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Grosse Brüste zu kleinen Preisen

Marokko ist ein Discount-Paradies für Schönheitsoperationen – das hat in dem Land schon seit den frühen 1950er-Jahren Tradition. Viele Europäer lassen sich dort die Brüste vergrössern oder den Bauch straffen.

In Marokko boomt das Geschäft mit der Schönheit: Eine französische Patientin lässt sich in Rabat die Haut liften. (22. Juli 2011)
In Marokko boomt das Geschäft mit der Schönheit: Eine französische Patientin lässt sich in Rabat die Haut liften. (22. Juli 2011)
AFP

Marcela verbringt ihre Ferien dieses Jahr in Marokko – doch nicht etwa wegen der sonnigen Strände, der exotischen Küche oder des reichen Kulturerbes. Vielmehr ist die 31-jährige Spanierin vor allem deshalb in das nordafrikanische Land gereist, weil sie sich ihren Bauch straffen lassen will. Die niedrigen Preise und der gute Ruf der Schönheitschirurgen in Marokko haben die dreifache Mutter überzeugt.

Auch durch seine politisch stabile Lage entwickelt sich das Königreich auf der anderen Seite des Mittelmeeres zunehmend zur Destination für plastische Chirurgie. Zu erschwinglichen Preisen lassen Touristen aus Europa, Kanada, Afrika oder dem Nahen Osten hier Brüste vergrössern, Gesichter liften, krumme Nasen korrigieren, Bäuche straffen und Penisse verlängern.

Viel billiger als in Spanien

«Hier bekommen wir Hilfe bei der Kinderbetreuung, und die Operation ist viel billiger als in Spanien», sagt Marcela. Nur etwa 2500 Euro koste die Bauchstraffung hier, «drei Mal weniger als zuhause». Ausserdem sei die Klinik «eine der besten», betont sie.

Weil die Branche kaum reglementiert ist, hat Marcela die Einrichtung erst einmal besichtigt, bevor sie die Operation buchte. «Wir wollten erst sehen, ob uns die Klinik gefällt, ich wollte sie nicht nur auf einer Website sehen und mich auf etwas Unbekanntes einlassen», sagt sie. «Mit der Operation ist nicht zu spassen.» Doch die medizinischen Standards haben die OP-Touristin überzeugt. Der recht schwere Eingriff verlief offenbar ohne Probleme, denn vier Tage später ist Marcela wieder auf den Beinen und macht mit ihrer Familie einen Spaziergang am Strand.

80 plastische Chirurgen

Schönheitschirurgie hat in Marokko schon seit den frühen 1950er Jahren Tradition. «Als Geschlechtsumwandlungen in Europa verboten waren, wurden sie hier durchgeführt», sagt der Chirurg Salaheddine Slaoui, Experte für ästhetische und Wiederherstellungschirurgie. In den vergangenen Jahren boome das Geschäft mit der Schönheit wie auch im Nachbarland Tunesien, so Slaoui: «Die Nachfrage nach kosmetischer Chirurgie wächst im Moment in Marokko stetig.» Im vergangenen Jahrzehnt habe sich die Zahl der Eingriffe verdoppelt. «Etwa 1000 bis 1200 kosmetische Operationen werden insgesamt im Monat durchgeführt und zehn bis 15 Prozent der Patienten kommen aus dem Ausland.»

Rund 80 plastische Chirurgen arbeiten in Marokko, sowohl in privaten als auch in öffentlichen Kliniken, die meisten in der Hauptstadt Rabat und in Casablanca. Nach Angaben des Verbandes für plastische Chirurgie des Landes (SMCPRE) werden Brustvergrösserungen und Fettabsaugungen am häufigsten nachgefragt - von immer jüngeren Kunden. Drei Viertel aller Kunden seien Frauen.

Doch auch Männer begeben sich zunehmend unters Messer, für Haartransplantationen, Fettabsaugung und vor allem Penisvergrösserungen, die sogenannte Phalloplastie. «Die Patienten kommen zu Dutzenden jeden Monat für diese Operation», wird die Chirurgin Maria Reghaï aus Casablanca in der Zeitschrift TelQuel zitiert. «Und die Nachfrage steigt ständig. Verglichen mit dem vergangenen Jahr hat sich die Zahl der Konsultationen für Phalloplastie praktisch verfünffacht!»

AFP/bru

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