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Eine Stadt nur für Frauen

In Saudiarabien sind mehrere Städte geplant, in denen ausschliesslich Frauen arbeiten werden. Die Idee stammt nicht von Männern. Im Gegenteil: Das Projekt soll dem weiblichen Geschlecht Vorteile bringen.

Frauen werden in eigens geschaffenen Städten leben und arbeiten: Saudis verfolgen den Auftritt der Läuferin Sarah Attar an den Olympischen Spielen. (8. August 2012)
Frauen werden in eigens geschaffenen Städten leben und arbeiten: Saudis verfolgen den Auftritt der Läuferin Sarah Attar an den Olympischen Spielen. (8. August 2012)
AFP

Als die Läuferin Sarah Attar und die Judoka Wojdan Shaherkani an den Olympischen Spielen ihre Wettkämpfe bestritten, war das ein grosser Schritt für ihr Land. Sie durften zwar nur mit Kopftuch antreten, aber zumindest waren sie als Frauen nicht mehr von den Spielen ausgeschlossen.

Was der Weltöffentlichkeit allenfalls eine Randnotiz Wert ist, kommt in Saudiarabien schon fast einer Revolution gleich: Im wahhabitisch-konservativen Land reicht üblicherweise bereits das Geschlecht als Kategorie aus, um die Hälfte der Bevölkerung vom gesellschaftlichen Leben fernzuhalten. Das gilt insbesondere auch für den Zugang zum Arbeitsmarkt; nur 15 Prozent der Erwerbstätigen sind gemäss der britischen Zeitung «Guardian» Frauen. Sie arbeiten fast ausschliesslich in Arbeitsstätten, in denen Männer nicht zugelassen sind. Dem soll jetzt Abhilfe geschaffen werden: Im ganzen Land werden mehrere Städte entstehen, in denen nur Frauen arbeiten. Das Pilotprojekt wird demnach bereits Anfang 2013 in Betrieb genommen – vier weitere Städte sollen folgen.

Idee von Frauen lanciert

Die nach westlichen Massstäben skurril erscheinende Idee entstammt nicht etwa der Feder eines Mannes, sondern wurde laut «Guardian» offenbar von Frauen lanciert. Ziel ist es, den Frauen die Stellensuche zu erleichtern und ihre finanzielle Unabhängigkeit zu stärken. Dies scheint in Saudiarabien nur zum Preis einer weiterführenden Geschlechtersegregation möglich zu sein. «Die neue Industriestadt sollte ein besonderes Trainingszentrum haben, in dem Frauen ihre Talente entwickeln und lernen können, wie man in einer Fabrik arbeitet», wird Hussa al-Aun, eine der Initiantinnen, in der Zeitung «al-Eqtisadiah» zitiert.

Das grosse Gewerbegebiet in Hofuf im Osten des Landes wird ab nächstem Jahr nicht nur Raum für 5000 Arbeitsplätze bieten, sondern auch angrenzende Wohngebiete umfassen, um den Frauen «den Weg von und zur Arbeit zu erleichtern», erläutert die zuständige Behörde in einer Stellungnahme. Die Unternehmen würden ausschliesslich von Frauen geleitet und die Arbeitsbedingungen entsprechend den islamischen Verhaltensregeln angepasst. Die neu anzusiedelnden Firmen seien im Textil-, Pharmazie- und Nahrungsmittelbereich tätig.

Sanfte Reformbemühungen

Menschenrechtsorganisationen prangern die systematische Diskriminierung der Frauen in Saudiarabien schon lange an. Der Ölstaat ist beispielsweise das einzige Land weltweit, in dem es Frauen unter Androhung von Peitschenhieben verboten ist, Auto zu fahren. Das aktuelle Projekt reiht sich nun in eine Serie sanfter Reformbemühungen ein: So hat etwa König Abdallah vor einem Jahr angekündigt, Frauen das Stimmrecht bei den lokalen Wahlen 2013 zu verleihen.

Im Januar strengte die saudische Regierung zudem ein Gesetz an, das den Frauen erlaubt, in Lingerie- und Kosmetikläden zu arbeiten. Zuvor hatten Saudis ihre Unterwäsche bei männlichen Angestellten kaufen müssen. Bis Ende Jahr sollen die Männer in diesen Bereichen vollständig ersetzt werden.

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