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Die gepanzerte Hausfrau

Margaret Thatcher und die Feministinnen: Sie hassten einander, wurden einander aber nicht los.

Kochte nicht mit Wasser: Margaret Thatcher trocknete alle ab.
Kochte nicht mit Wasser: Margaret Thatcher trocknete alle ab.
Keystone

Sie hat so viel verändert und so viele verärgert, dass die Trauer über ihren Tod so gross ist wie die Freude. Staatsmänner verbeugen sich im Akkord, während «Ding, Dong, the Witch is Dead» die englische Hitparade hochschiesst, ein Kinderlied über Hexentod.

Ihr hätten beide Reaktionen gefallen. Was immer man Margaret Thatcher vorwerfen mag, und es ist eine Menge – sie hat als Politikerin mutige, also seltene Eigenschaften verkörpert. Sie arbeitete sich ohne grosse Hilfe und gegen starke Widerstände hoch. Sie liess sich weder zähmen noch beirren. Und sie wich keiner Kontroverse aus.

Also war sie eine Feministin. Dennoch wurde sie zeitlebens nicht als solche wahrgenommen und wird auch nach ihrem Tod nicht so gewürdigt. Warum das so ist, hat Lady Thatcher selber gesagt, deutlich wie immer: «Die Feministinnen hassen mich, nicht wahr? Ich kann es ihnen nicht verübeln, denn ich hasse den Feminismus. Er ist Gift.» Sie hat nie etwas getan, um diesen Hass zu überwinden; ihre Politik richtete sich gegen alle Ideale der Frauenbewegung.

Angewandter Kapitalismus

Statt als Frau für den Frieden zu kämpfen, fuhr sie Panzer und führte Krieg. Statt der Verständigung forcierte sie den Nationalismus. Obwohl sie zu Beginn der Karriere von den Dingen sprach, «die nur Frauen wissen», und den Sinn fürs Praktische lobte, den Frauen und Mütter haben, half sie weder den einen noch den anderen. Sie machte sich über Krippen lustig und fror die Kinderzulage für Mütter ein. Sie tat nichts für arbeitende Frauen und alleinerziehende Mütter, förderte Frauen weder in der Partei noch im Kabinett. Von Solidarität hielt sie nichts, für die Gleichberechtigung tat sie wenig. Sie weigerte sich gar, die Gesellschaft als Grösse anzuerkennen, als gäbe es nur das Individuum und seinen neoliberalen Egoismus.

Margaret Thatcher, schreibt die englische Feministin Zoe Williams, habe sich für kein einziges Frauenanliegen engagiert mit Ausnahme ihrer eigenen; «Frauenmacht für sie war nichts anderes als angewandter Kapitalismus.» Dennoch nennt die linke Autorin die rechte Politikerin eine «Feministin wider Willen». Wobei der Widerwille bei den Feministinnen genauso gross war. Dahinter wird das Unbehagen gegenüber einer Frau sichtbar, die als Machtträgerin feministische Forderungen verkörperte, die sie als Politikerin hintertrieb. Margaret Thatcher war eine unerschrockene, unnachgiebige Frau an der Spitze einer Männerpartei. Und nicht nur das: Statt ihre kleinbürgerliche Herkunft im klassenbesessenen England zu verleugnen, feierte sie sich demonstrativ als Hausfrau mit Milchbuch und Staatshaushalt.

«Als Frau eine Pionierin»

Was den Feministinnen an Thatcher am wenigsten gefällt, hat sie mit ihnen am meisten gemein: sich in einer Männerwelt gegen alle Vorurteile maximal zu verwirklichen. Margaret Thatcher hasste den Feminismus, hielt feministische Forderungen aber für selbstverständlich. Die Feministinnen hassten Margaret Thatcher, obwohl sie vorbildlich ihre Frau stand. «Sie hat sich immer als politisches Subjekt begriffen, das selbstständig handelt und entscheidet», sagt die Zürcher Historikerin Elisabeth Joris, «sie war keine Feministin, aber als Frau eine Pionierin.»

Und sie hat vorgemacht, dass eine Frau an der Macht so stark, erfolgreich und brutal vorgehen kann wie ein Mann. Dass Frauen besser politisieren, wie manche Feministinnen behaupten, ist sexistisch, also dumm: Wer immer besser sein muss, kommt schlecht an, wenn er nicht gut ist.

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