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Truman-Syndrom: Menschen im falschen Film

In den USA sorgt eine neue Form von psychischer Störung für Schlagzeilen: Das Truman-Syndrom. Hollywood ist an der Krankheit nicht ganz unschuldig.

Film wird Realität: «Die Truman Show».
Film wird Realität: «Die Truman Show».

Die neue Form von psychischer Störung ist nach dem Film «Die Truman Show» mit Jim Carrey benannt. Die Betroffenen hegen die Wahnvorstellung, ihr Leben sei ein Teil einer Realityshow. Wissenschaftler sehen das Syndrom als Hinweis darauf, welchen Einfluss die Populärkultur auf den Geisteszustand haben kann und vermuten, dass die Berieselung mit Realityshows im Fernsehen die Betroffenen in ihren Wahnvorstellungen noch bestärkt.

Während manche Patienten unter der eingebildeten Verletzung ihrer Privatsphäre leiden, geniessen andere offensichtlich ihren eingebildeten Prominentenstatus. Das Truman-Syndrom wurde im Jahr 2006 zum ersten Mal an einer Person diagnostiziert und von Dr. Joel Gold an einer Psychiater-Konferenz vorgestellt. Dieses Jahr wurden bereits 50 weitere Fälle bekannt.

Wie einst in der «Matrix»

«Die Truman Show» ist eine Satire auf die von Medien geprägte Welt, die zeigen will, welchen zerstörerischen Einfluss die Medien auf einen Einzelnen haben können. Die zentrale Figur des Films ist der Versicherungsvertreter Truman Burbank, der – ohne davon zu wissen – der Hauptdarsteller einer Fernsehserie ist, die das Leben eines Menschen von Geburt an live im Fernsehen präsentiert.

Im Film sowie bei den Patienten des Truman-Syndroms erweist sich die scheinbare Wirklichkeit als eine von höheren Mächten erzeugte Täuschung. Eine Prämisse, derer sich freilich auch die «Matrix»-Trilogie bedient, wo das aktuelle Misstrauen gegenüber der sichtbaren Welt und insbesondere den neuen Computertechniken artikuliert wird.

Einer, der das Truman-Syndrom schon vor 30 Jahren auf die Leinwand brachte, ist John Carpenter. In seiner Science-Fiction-Parodie «Dark Star» droht auf einem Raumschiff eine intelligente Bombe in die Luft zu gehen. Der Captain versucht, die Bombe auf philosophischem Wege zu überreden, nicht zu explodieren. Es gelingt ihm, die Bombe von Descartes’ methodischem Zweifel «Ich denke, also bin ich» und folglich von der Tatsache, dass sie nie sicher sein könne, ob sie sich Welt und Umwelt nicht nur einbilde zu überzeugen. Allerdings kommt die Bombe, durch den philosophischen Exkurs angeleitet, nach einer Bedenkzeit zum Schluss, dass sie wohl – gleich dem jüdisch-christlichen Schöpfergott – allein im Universum sei. Sie zitiert die biblische Genesis und explodiert mit den Worten «Es werde Licht!».

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