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Endlich Mutter?

Eine Versicherung will Frauen bei ihrem Kinderwunsch helfen – aber nur heterosexuellen.

Salome Müller
Der Kinderwunsch lesbischer Frauen ist nicht weniger bedeutsam: Präparierung von Eizellen in einer Kinderwunschpraxis in Deutschland. Foto: Keystone
Der Kinderwunsch lesbischer Frauen ist nicht weniger bedeutsam: Präparierung von Eizellen in einer Kinderwunschpraxis in Deutschland. Foto: Keystone

Eigentlich ist es ein zeitgemässes Zeichen, das die Versicherung Sanitas mit ihrem neuen Angebot setzt: Frauen, die ein Kind wollen, aber Schwierigkeiten haben, eines zu bekommen, können die Zusatzversicherung «Kinderwunsch» abschliessen. Dafür müssen sie zwischen 18 und 35 Jahre alt sein und, je nach Altersgruppe, zwischen 14 und 200 Franken pro Monat einzahlen.

Mit diesem Produkt wird Sanitas einer gesellschaftlichen Entwicklung gerecht, von der sie gleichzeitig selber profitieren kann: Schweizer Mütter werden immer älter. Heutzutage sind sie durchschnittlich über 30 Jahre alt, wenn sie ihr erstes Kind zur Welt bringen. Noch in den 70er-Jahren war die Hälfte der Erstgebärenden zwischen 20 und 24 Jahre alt.

Weil die Fruchtbarkeit abnimmt, je älter die Frau ist, weichen viele auf künstliche Befruchtung aus. Diese Behandlung müssen sie, wenn die Befruchtung im Reagenzglas geschieht, selber bezahlen – es sind Beträge von mehreren Tausend Franken. Bei Versicherten wird Sanitas drei Viertel dieser Kosten übernehmen. Ein Sprecher sagte in der NZZ, die Versicherung wolle mit dem Angebot das Thema Unfruchtbarkeit enttabuisieren und zu einer «breiteren Aufklärung» beitragen.

Leider versäumt Sanitas, einen anderen wichtigen Aspekt zu berücksichtigen: die Gleichberechtigung von Hetero- und Homosexuellen. Bei «Kinderwunsch» ist nur jene künstliche Befruchtung versichert, die mit «dem Samen des eigenen Partners» vonstattengeht. Lesbische Frauen sind von diesem Angebot ausgeschlossen. Ist ihr Kinderwunsch weniger bedeutsam?

Vor dem Schweizer Gesetz schon. Es verbietet homosexuellen Paaren die künstliche Befruchtung. Dank der laufenden Behandlung der Ehe für alle im Parlament könnte sich dies bald ändern. Aber anstatt auf diese gesellschaftliche Entwicklung einzugehen, hält Sanitas die Diskriminierung mit ihrer expliziten Formulierung aufrecht.

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