneth Paltrow hat eine neue Netflix-Serie. «The Goop Lab» ist herrlich hassenswert.

Jürgen Schmieder

Gwyneth Paltrow ist eine herausragende Schauspielerin, sie hat Oscar, Emmy und Grammy gewonnen, und auf der Leinwand, das betont sie in der Dokumentarserie «The Goop Lab» bei so ziemlich jeder Gelegenheit, ihren Kollegen Matt Damon geküsst. Es lohnt also, mal ein paar Folgen lang auf ihre Mimik zu achten, weil sie die Bandbreite ihrer darstellerischen Fähigkeiten offenbaren. Verständnisvoll, zustimmend-entschlossen, verblüfft, verwirrt, verzückt, all das lässt sich mit ihrem selbsterklärten Gesamtzustand zusammenfassen: goopy.

Nein, das wird kein Verriss dieser Netflix-Serie - das haben all jene, die Paltrows Lifestyle-Unternehmen Goop für gaga halten, schon vor dem Ansehen der sechs Folgen getan: alles pseudowissenschaftlicher Hokuspokus, der da gezeigt wird, von Experimenten mit Magic Mushrooms und Masturbation über berührungslose Heilmassagen bis zu Gesichtsbehandlungen mit Blutplasma. Irgendwann sagt ein Arzt diesen Satz, bei dem Paltrow neugierig nickt: «Nur weil etwas nicht bewiesen ist, bedeutet es nicht, dass es nicht hilft.» Das wiederum bedeutet, dass alle Paltrow-Fans einen Verriss für Humbug halten werden. Hier die Fakten.

Huch, eine ungeschminkte Gwyneth Paltrow

«The Goop Lab» ist eine Abfolge von Selbstversuchen zur Selbstoptimierung. Und wie in den meisten Dokus, in denen sich die Menschen in Extremsituationen begeben, lernt das Publikum ein bisschen was über die Welt und die Psyche des Menschen, und vor allem ist es froh, dass es all das nicht selbst tun muss.

So erfährt man, dass Paltrow mit einer Diät ihr biologisches Alter um knapp zwei Jahre gesenkt hat. Nett, aber gerade für Goop-Verhältnisse, wo es schon mal um Bienenstiche gegen Verletzungen oder rektal einzuführenden Kaffee geht, recht harmlos. Da hilft es auch nicht, dass die Serie aufzufallen versucht, indem sie Vaginas in Frontalaufnahme zeigt, eine Frau beim Erleben eines Orgasmus oder, huch, eine ungeschminkte Gwyneth Paltrow.

Grösstenteils wird Überraschungsmomenten durch Bild-Text-Kompositionen vorgebeugt: Wenn das Wort «hüpfen» zu hören ist, springt jemand in einen See, bei «Energie» vollführt jemand ekstatische Bewegungen. Und alles, wirklich alles, wird in Bezug zu grösseren gesellschaftlichen Themen wie Gleichberechtigung gesetzt. Auch wenn nur Leute den Zusammenhang verstehen dürften, die sich das Elixier Psychic Vampire Repellent gegen schlechte Vibes bei Paltrows Imperium bestellen.

Wie bei vielen Produkten im Goop-Onlineshop ist vor jeder Folge der Hinweis zu sehen, dass niemand sein Leben umkrempeln soll, ohne einen Arzt zu konsultieren. Wer trotzdem glaubt, dass da irgendwas bei der Selbstoptimierung hilft, der wird die Folgen mit religiösem Eifer verfolgen und danach ein paar Produkte bestellen. Wer nicht daran glaubt, der kann einschalten, um darüber zu spotten. «Hate Watching». Kann dazu führen, dass man sich goopy fühlt. Ist aber wissenschaftlich nicht belegt.

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