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Was ist dran an der Hagebutte?

«Ein Männlein steht im Walde ganz still und stumm, es hat von lauter Purpur ein Mäntlein um. Sagt, wer mag das Männlein sein» Nein, mit diesen Zeilen besang der deutsche Dichter Hoffmann von Fallersleben keinen Fliegenpilz.

Er beschrieb auf poetische Weise die Hagebutte: deren Hülle nur eine hübsche Scheinfrucht ist. Die eigentlichen Früchte dagegen sind von feinsten Härchen umgebene Kernlein.

Positive Studienergebnisse

Spielte die Hagebutte früher eine ziemlich grosse Rolle in der Volksmedizin hier zu Lande, verbrachte sie die letzten Jahrzehnte eher in einem Dämmerschlaf der Nichtbeachtung. In Skandinavien dagegen besitzt sie auch heute noch einen hohen Stellenwert und findet auf vielen Speisekarten Platz. Dort wurde dann auch Mitte 2000 in Studien ihre entzündungshemmende Wirkung bei Arthrose festgestellt. Teilnehmer einer dänischen Studie erhielten drei Monate lang täglich fünf Gramm Hagebuttenpulver. Das Ergebnis beeindruckte: Gegenüber den Probanden, die die Substanz nur scheinbar eingenommen hatten, litten die Teilnehmer, die das Pulver tatsächlich geschluckt hatten, weniger unter Gelenkschmerzen und Morgensteifigkeit. Ausserdem fühlten sie sich insgesamt besser.

In einer norwegischen Untersuchung wurde der mögliche Einfluss von Hagebuttenpulver bei Arthrose des Handgelenks, einer besonders unangenehmen Form der Erkrankung, getestet. Nach drei Monaten berichteten 88 Prozent der Patienten über einen Rückgang der Schmerzen bei häufigen Handbewegungen – im Gegensatz zu nur 36 Prozent in der Placebogruppe. Auch die Zürcher Allgemeinmedizinerin Sigrun Chrubasik beschäftigt sich intensiv mit der Hundsrose. Sie erprobte das Hagebuttenpulver, das im Handel hier zu Lande unter dem Namen Litozin bekannt ist, an Patienten mit chronischen behandlungsbedürftigen Schmerzen im unteren Rückenbereich. Im Verlauf von 18 Wochen gingen bei zwei Dritteln der Teilnehmer die Schmerzen um mehr als 50 Prozent zurück. Allgemeinmedizinerin Sigrun Chrubasik empfiehlt deshalb bei derartigen Beschwerden, doch erst einmal das nebenwirkungsarme Pulver zu versuchen und erst wenn dies nicht ausreichen sollte, zu geringen Dosen klassischer Schmerzmittel zu greifen.

Frucht mit vielen Facetten

Auch arbeitete sie an einer zusammenführenden Studie mit, in der zahlreiche Untersuchungen weltweit rund um die Hagebutte unter die Lupe genommen wurden. Dabei deuteten Ergebnisse an, dass das Pulver der Frucht sich als Cholesterinsenker eignen könnte oder dank seiner probiotischen Wirkung sogar das Immunsystem stärkt. Selbst bei Reizdarm und als Schutz vor Magengeschwüren soll die Hagebutte helfen.

Gute Erfahrungen mit der rötlichen und vielfach übersehenen Frucht machte auch der Homöopath Heinz Weder, der bedauert, dass sie hier zu Lande vielfach nur noch als Geschmacksbringer eingesetzt wird. Er führte in Schönengrund in Appenzell-Ausserrhoden 16 Jahre lang eine Drogerie, in der er sich auf Naturheilkunde spezialisiert hatte. Anfangs wusste der Zugereiste gar nicht, was all die Kunden wollten, wenn sie von «Tääghüffeli» sprachen. Im Appenzellerland war die Hagebutte, die früher bei jedem Bauernhaus wuchs, von jeher als Vitamin-C-Spender beliebt. «Der Sud eignet sich, um Akne zu mildern oder um leichte oder schlecht heilende Wunden auszuwaschen», beschreibt Weder mögliche Anwendungsmöglichkeiten. Auch als Gurgelmittel bei einer drohenden Erkältung erziele er gute Dienste. Hagebuttentee wiederum wurde als Volksheilmittel oft bei leichten Blasenbeschwerden eingesetzt.

Gut gegen Arthrose

Ist die Hagebutte tatsächlich eine bislang verkannte Wunderwaffe? Dazu meint Matthias Hamburger, Ordinarius für pharmazeutische Biologie an der Universität Basel und einer der führenden Schweizer Wissenschaftler in Sachen pflanzliche Arzneimittel: «Mittlerweile gibt es drei ernst zu nehmende Studien, die belegen, dass Hagebuttenpulver einen positiven Effekt bei Arthroseschmerzen hat und dass dadurch die Dosis von Schmerzmittel gesenkt werden konnte.» Allerdings sei seine Wirkung weniger stark als diejenige rezeptpflichtiger Arzneimittel, dafür sei es sehr gut verträglich. In den anderen Fällen, in denen die Hagebutte helfen soll, dämpft er jedoch die Euphorie. «Es fehlt an eindeutigen Beweisen.» Hamburger rät auf jeden Fall bei gesundheitlichen Problemen, stets eine sorgfältige medizinische Abklärung vornehmen zu lassen. Und warnt davor, mit der Hagebutte eigenmächtig zu therapieren.

Vitamin-C-Spender

Eines ist sicher, aber vielen nicht bekannt – das Männlein aus dem Walde mit einem Mäntlein aus Purpur – ist eine wahre Vitamin-C-Bombe. Sein Mark soll zwanzig Mal mehr Ascorbinsäure enthalten als eine Zitrone. Und damit tut sich auch der grösste Skeptiker in Sachen Naturheilkunde noch etwas Gutes, wenn er beispielsweise selbst Hagebuttentee herstellt: einfach die Schalen halbieren, sie abends in kaltes Wasser einlegen und morgens als Sud trinkwarm zu sich nehmen.

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