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Federer und die Klimajugend

Aare, Wasser, Tränen: In dieser Rubrik schreiben wir, wie Kultur und Kleinigkeiten uns nachhaltig zu bewegen vermögen.

Michael Feller
Roger Federer hat da etwas im Auge.
Roger Federer hat da etwas im Auge.
Keystone

Ich habe mir die Rede von Greta Thunberg nochmals angesehen. «Wie könnt ihr nur!», hat die Schwedin am UN-Klimagipfel auf­gelöst in den Saal geworfen. «Alles, worüber ihr reden könnt, sind Geld und die Märchen von einem für immer anhaltenden wirtschaftlichen Wachstum.» Ich musste keine Träne verdrücken, nein. Aber ein bisschen meinen Idealen nachgetrauert habe ich schon.

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Ganz anders ergeht es etwa Roger Federer, wenn er wieder einmal in Tränen ausbricht. Nicht etwa wegen der an­stehenden Klimakatastrophe, sondern weil er in einem wichtigen Final ein paar Filzbälle verzogen hat. Die Welt geht deswegen zwar nicht unter, aber: Seine Tränen machen den Tennishelden «menschlich», wie dann das «Sportpanorama» und die Kommentarschreiber einträchtig feiern.

Dass Tränen von Männern und von Frauen ganz anders bewertet werden (harter Kerl + Tränen = Mensch respektive Frau + Tränen = Frau), ist das eine. Die andere Erkenntnis dieser Tage ist, dass sich zwar die Internet-Trolle von der Klimajugend gehörig provoziert fühlen. Die Geohrfeigten unserer Zeit sind aber jene, die schon seit Jahrzehnten um die Erderwärmung wissen und die trotzdem nichts zustande gebracht haben. Eigentlich die Mehrheit. Wir.

Vielleicht, nein, ganz sicher, liegt es daran, dass wir die Ideale unserer Jugend verloren haben. Hatten wir nicht einmal den Plan, etwas zu verändern? Irgendwann ersetzt die «Realpolitik» die Sehnsucht nach dem Kampf für das Gute, also die Einsicht, dass sich nichts ändern lässt, aus Gründen. Und Ideale sind auf so seltsame Art in Verruf geraten, dass man zwar noch einen verhauenen Smash von Roger Federer betrauern darf, aber nicht eine verlorene Zukunft. Wie können wir nur. Gut, dass uns das die Klimajugend heute wieder um die Ohren haut.

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