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Wie ein Netflix-Knüller

Wieso uns das Drama der in einer Höhle eingeschlossenen Buben derart nahe geht.

Als «ein Wunder» hat einer der aus der thailändischen Höhle geretteten Knaben die Entdeckung der Fussballmannschaft unter Tage beschrieben: Die Buben vor der Pressekonferenz. (18. Juli 2018)
Als «ein Wunder» hat einer der aus der thailändischen Höhle geretteten Knaben die Entdeckung der Fussballmannschaft unter Tage beschrieben: Die Buben vor der Pressekonferenz. (18. Juli 2018)
Soe Zeya Tun, Reuters
In den neun Tagen hätten sie nur Regenwasser getrunken, aber nichts gegessen, berichteten die Jungen, die bei der Medienkonferenz – passend zum Namen ihres Teams – ein Fussballtrikot mit einem aufgedruckten Wildschwein trugen.
In den neun Tagen hätten sie nur Regenwasser getrunken, aber nichts gegessen, berichteten die Jungen, die bei der Medienkonferenz – passend zum Namen ihres Teams – ein Fussballtrikot mit einem aufgedruckten Wildschwein trugen.
Vincent Thian/AP, Keystone
Eine Woche nach dem Verschwinden der Jugendlichen und deren Trainer machen Taucher Fortschritte bei der Suche. (30. Juni 2018)
Eine Woche nach dem Verschwinden der Jugendlichen und deren Trainer machen Taucher Fortschritte bei der Suche. (30. Juni 2018)
Sakchai Lalit/AP, Keystone
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Seit 18 Tagen harren sie in der Vorhölle aus: Das Schicksal der in einer thailändischen Höhle eingeschlossenen Knaben hat eine enorme Anteilnahme ausgelöst. Weltweit studieren Menschen Grafiken über die Beschaffenheit der Höhle, verfolgen die Rettungsaktion live.

Trotzdem stellt sich die Frage, wieso einen das Wohlergehen der Eingeschlossenen derart beschäftigt. Dass Eltern mitleiden, ist selbstverständlich. Es ist gerade in der westlichen Welt einfacher, sich die eigenen Kinder in einer Höhle eingeschlossen vorzustellen als bei einem Giftgasangriff. Die menschlichen Urängste vor Dunkelheit, Enge und Tiefe tragen ebenfalls zum existenziellen Horror bei, der nur schon durch die Berichterstattung Platzangst und Panik auslöst.

Allerdings wurden immer wieder Bergarbeiter unter Tag eingeschlossen – und deren Schicksal bewegte die Welt deutlich weniger. Der Wettlauf gegen die Zeit aber macht die Tragödie zu einer Geschichte, wie man sie aus Serien kennt: Eine überraschende Wendung jagt die nächste. Das Verschwinden der Jungs, die Velos am Höhleneingang, die gefluteten Kammern, die Entdeckung der Gruppe, die Bilder von ihnen, sinkende und steigende Wasserhöhen, die Information, dass einige nicht schwimmen können, der Tod des Elite-Tauchers, die Rettung von acht Buben – und nun?

Am Fernsehen haben solche Geschichten meistens ein Happy End. Einmal tief durchatmen, und schon fühlt man sich besser. Katharsis nennt sich dieser Effekt. Man kann nur hoffen, dass es in der Wirklichkeit auch so abläuft. Bis dahin kommt ein anderes psychologisches Prinzip zum Zug: die Empathie. Diese ist meistens auf Menschen begrenzt, die einem nahe stehen. Hier ist es für einmal anders, hier hofft und bangt man mit Fremden.

Diese Anteilnahme an einer Gruppe eingeschlossener Jungen mag in Zeiten, in denen in Kriegs- und Krisengebieten täglich Kinder sterben, zynisch anmuten – zumal im Juni 215 Flüchtlinge samt Kindern im Mittelmeer umgekommen sind, was im WM-Fieber aber kaum jemand mitbekam. Doch vielleicht sollte man die weltweite Solidarität beim Höhlendrama primär als hoffnungsvolles Zeichen deuten, dass die Menschheit in Notstunden zusammenstehen kann.

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