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Schlaf, Chindli, schlaf!

Viele Kinder können oder wollen nicht einschlafen. Das schlägt auch den Eltern auf die Nachtruhe. Beim Einschlafen helfen können praktische Tipps für die Kleinen, wie sie etwa auf dem neu lancierten Hörspiel des Kinderchorprojekts Schwiizergoofe zu hören sind.

Dass ein Kind zum Beispiel nachts aufwacht, ist normal, problematisch wird es, wenn es nie gelernt hat, wieder selber einzuschlafen.
Dass ein Kind zum Beispiel nachts aufwacht, ist normal, problematisch wird es, wenn es nie gelernt hat, wieder selber einzuschlafen.
Fotolia

Happy kann nicht einschlafen. Er hat grosse Pläne für den nächsten Tag und kann es kaum erwarten. Melody wiederum findet Schlafen wunderbar, weil in ihren Träumen alles möglich ist, während Tiki Angst im Dunkeln hat und Nino sich nach den Eltern sehnt.

Happy, Melody, Tiki und Nino heissen die vier fiktiven Schwiizergoofe, die im neuen Hörspiel «Abentüür Iischlafe» bei einer Matratzenparty nicht zur Ruhe kommen. Dank praktischen Einschlaftipps klappt es dann doch noch.

Schlaf zu finden, ist in unserer Gesellschaft bereits von klein auf ein Thema, weiss Jens Acker, Chefarzt der KSM Klinik für Schlafmedizin, Bad Zurzach. Er hat zusammen mit seinem Team die Einschlaftipps für das CD-Booklet beigesteuert. Jährlich kommen 5000 bis 6000 Personen mit Schlafstörungen zur Beratung in die Klinik, darunter auch Eltern mit Kindern.

«Wir sehen, dass das Thema unterschätzt wird. Zu uns kommen hauptsächlich Kinder und Jugendliche im Schulalter, ihre Schlafprobleme zeigen sich oft durch eine verschlechterte Leistungsfähigkeit in der Schule», so Acker.

Selber einschlafen lassen

Mütter und Väter von Vorschulkindern mit Schlafproblemen berät Christian Wüthrich, Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychosomatik des Inselspitals: «Es ist ein grosses Thema, weil viele Kinder nicht so schlafen, wie es sich die Eltern vorstellen.»

Viele Eltern würden klagen, dass ihr Kind Schwierigkeiten habe einzuschlafen oder es nicht durchschlafe. «Dass ein Kind nachts aufwacht, ist aber normal», weiss Wüthrich. Probleme ergeben sich erst, wenn das Kind nicht gelernt hat, selber einzuschlafen. Wird ein Kind jeden Abend herumgetragen, bis es einschläft, verbindet es Einschlafen damit.

«Zu uns kommen hauptsächlich Kinder und Jugendliche im Schulalter, ihre Schlafprobleme zeigen sich oft durch eine verschlechterte Leistungsfähigkeit in der Schule.»

Jens Acker

Wenn es dann nachts erwacht, kann es ohne die Hilfe der Eltern nicht mehr einschlafen und ruft nach ihnen. Als Resultat davon stossen Mama und Papa vor lauter Schlafmangel an ihre eigenen Grenzen.

«Oft warten Eltern viel zu lange, bis sie sich professionelle Hilfe holen, dabei ist das Problem meist einfach behandelbar», erklärt Kinderpsychiater Wüthrich. In der Beratung weist er auch immer wieder darauf hin, dass der Schlafbedarf in jedem Alter von Kind zu Kind sehr unterschiedlich ist. Darum gibt es auch keine Regel, wie viel Schlaf ein Kind in einem bestimmten Alter benötigt.

Ein Kind kann nur so viel schlafen, wie es seinem Schlafbedarf entspricht. Christian Wüthrich: «Wer glaubt, das Kind schlafe nach einem ausgedehnten Mittagsschlaf nochmals viele Stunden in der Nacht, irrt sich. Das Kontingent des benötigtem Schlafs bleibt für das einzelne Kind gleich. Schläft es am Tag lange, braucht es in der Nacht weniger Schlaf.»

«Wer glaubt, das Kind schlafe nach einem ausgedehnten Mittagsschlaf nochmals viele Stunden in der Nacht, irrt sich.»

Christian Wüthrich

Beim Hörspiel «Abentüür Iischlafe» erzählt jeweils eines der vier Kinder von seinen Einschlafproblemen. Der Zuhörer erfährt, wie sie gelöst werden können. Dazwischen gibt es immer ruhiger werdende Lieder. Das Tempo der Stücke wurde dem kindlichen Herzschlag in den einzelnen Einschlafphasen angepasst, heisst es von den Machern der CD.

Ebenso nimmt die Intensität der Erzählstimmen, des Gesangs und der Instrumente über die Dauer des Hörspiels ab. «Die Idee hatten wir während des Schreibens des Drehbuchs und der Songs. Wir wollten die Kinder in ihrem Einschlafprozess optimal begleiten und dass sich die CD dem anpasst», erklärt CD-Produzent Georg Schlunegger.

Frühzeitig herunterfahren

Die Vorbereitung auf die Schlafenszeit ist wie bei den vier Schwiizergoofe sehr wichtig. Schlafmediziner Acker rät von elektronischen Medien ab, «Kinder sollten direkt vor dem Einschlafen nicht fernsehen, das Tablet benutzen oder auf dem Handy aktiv sein, es gilt zur Ruhe zu kommen».

Häufig passiert aber das Gegenteil. Grund kann der Familienrhythmus sein. Heutzutage sind oft beide Elternteile berufstätig, und am Abend möchten sie dem Nachwuchs noch ein Programm bieten, weiss Kinderpsychiater Wüthrich: «Sie haben oft ein schlechtes Gewissen und wollen nachholen, was sie meinen, tagsüber verpasst zu haben.»

Er rate deshalb, vor dem Zubettgehen frühzeitig die Aktivitäten herunterzufahren. Die Qualität des Zusammenseins muss darunter nicht leiden; ruhige Musik hören oder eine schöne Geschichte lesen kann für Gross und Klein zur Einschlafhilfe ­werden.

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