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Mehr als Baden und Golfen

Der tunesische Machthaber Ben Ali wollte einst nicht, dass Touristen durchs Land reisen. Doch das war vor der Revolution. Jetzt ist Ruhe eingekehrt, und für die Reiseveranstalter bietet die günstige Destination weit mehr als All-inclusive-Hotels.

Nach der Revolution halbierten sich die Preise: Ein Urlauber sitzt in einem Liegestuhl am Strand in Tunesien. (Archivbild)
Nach der Revolution halbierten sich die Preise: Ein Urlauber sitzt in einem Liegestuhl am Strand in Tunesien. (Archivbild)
Keystone

Die Nachfrage nach Tunesien-Reisen nahm laut den Schweizer Reiseveranstaltern dieses Jahr wieder zu. Bei Kuoni verzeichnete Tunesien einen Zuwachs von 20 Prozent. Die Destination sei jedoch noch weit vom Niveau von vor der Revolution entfernt, sagt Kuoni-Kommunikationschef Peter Brun. Das sei unter anderem auf den deutlichen Rückgang der Flugkapazitäten aus der Schweiz zurückzuführen, sodass weniger Angebote im Markt waren. Mehrere Veranstalter halten auch einige Reisewarnungen des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) für übertrieben.

Nach Meinung von Xenotours drückte zudem die Kampagne in der Schweiz gegen tunesische Asylsuchende auf das Geschäft. In diesem Jahr konnte Xenotours 55 Prozent mehr Kunden verzeichnen als 2011. Bei ITS Coop Travel stieg die Zahl der Kunden 2012 um 140 Prozent auf 5000. Im Jahr 2010 waren es noch 8500 Kunden. Insgesamt machten dieses Jahr bis im Oktober 56'000 Schweizer in Tunesien Ferien.

Halbierte Preise

Ein Grund für die Rückkehr der Schweizer Kunden ist für die Veranstalter auch die Tatsache, dass sich Tunesien näher bei der Schweiz befindet als die Kanaren oder Ägypten und günstige Badeferien ermögliche. Nach der Revolution hätten sich die Preise bis zu 50 Prozent reduziert.

Das Preisniveau sei immer noch sehr günstig, daher hätten sich Badeferien nach der Revolution sehr gut verkauft, und diese Gäste seien als erste wieder ins Land zurückgekehrt, sagt Brun. Golf- und Wellnessferien seien dagegen zurückhaltender gebucht worden.

Nachfrage von Stabilität abhängig

Die weitere Entwicklung des Tourismus in Tunesien hängt laut Brun von der politischen Stabilität ab. Obwohl an den Feriendestinationen, vor allem Djerba, nie Demonstrationen oder Unruhen stattfanden, würden Schlagzeilen über Ausschreitungen, selbst lokal begrenzte, zu einer Verunsicherung der Konsumenten führen.

Die Tatsache, dass Skywork Airlines im Sommerhalbjahr 2013 erstmals wöchentliche Flüge von Bern nach Djerba und nach Tunis anbietet, ist für den Direktor des tunesischen Verkehrsbüros in Zürich, Anis Rezgui, ein Anzeichen für eine vielversprechende Saison.

Von Familien geschätzt

Tunesien ist für die Schweizer Reiseveranstalter von April bis Oktober vor allem eine Badedestination. Einige bieten auch Rundreisen an und im Winter vor allem Golf und Wellness. Karl Hochstetter, Geschäftsführer des auf Tunesien spezialisierten Veranstalters Xenotours, ist jedoch der Meinung, dass Tunesien sehr viel mehr bietet als Badeferien. Der 2011 durch den Volksaufstand verjagte langjährige Machthaber Zine al-Abidine Ben Ali habe jedoch kein Interesse daran gehabt, dass Touristen im Land herumreisten. Tunesien verfügte als eines der ersten Länder über All-inclusive- Angebote, damit die Touristen möglichst in den Hotelanlagen blieben.

ITS Coop Travel bietet in allen Destinationen ausschliesslich Badeferien an, in Tunesien von April bis Oktober. All-inclusive-Ferien würden vor allem von Familien geschätzt, da die Kosten klar budgetierbar seien, sagt Geschäftsführer Andi Restle. Auch Hotelplan Suisse und Kuoni haben vor allem pauschale Badeferien für die ganze Familie im Angebot.

Golf und Thalasso

Kuoni, Hotelplan Suisse, Xenotours und Air Marin in Genf bieten das ganze Jahr Reisen nach Tunesien an. Im Winter sei das Land eine beliebte Wellness und Golf-Destination. In der Romandie bietet neben Air Marin auch Hotelplan Suisse mit der Reisemarke «Tourisme Pour Tous» Ferien mit Thalasso-Therapie an, die vor allem bei Westschweizern beliebt ist. Tunesien hat nach Frankreich das zweitgrösste Thalasso-Angebot. Bei der Hotelplan-Reisemarke Travelhouse/Sierramar, Spezialist für Individualferien, stehen auch Rundreisen und Ausflüge auf dem Programm, ebenso bei Xenotours und Air Marin. Xenotours etwa bietet auch Kamel-Trekkings in der Wüste an sowie Reit- und Malferien.

SDA/rbi

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