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Wo bleibt der Boom der Bio-Düfte?

Die Welt der Parfüms ist synthetisch. Dabei gibt es Düfte aus dem Labor, die gar nicht gesund sind – Bioprodukte sind eine Alternative, haben aber andere Nachteile.

Die Basis für Bio: ätherische Öle aus natürlichen Rohmaterialien – zum Beispiel Lavendel.
Die Basis für Bio: ätherische Öle aus natürlichen Rohmaterialien – zum Beispiel Lavendel.
Elena Elisseeva

Bio boomt: im Kochtopf, an der Kleiderstange und im Kosmetikstudio. Im Vergleich dazu wird Bio in der Welt der Düfte stiefmütterlich behandelt. Die meisten Parfüms sind synthetisch – und nach wie vor beliebt. Das erstaunt, schliesslich haben synthetische Duftstoffe in der Vergangenheit für schlechte Schlagzeilen gesorgt. Moschusverbindungen zum Beispiel stehen im Verdacht, Krebs zu erregen. Das ist umso bedenklicher, als dass synthetische Stoffe in der Regel sehr stabil sind und von der Umwelt schlecht abgebaut werden. So lagert sich künstlich hergestelltes Moschus im Fettgewebe ab und reichert sich in der Muttermilch an – wo die Dosis dann tatsächlich das Gift ausmacht.Nur die Spitze des Eisbergs«Die Moschusverbindungen sind wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs», sagt Toxikologin Margret Schlumpf. Aber leider sei die Datengrundlage schlecht: «Forschungsgelder fehlen, unabhängige Toxikologen gibt es praktisch keine, und die Kosmetikindustrie gewährt keinen Zugang zu ihren Daten.» Die Naturwissenschaftlerin engagiert sich in der Gruppe Greentox für eine kritische Auseinandersetzung mit Umweltgiften. Sie selbst verwendet so wenig «Duftzeugs» wie möglich – und wenn, dann setzt sie auf Produkte, die organisch hergestellt werden.Biodüfte sind nicht teurerDamit gehört Margret Schlumpf zu einer Minderheit: Die Gemeinde der Bioduftanhänger ist klein. Und das liegt nicht etwa am Preis: Obwohl die natürlichen Rohstoffe viel teurer sind, kosten Bioparfüms nicht unbedingt mehr. Im Vergleich zu den Designerparfüms haben sie viel tiefere Margen und benötigen weniger Marketing – schliesslich müssen sie sich nicht von unzähligen fast identischen Produkten unterscheiden. In der Kosmetikabteilung des Bioladens Vatter in Bern lassen sich die Bioduftmarken an einer Hand abzählen: Florascent, Farfalla, Wellments, Melvita und Lavera. Die grösste Auswahl bietet Florascent mit 50 verschiedenen Kompositionen. Es sind komplexe Düfte, die längst nicht nur nach Blümchen riechen: hier etwas Holz, da Harz und dort Gewürze. Florascent ist mit 89 bis 104 Franken für 60 Milliliter der Rolls-Royce unter den Biodüften. Der deutsche Parfümproduzent verspricht, nur natürliche und auf traditionelle Art und Weise gewonnene Essenzen zu verwenden. Allerdings tragen Florascent-Produkte keines der gängigen Biolabels: «Es ist nicht unser Anspruch, dass unsere Düfte zertifiziert sind. Unser Anspruch ist es, traditionelle Parfümeurskunst zu machen. Wir verstehen die Duftherstellung als Gesamtkunstwerk», erklärt Parfümeur Roland Tentunian von Florascent. Zertifiziert ist Farfalla, eine Schweizer Marke, die sich auf die Herstellung von ätherischen Ölen spezialisiert hat und vor allem für ihre Raumdüfte bekannt ist. Ein Flakon Naturparfüm von 50 Millilitern kostet bei Farfalla zwischen 35 und 49 Franken, allerdings ist die Auswahl mit insgesamt 14 Düften kleiner. Die drei anderen Marken im Sortiment von Vatter haben vor allem in der Pflege Erfahrung, stellen heute aber auch Parfüms her. Wo die Natur versagtDie Alternativen zu den synthetischen Düften wären also da. Fragt sich: Warum ist der Bioboom bei den Parfüms noch nicht angekommen? «Es gibt da einen Haken», sagt Jean-Claude Richard, Duftexperte bei Farfalla. «Im Labor können Gerüche hergestellt werden, die es in der Natur nicht gibt.» Die Fülle der Düfte und die Komplexität der Parfüms sind damit grösser: «Bio verwenden und wie Armani riechen, das geht nicht.» Ein weiteres Problem ist die Haftbarkeit: «Wie der Name schon sagt, sind ätherische Öle flüchtig», so Richard. Am Morgen einsprühen und am Abend immer noch wie frisch geduscht riechen, ist mit Biodüften nicht möglich. «Dafür haben die natürlichen Essenzen den Vorteil, dass sie sich besser mit dem Eigengeruch vermischen – und ein Mensch sollte doch immer noch nach Mensch riechen, oder?» Auf natürliche Düfte müsse man sich einlassen. Doch wer das mal getan habe, wolle meist nicht mehr zurück.

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