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Öffentliche Alkoholexzesse: Ein Kampf gegen Windmühlen

Was tun gegen Jugend-Massengelage? Die Erfahrung in Spanien zeigt: Vater Staat kriegt das Phänomen nur schwer unter Kontrolle.

Zugedröhnte Horden am Zürichsee, Alkoholleichen auf dem Bundesplatz? Nach dem Spontan-Massensuff in Genf rätseln auch hiesige Stadtbehörden, wie man sich gegen öffentliche Freiluft-Gelage wappnen könnte. Noch lautet die Devise «abwarten» – viel tun lässt sich im Vorfeld nicht. Im Übrigen könnten sich die Schweizer an den Erfahrungen ihrer spanischen Amtskollegen orientieren: Immerhin haben die in den letzten Jahren schon alles durchgespielt, was gegen die Trinkmode auszuspielen wäre. Mit mässigem Erfolg.

Ein nationales Gesetz gibt es im Mutterland des öffentlichen Massensuffs zwar nicht, der erste (umstrittene) Versuch der Regierung Aznar, die Saufgelage einzudämmen, wurde 2002 stillschweigend beerdigt; derzeit stellt die Regierung Zapatero ein neues Massnahmenpaket zur Debatte. So hängt das Problem vorerst an den Regional- und Stadtregierungen, und die haben schon diverse Pakete ausprobiert - von light bis hart.

Säuferwiesen statt Hundewiesen

Variante eins, eingesetzt etwa in Madrid oder auf den kanarischen Inseln: Einschränkung des Alkoholverkaufs und Verbot des öffentlichen Konsums von Alkohol. Dies jedoch lässt sich nur begrenzt durchsetzen: Wer den Stoff will, beschafft ihn sich so oder so - und trinkt ihn notfalls aus Tarnflaschen. Polizeipräsenz an den Hot Spots schreckt wenig ab.

Variante zwei: Verbot und Auflösung ganzer Veranstaltungen; so geschehen in Barcelona oder auch der Universitätsstadt Salamanca. Das führte kurzfristig zu mittleren bis schweren Krawallen und mittelfristig offenbar dazu, dass die «botellón» genannten Massentrinkereien diskreter und in kleinerem Rahmen vor sich hin dümpeln.

Variante drei, seit einiger Zeit aktuell in Andalusien oder in der Provinz Extremadura: Der öffentliche Umtrunk wird zwar verboten, aber man toleriert die flaschenschwingenden Jugendlichen in bestimmten Gebieten; nämlich dort, wo sie keinen stören: zum Beispiel in Gewerbezonen, die nachts ohnehin leerstehen.

24'000 Euro für 3 Jahre Party

So entstanden in andalusischen Grosstädten wie Sevilla, Granada oder Cordoba so genannte «Botellódrome», eine Art Gelageparks (oder wie ein Blogger spöttelte: «sowas wie Hundewiesen, nur zum legalen Saufen»). Dies entschärfte immerhin das Kernproblem – die nüchterne Bevölkerung spürt weniger Lärm, weniger Abfallprobleme, weniger Belästigung.

Und darum geht es schliesslich. Eine Gewaltquelle waren die Massengelage in Spanien nämlich nie, eher eine allgemeine Belästigung – und diese galt es vor allem einzudämmen. Vor wenigen Wochen verknurrte ein Gericht die Stadt Sevilla dazu, eine älteren Frau mit 24'000 Euro zu entschädigen, weil sie drei Jahre lang jede Woche ein Massenbesäufnis vor ihrer Wohnung erleben musste, ohne dass die Behörden einschritten.

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