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Soll uns die SRG zum Sport animieren?

«SRF bewegt» bewegt nicht nur die Körper, sondern auch die Gemüter.

Edgar Schuler

Sportförderung ist real existierender Service public.

Ja

Man kann sich natürlich gründlich aufregen über «SRF bewegt». Man kann sich ärgern über die Dampfplauderi Nik Hartmann und Sandro Brotz, die uns aus dem Sofa in die sportliche Betätigung scheuchen wollen. Und man kann verzweifeln an der gebührenfinanzierten Smartphone-App, die als eidgenössischer Big Brother jede unserer Bewegungen nach Leutschenbach meldet. Man kann aber auch abschalten. Und die Beine hochlagern.

Was dann allerdings gar nicht geht: der SRG das Recht absprechen, die Schweiz mit Gebührengeldern zu mehr gesunder Bewegung zu animieren. Die Anstalt hat nicht nur das Recht, es ist ihre Pflicht. Es gibt wenig andere Radio- und Fernsehangebote, die sich so klar dem real existierenden Service public zuordnen lassen wie dieses Gesundheitsanimations-Programm.

Die bundesrätliche Konzession hält fest: «Die SRG trägt bei zur Bildung des Publikums.» Und: «Die SRG erbringt ihre Leistungen insbesondere durch einen hohen Anteil an vielfältigen und innovativen Eigenproduktionen.»

«SRF bewegt» erfüllt beide Vorgaben idealtypisch. Es ist das mit Abstand populärste Programm der Gesundheitsförderung, seit Olympiasieger Jakob «Jack» Günthart Anfang der 70er-Jahre via Radio und Mattscheibe der Nation vorturnte. «Fit mit Jack» war legendär. Niemandem kam es in den Sinn, daran herumzumäkeln.

Die Legende Jack Günthart war lange vor Jane Fonda und Markus Ryffel ein Pionier des Breitensports. Er würde heute vielleicht auf seinen ikonischen Nabholz-Trainer verzichten, aber sicher nicht auf die neuen Möglichkeiten, die die Kombination von Radio, TV und Internet bietet.

Wer damit ein Problem hat, soll sich nicht ärgern. Sondern soll jetzt, nach der Abstimmung, an der Neudefinition des Service public mitarbeiten.

Alexander Kühn

Die Kulinarik ist mindestens so förderungswürdig.

Nein

Reicht es nicht, dass mir die Galionsfiguren des Schweizer Radios und Fernsehens schon frühmorgens ins Gesicht brüllen möchten, wie gut gelaunt sie gerade sind? Reicht es nicht, dass dieser Gute-Laune-Sirup an fast jedem SRF-Sendegefäss klebt? Offensichtlich nicht! Nun sagt mir die öffentlich-rechtliche Grinse- und Sendeanstalt auch noch, dass ich mich gefälligst zu bewegen habe. Ich soll also auch in Froschleggins über sommerliche Wiesen hüpfen. Weil es gesund sei und gemeinsam viel mehr Spass mache.

Wenn es darum geht, dem Land Gemeinschaftsgefühl durch gemeinsame Bewegung zu vermitteln, wollen Radio und Fernsehen natürlich nicht hintenanstehen. In anderen Gebieten, die genauso grossen Einfluss auf die Volksgesundheit haben wie die Hüpferei und Joggerei, halten sie sich dagegen vornehm zurück.

Warum nicht einmal ein paar Franken für die Förderung der Esskultur lockermachen? Wer kann heute noch richtig kochen? Wer rüstet seinen Salat noch selber und kauft ihn nicht in der trostlosen Plastiktüte? Und: Kennen Sie ein Land, in dem es innovative Gastronomen schwerer haben als in der reichen Schweiz?

In Dänemark wird vorbildliche Gastronomie längst staatlich unterstützt, bei uns aber wird die Kulinarik im Gegensatz zum Sport nicht als förderungswürdiges Kulturgut betrachtet. Auch im Fernsehen kommt sie zu kurz. Dabei gibt es durchaus einen Zusammenhang zwischen dem, was joggenden oder nicht joggenden Bürgern zu einem annehmbaren Preis zum Essen zur Verfügung steht, und ihrer Gesundheit. Oder essen Sie Fast Food, wenn es nebenan fantasievolles, gesundes Street-Food gibt? Eben, das wäre dann so, als würden sie freiwillig in Froschleggins mit Sven Epiney joggen gehen.

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