Oberste Deutschschweizer Nonne fordert Priesterinnen in der Kirche

Simone Buchs übt scharfe Kritik an der männlichen Hierarchie in der Kirche. Ausserdem sei es «höchste Zeit» für Priesterinnen.

Priesteramt bleibt den Frauen verwehrt: Benediktiner-Schwestern des Kloster Maria Rickenbach auf Niederrickenbach im Kanton Nidwalden. (Archiv)

Priesteramt bleibt den Frauen verwehrt: Benediktiner-Schwestern des Kloster Maria Rickenbach auf Niederrickenbach im Kanton Nidwalden. (Archiv)

(Bild: Keystone Urs Flueeler)

In einem Interview hat Simone Buchs, die oberste Deutschschweizer Nonne, die Öffnung des Priesteramts auch für Frauen gefordert. Es sei «höchste Zeit», dass in der katholischen Kirche auch Frauen als Priesterinnen tätig sein dürfen, sagte die 74-Jährige.

Die Präsidentin der Vereinigung der Ordensoberinnen der deutschsprachigen Schweiz und Liechtenstein kritisierte in einem Interview von «CH Media» vom Freitag die männliche Hierarchie in der Kirche scharf. «Es ist ein Skandal, dass viele Männer in der katholischen Kirche die Frauen lediglich als kaum vorhanden behandeln - ausser, sie dienen ihnen.»

Zwar sei es kirchenrechtlich legitimiert, dass das Priesteramt den Frauen verwehrt bleibe. Doch Gesetze liessen sich ändern. «Dazu ist es höchste Zeit», sagte die Priorin des Klosters Heiligkreuz in Cham ZG. Für die Gleichberechtigung brauche es einen Papst, der dieses Fenster endlich aufstosse. Aufgrund der Strukturen könne nur er das. Aber die Gegner seien mächtig. Der frühere Papst Franziskus hatte 2016 angekündigt, er wolle den Diakonat für Frauen prüfen lassen.

«Ich sehe einzig eine Möglichkeit, wenn ein Papst diese Entscheidung an die Ortskirchen delegiert. Dann könnten fortschrittlichere Diözesen Frauen zum Priesteramt zulassen», sagte Buchs. In der Schweiz herrsche diesbezüglich aber keine Einhelligkeit.

Debatte um Missbrauch «ungerecht»

Zum Missbrauch von Ordensfrauen durch Priester, der laut Papst Franziskus wohl bis heute anhält, sagte Buchs, sie habe noch nichts über derartige Fälle in der Deutschschweiz gehört. «Ich glaube nicht, dass es hier Vergewaltigungen von Ordensfrauen durch Priester gab. Das hätte man irgendwie erfahren.» Natürlich gebe es aber keine hundertprozentige Sicherheit.

Weiter verurteilte die Ordensoberin die sexuellen Missbräuche in der Kirche. «Die Missbräuche sind ein Skandal.» Sie stört sich laut eigenen Angaben zugleich aber an der «einseitigen Fokussierung» in der Öffentlichkeit. «Heutzutage denkt, wer Kirche sagt, nur noch an Missbrauch. Das bedauere ich ausserordentlich und empfinde es als ungerecht.»

sep/sda

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