Das Tier und wir

Prominente rufen zum Boykott des Circus Knie auf – weil Tiere auftreten. Führt das zu weit?

Tiger- und Elefantennummern gehören der Vergangenheit an: Pferde sind die grössten Tiere, die es im Zirkus Knie noch zu bestaunen gibt. Foto: Keystone

Tiger- und Elefantennummern gehören der Vergangenheit an: Pferde sind die grössten Tiere, die es im Zirkus Knie noch zu bestaunen gibt. Foto: Keystone

Salome Müller@SalomeMller

Im aktuellen Programm des Circus Knie, der zurzeit in Zürich gastiert, reiten Mädchenpuppen auf Ponys im Kreis, stehen Ivan Knie und Wioris Errani auf Pferderücken, während sie 18 Pferde in der Manege dirigieren, lässt Chris Ruis Knie 12 Papageien unter der Zirkuskuppel fliegen. Tolles Spektakel?

Finden Schweizer Prominente wie Model Tamy Glauser und Moderatorin Gülsha Adilji nicht. Auf Instagram posteten sie ein Bild des Zirkus und schrieben: «Es ist das Jahr 2019. Es ist Zeit, den Tiershows in Zirkussen auf Nimmerwiedersehen zu sagen.» Und Tamy Glauser ergänzte: «Befreit diese armen Seelen … Kauft keine Tickets!!!» Übertriebenes Theater?

Viele Schweizerinnen und Schweizer machen sich gerade wieder stärker Gedanken über den richtigen Umgang mit Tieren. In Basel ist es die baldige Abstimmung über das rund 10'000 Quadrat­meter grosse Ozeanium, in Zürich jetzt der Circus Knie, der bei Skeptikern zur Frage führt: Ist es zeitgemäss, Tiere zu Unterhaltungszwecken vorzuführen?

Was ist mit den Hunden und Katzen?

Die Frage zielt auf die ethische Dimension des Verhältnisses von Mensch und Tier. Sie misst den Menschen an seiner moralischen Verantwortung, die er gegenüber den Tieren hat, und nimmt weniger die konkrete Situation des Tiers im Zoo, im Zirkus in den Blick.

Werden die Ponys, Pferde und Papageien im Knie artgerecht gehalten? Geniessen sie genügend Auslauf, haben sie regelmässig Kontakt zu ihren Artgenossen? Der Schweizerische Tierschutz beurteilt das Tierwohl anhand der tierischen Grundbedürfnisse. Beim Circus Knie, der seit einigen Jahren auf Nummern mit Raubkatzen und Elefanten verzichtet, sieht er sie erfüllt.

Das heisst keineswegs, dass die grundsätzliche Frage nach der moralischen Verantwortung nicht gestellt werden darf. Nur ist sie weniger einfach zu beantworten. Und vielleicht lässt sie sich gar nie beantworten. Müsste der Mensch dann nicht konsequenterweise auch auf das Halten von Hunden und Katzen verzichten? Sie sind, wie Ponys und Pferde, domestiziert. Sie bereichern den Alltag ihrer Besitzer, wie Zirkustiere die Zuschauer erfreuen.

Und was ist mit der Schnecke, die sich Gülsha Adilji für ihre Comedy auf die Zunge setzte – gute Unterhaltung?

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