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Traumberuf Quotenmacher

Die Wettquoten für die Prüfungen am Mercedes-CSI Zürich werden vom Basler Björn Imark erstellt. Sein Berater ist der ehemalige Equipenchef Rolf Grass.

Spontan wetten: Dem Publikum stehen am Mercedes-CSI Zürich acht Schalter von Sporttip zur Verfügung.
Spontan wetten: Dem Publikum stehen am Mercedes-CSI Zürich acht Schalter von Sporttip zur Verfügung.
CSI

Die Interkantonale Landeslotterie Swisslos konnte nach dem ersten Einsatz ihres Produkts Sporttip am Mercedes-CSI Zürich vor einem Jahr eine erfreuliche Bilanz ziehen: An den sieben Wettschaltern im Hallenstadion wurden über drei Tage rund 8000 Wetten abgeschlossen. Der erzielte Umsatz von etwa 100 000 Franken war mit Abstand der höchste an einer der über 20 Schweizer Sportveranstaltungen, bei denen Swisslos mit ihrer Sportwette vertreten ist. Während das Wetten an Pferderennen rund um den Erdball seit Jahrhunderten zur Tradition gehört, gibt es weltweit nur sehr wenige Springturniere, an denen auf Pferd und Reiter gewettet werden kann.

Die Quoten sind bekannt

Im Gegensatz zu den Pferderennbahnen, wo die Gewinnquoten am «Totalisator» aufgrund der Höhe des Umsatzes laufend angepasst werden und erst beim Startzeichen definitiv fest stehen, sind die Quoten der Teilnehmer am Mercedes-CSI Zürich fix und werden zum Teil bereits Tage vor der Veranstaltung veröffentlicht. Die Kunden von Sporttip können sich somit in Ruhe im Voraus orientieren und müssen ihre Wetten nicht erst kurz vor Beginn der Prüfung tätigen. Zudem wissen sie bereits beim Abschluss, wie hoch ein allfälliger Gewinn ausfallen würde.

Berechnet werden die Quoten bei Swisslos in Basel. Dort arbeiten sieben sogenannte Sportwetten-Experten im Schichtbetrieb. Von 7 bis 16 Uhr und von 11 bis 20 Uhr sitzen die Spezialisten vor ihren Bildschirmen. Sie studieren und analysieren Statistiken, lesen Zeitungen, informieren sich bei anderen europäischen Lottogesellschaften und legen die Quoten für die einzelnen Spiele, Rennen oder Prüfungen fest, die Woche für Woche von Sporttip angeboten werden. Zu 90 Prozent sind dies Fussballoder Eishockeyspiele aus den grössten Ligen Europas. Gewettet werden kann aber auch auf die Formel 1, Tennis oder auf Wettkämpfe von SwissTopSport, der Vereinigung der wichtigsten, regelmässig in der Schweiz stattfindenden Sport-Events. Beispiele sind das Leichtathletikmeeting «Weltklasse Zürich», der Engadin Skimarathon oder eben auch der Mercedes-CSI Zürich, das bedeutendste Hallenturnier im internationalen Pferdesport. Auch das Eidgenössische Schwingund Älplerfest in Frauenfeld war im vergangenen Sommer im Wettangebot.

Eine Vorliebe für Zahlen und Statistiken müsse man für seinen ungewöhnlichen Beruf eines Quotenmachers natürlich schon haben, sagt Björn Imark, und selbstverständlich müsse man sich für den Sport begeistern und viel darüber wissen. Diese Voraussetzungen erfüllt der 35-jährige Basler perfekt. Er arbeitete früher als Sozialversicherungsrevisor, ist leidenschaftlicher Badmintonspieler, als Fussballer in einer Basler Alternativliga aktiv und interessiert sich ohnehin für alles rund um den Sport. Mit seinem Job hat er bei der Einführung von Sporttip vor mehr als sieben Jahren seinen Traumberuf gefunden.

24 Stunden Überwachung am internationalen Wettmarkt

Zu den Aufgaben von Björn Imark und dessen Kollegen zählt auch die Überwachung des Wettmarktes. Unterstützt werden sie durch ein Frühwarnsystem, an das über 300 Buchmacher und mehr als 25 staatliche Lotteriegesellschaften in rund 50 Ländern angeschlossen sind. Mehrere Hundert Mitarbeiter überwachen während 24 Stunden an sieben Tagen den internationalen Wettmarkt auf Auffälligkeiten. Werden zum Beispiel extrem hohe Einsätze auf ein Fussballspiel getätigt, sendet das System automatisch ein Warnsignal, worauf die angeschlossenen Kunden die Annahme der Wette verweigern können. Gleichzeitig werden internationale Organisationen wie die Fussballverbände Fifa oder Uefa über die Unregelmässigkeit orientiert.

Ein möglichst grosses Sportwissen ist Voraussetzung für diesen Beruf. Doch nicht alle Mitarbeiter können über alle Sportarten und Ligen Bescheid wissen, weshalb einige von ihnen Spezialgebiete betreuen. Björn Imark etwa hat schwedische Wurzeln, spricht Schwedisch und interessiert sich unter anderem für die schwedische Eishockeyliga Elitserien. Seit 2010 ist er zudem zuständig für die Berechnung der Quoten der Teilnehmer am Mercedes-CSI Zürich.

Wertvolle Unterstützung erhält er von Rolf Grass. Der Unternehmer aus der Ostschweiz war bis zum Herbst während mehr als sieben Jahren Equipenchef der Schweizer Springreiter, feierte mit ihnen zahlreiche Erfolge in vielen Ländern und kennt sich in der Pferdesportszene entsprechend gut aus. Grundlage für die Festlegung der Quoten sind hier unter anderem die Klassierung des Reiters in der Weltrangliste, das Pferd, das er reitet, die Form des Paares und vor allem auch die Einschätzung des Experten Grass, dem Björn Imark ein sicheres Gespür attestiert. Jedenfalls fiel die Bilanz nach der ersten Zusammenarbeit zu seiner grossen Zufriedenheit aus.

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