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Schon einen schwarzen Fussballtrainer gesehen?

Auf dem Spielfeld sind schwarze Fussballer nicht wegzudenken. Warum aber gibt es so wenige Coaches? Neue Zahlen schrecken die Briten auf, die USA haben einen Lösungsansatz.

Er hat es als einer von ganz wenigen geschafft: Chris Hughton coachte mehrere Premier-League-Clubs. (März 2014)
Er hat es als einer von ganz wenigen geschafft: Chris Hughton coachte mehrere Premier-League-Clubs. (März 2014)
Reuters

Chris Hughton ist definitiv die Ausnahme. Der Sohn eines Ghanaers und einer Irin trainierte bereits mehrere Premier-League-Teams, Tottenham Hotspur, Newcastle, Birmingham und Norwich. Er ist einer von ganz wenigen BME-Managern im britischen Profifussball. BME, das steht für «black and ethnic minority».

Wie wenig, das ist nun in Zahlen bekannt: Von 552 Toppositionen im Coaching bei 92 Proficlubs im britischen Fussball sind gerade mal 19 von Schwarzen oder anderen ethnischen Minderheiten besetzt. Das entspricht einer Quote von 3,4 Prozent. Bei den Spielern auf dem Feld beträgt dieser Wert 25 Prozent.

«Ich will nicht bevorteilt werden»

Bemüht um die genauen Zahlen zu diesem Phänomen war der Sports People’s Think Tank (SPTT), der von ehemaligen Spielern der Premier League gegründet worden war, darunter der frühere Blackburn-Stürmer Jason Roberts. Der Bericht löste eine Debatte aus.

TV-Debatte über die tiefe BME-Quote im Fussballmanagement: Protagonisten von «Football Beyond Borders» im Gespräch.

Michael Johnson weiss aus eigener Erfahrung, wovon die Rede ist. Der frühere Birmingham-Verteidiger hat alle Trainerdiplome gemacht und findet trotzdem keinen Job. Gerade mal drei Einladungen für ein Vorstellungsgespräch hat er innert dreier Jahre erhalten. Resultiert ist draus nichts. «Ich will nicht bevorteilt werden», sagte er zur BBC. «Alles, was ich will, ist wenigstens diese Möglichkeit vorzusprechen, ganz wie irgendein anderer Kandidat mit einer anderen Geschichte.»

Die Rooney-Regel

Genau hier setzt die sogenannte Rooney-Regel – benannt nach Dan Rooney, dem früheren Besitzer der Pittsburgh Steelers – in der American Football League an. Demnach muss immer, wenn ein Coach- oder Manager-Posten bei einem AFL-Team neu zu besetzen ist, auch ein BME-Kandidat ins Auswahlverfahren aufgenommen werden. Die Regel wurde 2002 eingeführt, nachdem Diskriminierungsvorwürfe laut wurden.

Im Übrigen steht Grossbritannien mit dieser tiefen BME-Quote im Fussballmanagement nicht alleine da. Im März 2013 berichtete die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» über die Karriere von Babacar N’Diaye, dem Co-Trainer bei Preussen Münster in der dritthöchsten deutschen Liga.

«In krassem Gegensatz zur Bedeutung dunkelhäutiger Spieler»

Die FAZ schrieb damals: «Viele solche Chancen gibt es nicht für schwarze Spieler. Das weiss N’Diaye. Die mangelnde Berücksichtigung oder auch Förderung farbiger Trainerkandidaten steht in krassem Gegensatz zur immensen Bedeutung dunkelhäutiger Spieler aus Afrika oder Südamerika für den heutigen Clubfussball. Auf dem Platz sind sie ein wichtiger Erfolgsfaktor – nicht aber als Strategen am Spielfeldrand.»

Babacar N’Diaye coacht in Deutschland: Bericht in der FAZ vom März 2013.
Babacar N’Diaye coacht in Deutschland: Bericht in der FAZ vom März 2013.

Zurück nach Grossbritannien: Inzwischen ist das Thema in der Politik angelangt. Besorgniserregend», findet die von SPTT erhobenen Zahlen die britische Sportministerin Helen Grant. Es werde besondere Anstrengungen brauchen, um hier grundlegende Veränderungen herbeizuführen, fügte sie an.

Rooney «British style»

Besprochen wurden die Zahlen Mitte November auch mit Parlamentariern. Am Treffen wurden Vorschläge zur Verbesserung der Situation gemacht. Dazu gehörte auch eine adaptierte Version der Rooney-Regel aus der AFL. Der britische Fussballverband FA, dem Untätigkeit vorgeworfen wird, will sich nun für Veränderungen einsetzen.

Ironie dieser Geschichte: Chris Hughton wurde im April bei Norwich entlassen. Immerhin ist er nun als General Manager bei Wigan im Gespräch.

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