Vertrauen bis zum Bankrott

Der Instagram-Star Loredana und ihr Bruder ergaunerten 900'000 Franken von gutgläubigen Eheleuten. Zu gutgläubigen.

Instagram-Star Loredana Zefi wurde festgenommen. Die Staatsanwaltschaft Luzern hat eine Untersuchung wegen Verdachts auf Betrug eingeleitet. Video: Loredana via Youtube
Michèle Binswanger@mbinswanger

Es gibt kaum eine perfidere Form des Betrugs als die Hochstapelei. Hochstapler sind psychologisch raffiniert, belügen ihre Opfer systematisch, missbrauchen ihr Vertrauen, isolieren sie – und nehmen sie aus wie Weihnachtsgänse. Oft bleiben die Opfer traumatisiert und mittellos zurück und können sich kaum juristisch wehren. Schliesslich haben sie ihr Geld freiwillig rausgerückt.

So war es auch im Fall der Influencerin und Rapperin Loredana Zefi, die am Dienstag in Luzern festgenommen wurde. Zusammen mit ihrem älteren Bruder Berat soll sie einem Walliser Ehepaar rund 900'000 Franken abgeknöpft haben. Die Masche des Geschwisterpaars war mies, aber nicht besonders raffiniert und das Verhalten der Eheleute sträflich naiv.

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Laut «20 Minuten» lernte das Opfer, eine Walliser Kellnerin, im Internet einen attraktiven Mann kennen. Er nannte sich Antonio Cas, ist aber in Wirklichkeit Loredanas Bruder. Er sei ein toller Gesprächspartner gewesen, erzählte das Opfer, die beiden trafen sich auch persönlich. Der Mann habe vertrauenswürdig und zuvorkommend gewirkt, erzählte die Kellnerin.

87'000 Franken in einem Couvert

Als er ihr eröffnete, seine Mutter brauche eine neue Niere, habe aber kein Geld, half sie ihm und übergab der Internet-Bekanntschaft 87'000 Franken in einem Couvert, in bar. Bald entdeckte der Ehemann der Kellnerin, dass Geld fehlte, aber er liess sich offensichtlich auch vom Betrüger täuschen.

Einmal verlangte Berat Geld, um seine Schulden per Glücksspiel zurückzahlen zu können, dann tauchte eine Frau auf, die sich als Anwältin Anna Landmann ausgab und bei der Geldrückbeschaffung helfen wollte – es war Rapperin Loredana. Auch sie verlangte immer wieder Geld – und das Walliser Paar zahlte. Ein ums andere Mal überreichte es Zehntausende von Franken in Couverts, in der Hoffnung, das ganze Geld zurückzubekommen.

Wer gibt, wenn das Geld nicht zurückkommt, immer mehr?

Im Rückblick stellt sich die Frage, ob das Walliser Paar nicht etwas gar leichtsinnig gehandelt hat. Wer übergibt wildfremden Menschen Zehntausende von Franken – für angebliche Operationen von Verwandten? Und wer gibt, wenn das Geld nicht zurückkommt, immer mehr Geld, in der Hoffnung, den ursprünglichen Betrag doch noch zurückzubekommen?

Natürlich ist es einfach, über andere zu urteilen, ohne sich je in einer ähnlichen Situation befunden zu haben. Aber leider gilt auch hier: Vertrauen ist gut und menschlich. Aber zu viel davon führt zum Bankrott.

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