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«Du mit deinem Scheiss-Elektrovelo bist so was von faul»

Für einmal sind sich Auto- und Velofahrer einig: E-Bikes nerven. Und ihre Fahrer sind gefährlich, frech und faul. Eine Verteidigung.

<b>Im Feierabendverkehr kommt es schon mal zu hektischen Situationen.</b> Vor allem, wenn Elektrovelofahrer auf normale Velofahrer treffen.

Im Feierabendverkehr kommt es schon mal zu hektischen Situationen. Vor allem, wenn Elektrovelofahrer auf normale Velofahrer treffen.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Marina Bolzli@Zimlisberg

Feierabendverkehr am Bahnhof Bern. Alle 50 Meter eine Ampel, die immer just in dem Moment auf Rot wechselt, wenn ich durchbrausen möchte. Alles steht. Plötzlich schreit einer hinter mir: «Fahr doch endlich, oder kannst du nicht fahren?»

Ich fahre. Und halte an der nächsten Ampel an. Der Schreier: «Du mit deinem Scheiss-Elektrovelo bist so was von faul.» Die Ampel wird grün. Doch die nächste schon rot. «Und überhaupt, das ist Umweltverschmutzung, verschwinde von meiner Strasse.»

Er überholt mich. Sitzt auf seinem mit mühsamer Muskelkraft angetriebenen Göppel. Er tritt wie von Sinnen in die Pedale und macht wüste Handzeichen in meine Richtung. Ich stutze. Habe ich ihm etwas getan? Hatte er einen schlechten Tag?

«Fahr doch endlich, oder kannst du nicht fahren?»

Nein, er hasst Elektrovelos. Und ist damit nicht der Einzige. Elektrovelos scheinen das Einzige zu sein, worauf sich Auto- und Velofahrer in seltener Harmonie einigen können: Sie nerven, ihre Fahrer sind überdies gefährlich, frech und faul.

Irgendwie kann ich ihn ja verstehen. Sie sind überall. Und sie verzeichnen in den letzten Jahren rasant steigende Verkaufszahlen. 2018 war jedes dritte verkaufte Velo ein Elektrovelo.

Und lässt man Sporträder wie Mountainbikes und Renner ausser Acht, sieht die Bilanz der muskelbetriebenen Zweiräder sogar noch schlechter aus: Letztes Jahr wurden knapp 77'000 normale Alltagsräder verkauft – und fast 68'500 ebensolche Elektrovelos. Im Jahr zuvor war das Verhältnis noch 88'000 zu 59'000 gewesen. Geht der Trend so weiter, wird bald jedes zweite verkaufte Alltagsrad ein Elektrovelo sein.

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