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Wieso der Weltfrauentag wichtig ist

Jedes Jahr das Gleiche, bringt nichts, immer Wehklagen. Sogar Frauen nerven sich über den 8. März. Hier ein Plädoyer dafür.

Demonstrationsteilnehmerinnen am Weltfrauentag in Lausanne, 2019.
Demonstrationsteilnehmerinnen am Weltfrauentag in Lausanne, 2019.
Keystone/ Jean-Christophe Bott

Heute ist Weltfrauentag. Manche werden diesen Artikel nicht mal anklicken, weil sie finden, dass es jetzt aber genug sei mit diesem Frauenzeugs. Jedes Jahr das Gleiche. Frauen gehen auf die Strasse – obwohl das dieses Jahr wegen des Coronavirus offiziell ausfällt–, Frauen kriegen Blumen. Dabei ist dieser Tag so viel mehr.

Der 8. März ist ein Tag, um uns daran zu erinnern, dass die Anliegen von uns Frauen das ganze Jahr über aktuell sind und der überproportionale Einsatz, den viele Frauen für die Gesellschaft leisten, jeden Tag stattfindet. Ja, das muss man hervorheben, und nein, das ist keine Extrawurst.

Der Tag entstand, weil Frauen nicht gleich viel bekamen wie Männer. Wahlrecht, Löhne, andere grundlegende Dinge, die mit Menschenrechten zu tun haben. Es gäbe den Tag nicht, wenn Frauen schon immer gleich behandelt worden wären. All jene, die sich über diesen Tag aufregen, sollten das wissen. Und sie sollten wissen, dass Frauen bis heute, auch in der Schweiz, legitimerweise auf die Strasse gehen, weil sie noch immer nicht gleich behandelt werden.

Zielscheibe des Ärgers und des Unverständnisses über den «Extratag» für die Frau sollten also nicht die Frauen sein, die den Tag hochhalten, sondern jene, die ihnen eine Gleichbehandlung verwehren. Ziel des Ärgers können des Weiteren die träge Politik, all die Strukturen und gesellschaftliche Normen sein, die noch immer nicht fortgeschritten genug sind, um Forderungen nach Lohngleichheit oder vernünftiger Kinderbetreuung obsolet werden zu lassen.

Energie für den Rest des Jahres

Der Tag dient auch dazu, sich zu motivieren, den Rest des Jahres für sich als Frau einzustehen. Diese Jahr werden wir zwar nicht mit Gleichgesinnten auf die Strasse dürfen, doch auch ohne Demo spürt man rund um diesen Tag, unter anderem durch die Medienberichterstattung: Du bist nicht allein. Denn dieses Gefühl überkommt einen im Alltag des Öfteren einmal.

Soll man als Frau etwas sagen, wenn jemand einen sexistischen Witz reisst, der eigentlich unter der Gürtellinie ist, aber trotzdem Gelächter auslöst? Soll man was sagen, wenn man einfachere Aufgaben zugeteilt bekommt als der Kollege? Soll man was sagen, wenn man in einer Sitzung wieder nicht gehört wird, weil alle anderen – Männer – einfach lauter waren?

Soll man sich beschweren, wenn im Unternehmen fortlaufend Stellen überwiegend von Männern statt von Frauen besetzt werden, obwohl es qualifizierte Kandidatinnen gegeben hätte? Ja, soll man. Und genau dafür gibt einem der Internationale Frauentag Energie.

Der Tag sollte übrigens auch Männern die Energie geben, gegen Ungleichheit vorzugehen. Frauenanliegen betreffen nie nur Frauen. Sie betreffen uns als Gesellschaft, wie wir miteinander umgehen, was wir gemeinsam erreichen können.

Und wenn wir dann mal #MeToo in den Griff gekriegt haben, mehr Teilzeitstellen für Mütter und Väter, gleiche Löhne, einen ausgewogenen Frauenanteil in der Politik, mehr Chefinnenanteil in der Berufswelt ganz allgemein erreicht haben, wenn wir absurdes Gendermarketing, sexistische Werbung und Tabus über den weiblichen Körper überwunden haben, wenn wir aufhören, selbstbewusst auftretende Frauen als hysterisch, zu fordernd, bedrohlich oder eingebildet abzustempeln, wenn Männer aufhören, Frauen sexuell zu belästigen oder zu vergewaltigen und sie danach noch dafür verantwortlich zu machen, wenn Männer aufhören, Frauen im Zuge häuslicher Gewalt umzubringen – dann können wir meinetwegen das Demonstrieren bleiben lassen und nur noch feiern.

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