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Tattoos: Neue Farben machen Probleme

Sie sind weit verbreitet. Wer ein Tattoo entfernen lassen will, kann zwischen verschiedenen Methoden wählen. Kurz, schmerzlos und billig ist jedoch keine davon.

Kleinere «Jugendsünden» lassen sich oft aber schon entfernen, doch der Aufwand ist gross.
Kleinere «Jugendsünden» lassen sich oft aber schon entfernen, doch der Aufwand ist gross.
Colourbox

Rund ein Viertel aller 16- bis 29-Jährigen trugen vor acht Jahren laut einer Umfrage des Instituts Allensbach ein Tattoo. Michael Radenhausen, Leiter des Haut- und Laserzentrums (HLZ) an der Klinik Siloah in Gümligen, glaubt sogar, dass sich heute mindestens ein Drittel der 20- bis 30-Jährigen eine Tätowierung machen lässt. Und die Tendenz sei weiterhin steigend. Während die einen bloss einen Vornamen auf ihrer Haut verewigen wollen, lassen sich Einzelne sogar den ganzen Körper bis zum Kopf tätowieren.

Eine Erscheinung der Neuzeit ist das Tätowieren der menschlichen Haut nicht. Die Bezeichnung «Tattoo» ist abgeleitet vom tahitianischen «tatau». Erst zu Beginn des 20.Jahrhunderts setzte sich der Ausdruck «Tätowierung» durch, wogegen sich die Jugend heute gern des englischen «Tattoo» bedient.

Farben aus der Autoindustrie

Beim Tätowieren werden Farbstoffe unter die Oberhaut gespritzt. Ältere Tattoos lassen sich mit den heutigen Methoden relativ spurlos beseitigen: einerseits deshalb, weil anorganische Stoffe wie Tusche oder Asche verwendet wurden, anderseits, weil die Nadeln nicht tief angesetzt wurden. Heute jedoch wird häufig maschinell gearbeitet: Die Tätowierer verwenden «Tattoo-Pistolen», die die Substanzen tief in die Lederhaut hineinspritzen. Ausserdem werden zunehmend Farbstoffe verwendet, die teilweise nur mit grossen Schwierigkeiten entfernt werden können.

Michael Radenhausen vergleicht die Entwicklung mit der Autoindustrie: «Noch vor 20 Jahren konnten Autokäufer bloss zwischen einer Handvoll Farben wählen, heute erfüllt die Industrie praktisch jeden Wunsch.» Apropos Autoindustrie: Tattoo-Studios verwenden tatsächlich gelegentlich Farbstoffe, die für die Lackierung von Automobilen entwickelt wurden und für Menschen giftig sein können.

«Es ist merkwürdig», findet Jana Emmenegger vom Studio Skinial in Bern, das auf die Entfernung von Tattoos spezialisiert ist, «viele Leute lassen sich von irgendeinem Hinterhofstecher ein Tattoo anbringen, ohne sich dabei über gesundheitliche Folgen den Kopf zu zerbrechen. Erst wenn sie es wieder entfernen lassen wollen, überlegen sie sich die möglichen Konsequenzen.»

Entfernen mit Milchsäure

Weshalb wollen die Leute aber eine Tätowierung beseitigen lassen? «Tattoos demonstrieren fast immer die Zugehörigkeit zu einer Person, einer Gruppe oder einer Weltanschauung», hat Dermatologe Michael Radenhausen bei seiner Arbeit beobachtet: «Ein Mensch ändert aber im Verlauf seines Lebens häufig seine Einstellungen und Präferenzen.»

Eine seit langem beliebte Methode, eine Tätowierung zu entfernen, ist die Behandlung mit Säure. Heute steht die Milchsäure hoch im Kurs. Vorerst aber muss man wissen, dass die beim Tätowieren unter die Haut gespritzten Farbpigmente dort von körpereigenen Zellen (Makrophagen) eingekapselt werden. «Man kann sich das vorstellen wie farbige Weihnachtskugeln», so Radenhausen. In diese Kugeln werde die Milchsäure gespritzt, erklärt Emmenegger. Die Farbe werde dann auf natürlichem Weg aus dem Körper ausgeschieden. Erst im August haben die deutschen Behörden gewarnt, diese Methode könne schwere Entzündungsreaktionen zur Folge haben. Jana Emmenegger sagt, ihr sei kein einziger Fall einer schweren Entzündung bekannt. Beobachtet habe sie bislang lediglich vorübergehende Hautrötungen.

... oder mit dem Laser

Standard ist seit Ende der 1990er-Jahre die Laserbehandlung. Hier wird ein hoch wirksamer Lichtstrahl auf die «Weihnachtskugeln» gerichtet, wobei der Strahl die Komplementärfarbe des anvisierten Pigments enthält. Gegen rote Farbe etwa wird also ein grüner Lichtstrahl eingesetzt. Das Ziel ist, die Farbpigmente an Ort und Stelle zu «zerstäuben». Die Abfallprodukte sollten anschliessend durch Abbauprozesse abgeräumt werden.

Auch eine Laserbehandlung birgt Risiken. Das streitet auch der Leiter des Haut- und Laserzentrums nicht ab. Er verweist aber darauf, dass in den letzten 15 Jahren keine gravierenden Nachteile festgestellt worden seien. Der anfänglich geäusserte Verdacht, die Behandlung könnte zu einem erhöhten Krebsrisiko führen, hat sich gemäss Radenhausen bislang nicht bestätigt.

Das Hauptproblem liegt für ihn allerdings nicht bei der Entfernung, sondern beim Anbringen einer Tätowierung. Er kommt erneut auf die Gefährlichkeit einiger Farbstoffe zu sprechen: Zur Anwendung kämen zunehmend organische Verbindungen, Dioxazionderivate oder Azofarbstoffe, die ursprünglich zur Färbung von Textilien entwickelt worden seien. Oft würden neue Produkte angewendet, deren Wirkung unbekannt sei. Sollten später schädliche Nebenwirkungen auftreten, wäre es schwierig, zu sagen, ob der Schaden bereits beim Stechen entstanden ist oder erst später beim Aufbrechen der Farbpigmente während des Entfernens der Tätowierung.

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